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Berliner Morgenpost
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Mittwoch, 11.8.2010

Ein 9:0 als Muster ohne Wert

(sto) – Nach rund 80 Minuten und acht Toren für Hertha BSC hatte der elegant gekleidete Herr genug gesehen. Gemeinsam mit Manager Michael Preetz verließ Trainer Markus Babbel das Stadion an der Finsterwalder Straße vorzeitig, und allein diese Begebenheit sagte alles aus über den Stellenwert von Herthas letztem Testspiel, ehe es am Wochenende nun endlich ernst wird.Samstag tritt Hertha im DFB-Pokal bei Regionalligist SC Pfullendorf an.

Den vorbereitenden Kick gegen Bezirksligist FC Lübars hatte Babbel schon vorher als „Bewegungstherapie“ für die Seinen abgetan, tatsächlich gerieten die 90 Minuten in Reinickendorf zum Muster von bemerkenswert wenig Wert. Das begann schon bei der Personalstärke. Die elf Mann auf dem Rasen ergänzte gerade einmal noch Sascha Burchert, der Ersatztorhüter, der ab Minute 46 bezeichnenderweise im rechten Mittelfeld auflief und dort recht bald sogar ein Tor erzielte, das zum 5:0 (54.). Burchert musste im Feld ran, weil Pierre-Michel Lasogga bei seinem Treffer zum 1:0 (22.) einen Schlag auf das linke Sprunggelenk bekommen hatte; tapfer schleppte sich der ehrgeizige 18-Jährige bis zum Pausenpfiff über den Platz, ehe es für ihn wirklich nicht mehr weiterging. Zu Lasogga ist jedoch zu sagen: Einen solchen nimmermüden Bullen, dem kein Weg zu weit und keine Qual gegen sich und andere zu groß ist, hatte Hertha lange nicht mehr, schon gar nicht im Angriff. Dieser aus der Reservemannschaft von Bayer Leverkusen verpflichtete Lasogga kann für Hertha noch sehr wertvoll werden.

Burchert kommentierte seinen Ausflug aufs Feld, es habe „Spaß gemacht“, aber mehr gebe es zu dem Thema nicht zu sagen. Der mögliche Notfall war schon im Vorfeld abgesprochen worden, deshalb lag neben einem Torwarttrikot auch ein solches in blau und weiß und mit der namenlosen Rückennummer „36“ bereit, das Burchert sich dann auch überzog.

Djuricin drängt sich weiter auf

Der wahre Gewinner des Ausflugs in den Norden der Stadt war aber einer, der nach Schlusspfiff von so vielen Autogrammsammlern umringt war wie noch nie zuvor in seiner jungen Karriere: Marko Djuricin. Beinahe eine Viertelstunde lang kam der 17-Jährige jedem Wunsch nach einer Unterschrift oder einem Foto nach. „Bei der U19-EM mit Österreich war es schon so ähnlich. Aber dass es jetzt Hertha-Fans sind, macht die Sache natürlich noch viel schöner“, sagte er stolz. Vier Tore waren Djuricin gelungen, alle in der zweiten Halbzeit (49., 77., 83., 85.), mal mit links, mal mit rechts, mal von der Strafraumgrenze, mal aus kurzer Distanz. Neben Lasogga wächst da anscheinend gleich noch ein zweiter Torjäger heran. Sieben Tore hat Djuricin, der erst seit dem 1. August, dem Tag der Abreise ins Trainingslager in Österreich, mit den Profis übt, in vier Testspielen erzielt. Als Lohn darf er vorerst – ebenso wie der gleichaltrige Nico Schulz – bei den Profis bleiben; das teilte Babbel seinen beiden Jüngsten im Kader am Mittwoch mit.

Lasogga, Djuricin – das war es dann aber auch schon an positiven Erkenntnissen rund um den Kantersieg gegen den in jeder Hinsicht überforderten Gegner, der ein Jahr zuvor gegen Hertha noch mit 0:23 untergegangen war. Der Hauptteil der gegen Lübars eingesetzten zweiten Formation konnte sich ganz und gar nicht aufdrängen. Von Ronny, dem ehemaligen Junioren-Weltmeister, blieb allenfalls ein gefühltes Dutzend mitunter recht hübsch geschlagener Ecken in Erinnerung, außerdem ein Freistoß fast aus dem Stand, der nach 20 Metern Flug ans Lattengestänge klatschte. Was ein Christoph Janker im Aufbauspiel bot, war schlicht zu wenig. Gleiches gilt für den alternden Pal Dardai, der einige Male arge Mühe im Duell Mann gegen Mann hatte. Oder für Sascha Bigalke, der gegen den Achtligisten zwar technisch überzeugen konnte, sich aber auch einige teils hanebüchene Abspielfehlern erlaubte. Nach 80 Minuten hatte Trainer Babbel genug gesehen.

Hertha: Sejna – Janker, Kaka, Neumann, Ronny – Dardai, Bigalke – Hartmann, Djuricin, Schulz – Lasogga (46. Burchert). Tore: 1:0 Lasogga (22.), 2:0 Bigalke (45., Foulelfmeter), 3:0 Schulz (47.), 4:0 Djuricin (49.), 5:0 Burchert (54.), 6:0 Dardai (69.), 7:0, 8:0, 9:0 Djuricin (77., 83., 85.).


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Kommentare

targettwo
28. Mai 2014 um 19:49  |  293567

Gold !!!
Knapp 4 Jahre nach Erscheinen des Artikels….:)
…da werden sich ja einige aergern…


Freddie1
28. Mai 2014 um 20:01  |  293572

Der war nicht schlecht
🙂


13. Juli 2014 um 12:05  |  318585

und Bronze, nachdem ich mit meiner Zeitmaschine ins Jahr 2014 geflogen bin

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