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Berliner Morgenpost
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Donnerstag, 12.8.2010

Eberts Kampf und Wandel

(sto) – Der Trainingsbesucher in dieser Woche war gleichermaßen überraschend zugegen wie ganz in schwarz gekleidet. Schwarze Trainingsjacke, schwarze Trainingshose, ja, sogar die Plastikgriffe seiner Krücken waren schwarz. Dabei besteht zu Trauer für Patrick Ebert doch gar kein Anlass. Ganze dreieinhalb Wochen nach seinem Kreuzbandriss im rechten Knie, zugezogen am 17. Juli bei Herthas Test in Ulm (4:0, das erste Tor hatte Ebert noch selbst erzielt), denkt Ebert schon wieder an sein Comeback.

Ausgesprochen gelöst und regelrecht glücklich wirkte Ebert, als er seinen Kollegen von einer kleinen Holzbank am Rande des Trainingsgeländes auf dem Schenckendorffplatz aus bei ihrer Übungseinheit zusah. Keine Wehmut?, fragte ich ihn. „Nein“, antwortete Ebert – und grinste: „Zum Trainieren ist es jetzt doch eh zu warm.“ Tatsächlich schien die Sonne gerade einigermaßen heiß vom Berliner Nachmittagshimmel. Als Ebert, das Training der Mitspieler ist nach 75 Minuten zu Ende gegangen, wieder zu seinem Wagen humpelt, stoppt er kurz ab. Er will noch etwas vorführen. Stolz zeigt er, dass er auf dem rechten Bein schon wieder mit dem vollen Gewicht stehen kann. Und dann erzählt er: „Die Reha verläuft sehr gut. Ich arbeite jeden Tag sechs Stunden, von morgens bis etwa 15 Uhr. Alles läuft besser als gedacht, nächste Woche brauche ich wohl schon keine Krücken mehr.“ Herthas Mannschaftsarzt Dr. Ulrich Schleicher bestätigt den ambitionierten Zeitplan: Patrick ist hochmotiviert, alles geht gut voran. Er liegt vor dem Plan.“

In den kommenden Tagen soll die Belastung auf das Knie des Kämpfers immer weiter gesteigert und mit immer mehr Gewicht belastet werden. Was nach Wunderheilung klingt, hat noch am ehesten mit Eberts guten körperlichen Voraussetzungen zu tun. Der mit 1,75 Meter eher kompakte Typ hat obendrein eine recht kräftige und auch widerstandsfähige Muskulatur. Etwa einem eher schmächtigen Fabian Lustenberger fiele der Weg zurück deutlich schwerer. „Patrick kommen jetzt sicher auch seine tollen Fitnesswerte zugute, die er vor der Verletzung hatte“, sagt Manager Michael Preetz.

Gedanken an ein Comeback noch in der Hinrunde, also vor der Winterpause, verbieten sich dennoch. Sechs Monate, so lautet die Regel, dauert die Wiederherstellungszeit nach einem Kreuzbandriss; auch acht Monate sind keine Seltenheit. Und noch einmal so lange dauert es in der Praxis, ehe der Rekonvaleszent wieder bei 100 Prozent Leistungsfähigkeit ist. Alles andere sind Träumereien. Oder Ausnahmefälle. Ja, es gibt Beispiele von Profifußballern, die in weniger als einem halben Jahr auf den Rasen zurückkehrten – allen voran der damalige KSC-Torhüter Markus Miller (jetzt Hannover 96), der 2008 nach nur 82 Tagen wieder im Kasten stand. Doch ist Kreuzbandriss eben nicht gleich Kreuzbandriss. Es gibt Anrisse und Durchrisse und dort dann gerade oder schräge Risse, glatte oder fransige. Ebert, so viel steht fest, hatte mit seiner Art der Verletzung noch Glück im Unglück; auch wurde der Meniskus nicht beschädigt, das Außenband war nur angerissen, das Innenband nur überdehnt.

Die Karriere steht auf dem Spiel

Dennoch bremst Dr. Schleicher alle übertriebenen Sehnsüchte: „Wir hoffen, dass Patrick im Januar oder Februar wieder einsteigen kann, also noch recht früh in der Rückrunde.“ Gleichzeitig ist klar, dass für Ebert jeder Tag, jedes Spiel zählt. Der Vertrag des Profis, der in der Vergangenheit nur durch so manche Eskapade abseits des Rasens von sich reden machte, endet im Sommer 2011. Nur, wenn Hertha in die Bundesliga zurückkehrt, verlängert sich auch die Zusammenarbeit mit Ebert. So lautet jedenfalls der Plan. Also muss Ebert sich beweisen. Er muss den Nachweis erbringen, dass er mit inzwischen 23 Jahren menschlich soweit gereift ist, dass er nicht ewig im Talent-Modus verharrt. In seiner Persönlichkeit war Ebert der Wandel schon einmal gelungen. Er, der sich sonst gern schüchtern wegduckte und am liebsten mit überhaupt niemand sprechen wollte, präsentiert sich nach dem Sommerurlaub auf einmal – für seine Verhältnisse – recht kommunikativ, er grüßt, gibt die Hand. Leute, die Ebert gut kennen, loben den Einfluss, den seine Lebensgefährtin Sofia auf ihn genommen hat; im Sommerurlaub hat das Paar sich verlobt, im kommenden Jahr soll geheiratet werden.

Dann will Ebert längst auch wieder kicken können. In Trainer Markus Babbel hatte er einen prominenten Fan seiner Künste gefunden, dann kam die Verletzung dazwischen, die Ebert sich im Übereifer einigermaßen selbstverschuldet einbrockte. Doch wollte er einfach endlich auch auf dem Rasen auf sich aufmerksam machen. Er wollte ganz ausdrücklich, das sagte und sagt er immer wieder, nach sportlich mageren Jahren „den besten Ebert zeigen, der jemals zu sehen war“. Erst mal muss er aber noch einige Monate selbst zusehen. Doch die Hoffnung ist da. (ds)


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Kommentare

fg
29. Mai 2014 um 6:15  |  293784

Ok, dann mach ich mir den Gag auch: Goldige Grüße aus dem schönen Savannah, Georgia.


Bormio96
2. September 2014 um 22:44  |  348450

Okay, nun also ich auch:
Silber! Danke, Danke, Danke! 😉

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