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Berliner Morgenpost
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Freitag, 13.8.2010

Ohne Raffael nach Pfullendorf

(sto) – Kann es denn wirklich sein, dass es jetzt losgeht – nach 39 langen Tagen Vorbereitung mit elf Testspielen, von denen Hertha BSC acht gewonnen und (bei einem Unentschieden) nur zwei verloren hat; Torverhältnis: 38:8? Ja, tatsächlich, heute ist die Mannschaft mit Trainer Markus Babbel nach Memmingen geflogen und von dort mit dem Bus weiter nach Pfullendorf gefahren. Dieses Pfullendorf, aber das nur am Rande, ist der mit Abstand am südlichsten gelegene aller unterklassigen Vereine, die in der ersten Runde des DFB-Pokals automatisch genießen. Da hatte es das Losglück also mal wieder besonders gut gemeint mit dem Hauptstadtklub.

Präzise formuliert muss die Eingangsfrage allerdings lauten: Muss es denn sein, dass es ausgerechnet jetzt losgeht? Wir schreiben heute Freitag, den 13. – und das passt bestens zur aktuellen Personallage. „Der Kader für Pfullendorf“, klagt Babbel, „stellt sich fast von selbst auf.“ Am Ende einer langen Vorbereitungsphase fallen gleich drei potenzielle Stamm- und dazu ein Perspektivspieler aus, der nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht hat: Pierre-Michel Lasogga, 18 Jahre alt und in den Testspielen siebenmaliger Torschütze.

„Lasoggas Ausfall ist ein herber Schlag für ihn, aber auch für uns“, sagt Babbel: „Er hat sich in der Vorbereitung prächtig entwickelt.“ Aber beim 9:0 im bedeutungslosen Test gegen FC Lübars erlitt Lasogga eine Dehnung des Syndesmosebandes im linken Knöchel. Dieses Halteelement kennt spätestens seit dem Tritt von Kevin Boateng gegen Michael Ballack jeder Fußball-Fan. Bei Ballack riss es, gerade sind für ihn zweieinhalb Monate Pause zu Ende gegangen. Lasogga wird drei Wochen fehlen, mindestens. Patrick Ebert wird wegen seines Kreuzbandrisses bis ins Jahr 2011 ausfallen. Und Fabian Lustenberger (Ödem am Schienbeinknochen) muss wie Daniel Beichler (Leistenzerrung) zwei bis drei Wochen pausieren. Auch in diesen Fällen lautet die Prognose: mindestens.

Wer jetzt fragt, ob Babbel zu hart hat trainieren lassen, dem sei gesagt: Nein. Babbel hat Hertha mit der nötigen Intensität auf eine anspruchsvolle Zweitliga-Saison vorbereitet. Aber sowohl Eberts als auch Lasoggas Ausfälle resultieren aus Übereifer im Wettkampf, Beichlers Blessur ist vergleichsweise harmlos, und bei Lustenberger stellte ich jüngst schon in einem Artikel in der Berliner Morgenpost die ketzerische Behauptung auf, der körperlich fragile Schweizer werde erst noch nachweisen müssen, tatsächlich einmal eine komplette Saison verletzungsfrei bestreiten zu können. Ich wäre gerne erst etwas später widerlegt worden…

Aber auch ohne das verletzte Quartett kann und muss Hertha in Pfullendorf bestehen. Die Abwehr (v.r.n.l.: Lell, Hubnik, Mijatovic, Kobiashvili) und der neue Torhüter Maikel Aerts sind einigermaßen gut aufeinander abgestimmt. Im defensiven Mittelfeld  kam Zugang Peter Niemeyer keinen Tag zu früh, und wenn Herthas Offensive um Raffael, Adrian Ramos und Rob Friend erst einmal ins Rollen kommt, sind diese drei schwer zu stoppen – erst recht von einem Regionalligisten.

Vier Verletzte, und jetzt fällt auch noch Raffael aus

Doch während ich meinen Blog-Eintrag verfasse, kommt diese Mitteilung: „HERTHA BSC wird mit folgendem Kader zum Pokalspiel beim SC Pfullendorf (Samstag, 14. August 2010, 15:30 Uhr) reisen: Maikel Aerts, Christian Lell, Levan Kobiashvili, Roman Hubnik, Andre Mijatovic, Christoph Janker, Pal Dardai, Adrian Ramos, Ronny, Nikita Rukavytsya, Sebastian Neumann, Sascha Bigalke, Rob Friend, Valeri Domovchiyski, Peter Niemeyer, Sascha Burchert, Fanol Perdedaj, Nico Schulz.“

Genau hingesehen, welcher Name fehlt? Richtig: „Raffael kann die Reise nach Pfullendorf wegen einer Infektion nicht antreten. Der brasilianische Mittelfeldspieler klagte am Freitag über Fieber und musste deshalb die abschließende Trainingseinheit ausfallen lassen.“ Wollte ich jetzt also allen Schwarzsehern (DFB-Pokal ist immerhin DFB-Pokal, und Herthas Historie in diesem Bewerb hinreichend thematisiert) trotz Freitag, dem 13. und Verletztenmisere zu Zuversicht raten, so verändert Raffaels Ausfall die Vorzeichen doch deutlich. Andererseits ist sein Fehlen die Chance für Valeri Domovchiyski, die guten Eindrücke der Vorbereitung jetzt auch im Ernstfall zu bestätigen.

Also, auf nach Pfullendorf! (ds)


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Kommentare

Schneider
14. August 2010 um 9:18  |  4

Wenn Pfullendorf (heißt das wirklich so?) also nun der erste Härtetest für diese neue Hertha ist, dann Frage ich mich, wie werden die Jungs wohl persönlich so zurechtkommen mit dieser ungeheuren Belastung vor dem ersten großen topspiel der Saison? Vor allem die neuen: sind das schon echte herthaner? So mit Leib und Seele?

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