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Berliner Morgenpost
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(sto) – Dreizehn Jahre lang hat Hertha BSC von 1997 an in der Bundesliga immer mehr Perfektion kennen lernen dürfen. Die Spieltage und Spiele sind heute sekundengenau durchgeplant, nichts in den Arenen und deren Umfeld wird dem Zufall überlassen.

Und nun: Zweite Liga. Mag das Stiefkind des deutschen Fußballs auch längst kein so schlechtes Image mehr haben wie noch in den 80er- und 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, so ist Absteiger Hertha auf seiner Reise durch das Unterhaus doch gut beraten, hier und da das Unerwartete zu erwarten.

Beispiele gefällig? Zweite Liga, das ist, wenn… (ein Dank an dieser Stelle gebührt dem eifrigen Statistiken- und Anekdotensammler Udo M. aus F.)

… die Premiere ins Wasser fällt. Starker Regen verhinderte im Februar 1994 das erste Montagsspiel zwischen 1860 München und Hansa Rostock. Stattdessen begründeten St. Pauli und Meppen am 7. März 1994 den Kulttermin.

… der Aufsteiger durchmarschiert. 1860 München (1994), Fortuna Düsseldorf (1995), Arminia Bielefeld (1996), Ulm 46 (1999) und 1899 Hoffenheim (2008) schafften direkt den Aufstieg in die Bundesliga.

… plötzlich die Lizenz weg ist. Bonner SC (1977), FC St. Pauli (1979), 1860 München (1982), RW Oberhausen (1988), Kickers Offenbach (1989), RW Essen (1994), 1. FC Saarbrücken (1995) und TeBe (2000) wurde sie entzogen. Mainz 05 (1976), Röchling Völklingen (1977), Westfalia Herne (1979) und Wanne Eickel (1980) gaben sie freiwillig zurück.

… die Hütte so richtig voll ist. Die meisten Zuschauer in einem Zweitligaspiel kamen ins Münchner Olympia-Stadion: am 2.4. 1977 sahen 77.573 das Spiel TSV 1860 – VfB Stuttgart. In der eingleisigen Zweiten Liga (seit 1981) ist Hertha top. Die Blau-Weißen begrüßten am 7.4. 1997 montagabends gegen Kaiserslautern 75.000 Zuschauer, darunter mein Blog-Partner Uwe Bremer.

… künftige Weltmeister auflaufen. Jürgen Klinsmann, Rudi Völler, Uwe Bein, Guido Buchwald, Olaf Thon, Stefan Reuter, Andreas Köpke, Andreas Brehme und Frank Mill begannen ihre Karrieren samt und sonders in der Zweiten Liga.

Aber vor allem ist Zweite Liga, wenn es so richtig kurios wird:

  • In der Saison 1986/87 lief erstmals eine deutsche Profi-Mannschaft mit nur zehn Spielern auf. Arminia Bielefeld war in Personalnot, durfte aber wegen der Bestimmungen des unfehlbaren DFB nur drei Amateure einsetzen. Da nur sieben Profis gesund waren, bestand die Elf am 19.10.1986 gegen Saarbrücken nur aus zehn Spielern. Das Resultat war dafür achtbar: 1:3.
  • 1981/82 nahm Hessen Kassels Trainer Rudi Kröner seinen Spieler Manfred Grawunder bei RW Essen (1:5) vom Platz, obwohl er nicht mehr wechseln konnte. Grund: Er war verärgert über seine Leistung, Gegenspieler Gregor Grillemeier hatte zwei Tore erzielt.
  • Im August 1978 ließ Ex-Profi Dieter Schiller beim Heimspiel gegen Wattenscheid die Tageskasse des FC St. Pauli pfänden. Ihm standen noch 39.000 Mark zu.
  • Die Kapriolen des seligen Jean Löring (Fortuna Köln) sind Legende: Er reparierte im Süd-Stadion das Flutlicht selbst, zog Uerdingens Spieler Heiko Lässig die Schuhe aus um „angespitzte Stollen“ zu beweisen, strich einen Schiri-Bericht mit den Worten „Alles gelogen“ durch und umging die DFB-Sperre für Heimspiele, indem er sich als Weihnachtsmann verkleidete.
  • Nicht minder lustig sein Lieblingstrainer Hannes Linßen: Als im einsamen Süd-Stadion ein Fan unentwegt seinen Rauswurf forderte, steckte er ihm einen Hunderter (Mark) zu und sagte: „Geh nach hause“.

Ob auf Hertha in dieser Saison ähnlich Kurioses zukommt?


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Kommentare

Fan oho
20. August 2010 um 12:50  |  5

yeaahhh … arme hertha … jetzt wieder zweite liga … und das dauert wieder lange … bis zum aufstieg … oooohhh


icke
20. August 2010 um 17:29  |  7

Jungs: Großartig, dass Ihr bloggt. Und dass Ihr jeden Tag bloggen wollt – wurde mal Zeit. Zumal Ihr es könnt. Also: Los! Zeigt’s uns!


lupo
21. August 2010 um 14:31  |  20

Hoffe diese Seite hat lange bestand, denn ich finde sie super, besser als die offizielle Seite von Hertha.
Weiter so

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