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Berliner Morgenpost
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Samstag, 21.8.2010

Djuricins steiler Aufstieg

(sto) – Ganz selbstverständlich hat Marco Djuricin sich den Ball geschnappt. Elfmeter für Hertha BSC: Ein paar Schritte Anlauf – Tor, 1:1 gegen Hoffenheim. Träume ich etwa schon von der noch fernen Rückkehr in die Bundesliga samt zukünftiger Großtaten von Herthas neuem Sturmjuwel?

Nein. Ich blicke zurück an den Tag, an dem dieser gewisse Marco D. auf meinen blau-weißen Radarschirm geriet.

15. Mai 2010, Endspiel um den DFB-Juniorenpokal. „Das wird mal einer“, raunt  Herthas Vize Jörg Thomas auf der Tribüne des Amateurstadions Präsident Werner Gegenbauer zu. Der nickt. Doch ob sie wirklich ahnten, dass dieser 17-Jährige SO schnell einer werden würde?

Gegen Hoffenheim hatte Djuricin noch die eine oder andere gute Torgelegenheit mehr, er nutzte sie samt und sonders nicht, Hertha verlor das Pokalfinale 1:2 – und noch kaum jemand bekam davon etwas mit.

Mindestens genauso unbemerkt schoss Djurin sein Heimatland Österreich bei der U19-EM zur folgenden WM der Altersklasse nach Neuseeland – wieder per Foulelfmeter (Korrektur: die U20-WM findet in Kolumbien statt). Womit aber nicht gesagt sein soll, dass Djuricin seine Tore nur vom Punkt aus erzielen kann…!

Marco… – wer?, hieß es dann, als Hertha am 1. August ins Trainingslager nach Feldkirchen an der Donau aufbrach. Nicht alle mitreisenden Hertha-Reporter konnten mit dem Namen Djuricin schon etwas anfangen. Eher noch als sie hätte die Handvoll lokaler Reporter in Ried das aufstrebende Talent ihres Landes kennen sollen, das seit zwei Jahren im Hertha-Internat zu Hause ist.

Doch wieder: Marco… – wer? Zwei Tore später beim 3:1 im Testspiel von Hertha gegen den SV Ried war auch diese Frage beantwortet. „Zwei Tore im ersten Spiel für die Profis, noch dazu in Österreich – das ist schon klasse“, jubelte Djuricin hernach: „Ich habe mich sehr gefreut, dass ich mitfahren durfte. Ich werde alles geben, dass ich öfters bei den Profis reinschnuppern darf“.

Die Tür nach ganz oben, sagte Manager Michael Preetz, stehe Djuricin „weit offen, er muss nur durchgehen“. Markus Babbel nannte Djuricin in einem Atemzug mit Nico Schulz und den schon etwas älteren Sebastian Neumann und Fanol Perdedaj „eines unserer Riesentalente mit absolut großartigen Perspektiven“ und bewertete explizit Djuricin als „körperlich weit und technisch sehr gut ausgebildet“

Zum Ende der Vorbereitung standen für den Stürmer siebenTore in Testspielen – und die Beförderung durch Babbel in den Profikader. „Es ist super gelaufen“, sagte Djuricin zu mir nach dem 9:0 gegen den FC Lübars: „Der Trainer hat mir gesagt, dass wir (Anm.: er und Nico Schulz) erst mal fest oben bleiben. Ich freue mich sehr und werde weiter mein Bestes geben, damit ich oben bleibe und vielleicht auch mal zum Einsatz komme.“

Gegen Oberhausen war es soweit, der Rest der Geschichte ist bekannt. Zwei Tore erzielte Marco Djuricin in seinem ersten Pflichtspiel für Hertha -und wenn ich auf den 15. Mai zurückblicke, kommt auch mir die Geschichte wie aus dem Märchenbuch erzählt vor.

Wie es weitergehen wird? Am Freitag erhielt ich spät am Abend noch eine SMS eines Kollegen von der österreichischen Nachrichtenagentur APA: „Marco Djuricin“, schrieb er, „bald spielst Nationalmannschaft.“ Auszuschließen ist nichts mehr.


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Kommentare

pante
21. August 2010 um 18:05  |  21

wieder mal eine neue hertha-bubi-generation? besser als boateng und co.? in jedem fall: auch der neue jungstar scheint viel vom Tätowieren zu halten. aber, so lange er trifft….


Mr. Spock
21. August 2010 um 20:14  |  22

Genau das haben wir ein Jahr lang vermisst. Junge Spieler, die richtig Bock auf Fußball haben. Nur noch 33 Spiele bis zum Aufstieg….


21. August 2010 um 20:34  |  23

Man kann nur hoffen das er nicht den Weg geht den so viele talentierte junge Spieler in den letzten Jahrzehnten gegangen sind. Schnell weg von Hertha um woanders die große Karriere zu machen.


backs
22. August 2010 um 7:42  |  24

Ich habe neulich am Tel mit einem Kumpel sinniert wann zuletzt ein Hertha Trainer wirklich einen jungen Wilden ins kalte Wasser geworfen hat und nicht nur davon geredet hat. Leute wie Fanol, Asche usw wurdne hoch gelobt aber nicht eingewechselt wenn ein erfahrener Spieler auf ihrer Position ausfiel. Insofern fand ich die Einwechslungen von Marco und Schulz sehr wohltuend


vito37
22. August 2010 um 11:34  |  25

kirche im dorf lassen…..
ich hab echt nix gegen den jungen, aber das war nur ein spiel!!! er muss sein können noch öfter unter beweiss stellen!!! ich erwarte jetzt keine 15 saisontore, aber ein paar sollte er noch folgen lassen!!!!
bis dahin geniesse ich einfach mal das es der alten dame gelungen ist einen nachwuchsstürmer bringen der einer werden könnte!!! gefühlte 75 jahre sind vergangen…… wer war den der letzte????? okoronkwo??? zilic??? Lünsmann???


08-15
23. August 2010 um 0:03  |  27

Es ist schön, wenn es vielleicht wieder Spieler aus der Herthajugend schaffen. Auf der Veranstaltung „Hertha im Dialog“ und der Mitgliederversammlung im Mai 2010 wurde ja die Devise „Jugend wagen“ ausgegeben und von den Anwesenden mit viel Beifall bedacht. Die essenzielle Frage ist aber eben auch, ob wir, die wir das momentan alle besonders toll finden, wo es erfolgreich ist, dann die nötige Geduld mit der Jugend haben werden, wenn es nicht so gut läuft? Es ist ein schmaler Grat!
Am Besten, die Jungs starten immer alle von null auf hundert durch und spielen so 15 Jahre konstant durch… aber ist das auch realistisch?


Akki
23. August 2010 um 10:09  |  31

Ist ja toll dass mal wieder ein spieler aus unserem eigenen Nachwuchs so gut eingeschlagen hat ! Man kann nur hoffen dass es so bleibt! genug negative Beispiele gabs ja in der Vergangenheit!


mit Gruß aus Wien
30. August 2010 um 17:21  |  127

eine kleine Anmerkung: die U20-WM wird im Juli 2011 nicht in Neuseeland, sondern in Kolumbien stattfinden. Hoffentlich wird Djuricin dafür abgestellt werden, da dies sicher ein Highlight für jeden jungen Spieler darstellen würde.


ubremer
30. August 2010 um 17:40  |  128

@mit Gruß aus Wien

Danke für den Hinweis, die Korrektur ist richtig:
Hier ein Zitat vom Österreichischen Fußball-Verband (ÖFB) zu dem genannten Spiel:

„Durch einen Last-Minute-Sieg am letzten Spieltag der Gruppenphase bei der EM-Endrunde in Frankreich gegen die Niederlande lösten die ÖFB-Youngsters das Ticket für die U20-Weltmeisterschaft im nächsten Jahr in Kolumbien.“

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