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(ub) – Der „Canadian Tower“ stand wieder. Fest auf beiden Beinen und er schwankte nicht mehr. Nachdem er Dienstag nur gejoggt war, nahm Rob Friend am Mittwoch normal am Training von Hertha BSC teil. Sprints auf dem kleinen Laufhügel am Rande des Schenkendorff-Platzes, Koordinationsübungen im Anschluß.

Danach erzählte Friend, 25 facher Nationalspieler für Kanada, was er von jenem Abend vom 3:2 gegen Rot-Weiß Oberhausen in Erinnerung hat: nichts. „An das Spiel kann ich mich überhaupt nicht erinnern, und der Abend ist auch im Nebel“, erzählte er.

Friend hat sich mittlerweile die Fernsehbilder angeschaut. Und schüttelt den Kopf über den Typen mit der Nummer 16 auf dem Hertha-Trikot. „Als ich das gesehen habe, habe ich gedacht: Was macht der? Der ist ja völlig übermotiviert.“

Friend hatte 45 Sekunden nach dem Anpfiff des ersten Zweitliga-Saisonspiels das Unmögliche versucht: einen Fallrückzieher aus 17 Metern, ausgeführt von einem 1,95 m großen und 94 Kilo schweren Stürmer.  Das kleinste Übel war, dass der Ball fernab des gegnerischen Tores im Nirvana landete. Schlimmer war, dass Friend die Koordination seines Körpers nicht hinbekam und mit Wucht unglücklich auf seine linke Schläfe stürzte.

Zu den TV-Bildern, als er versucht aufzustehen, seine Beine ihm aber zweimal den Dienst versagen und er wieder stürzt, sagt Friend: „Wie ein Boxer.“

Im „Berliner Kurier“ erklärt Mannschaftsarzt Dr. Uli Schleicher die Verletzung: „Das war eine richtige Gehirnverletzung, eine Prellung.“

Als Laie staunt man, dass der Arzt Friend nach einer kurzen Behandlung noch für ein paar Minuten zurück aufs Feld geschickt hat. Dazu sagt Schleicher: „Rob fühlte sich gut, doch ich habe ihn gewarnt und gesagt, wenn wieder was auftritt, soll er sofort vom Platz kommen.“

Das Wochenende hat Friend mit den klassischen Anzeichen einer Gehirnerschütterung verbracht: starke Kopfschmerzen und Übelkeit. Mittlerweile geht es besser, er darf  wieder trainieren. Allerdings hat Herthas medizinische Abteilung ihm für die nächsten Tage Kopfbälle und Fallrückzieher verboten.

Und am kommenden Montag, am zweiten Spieltag bei Fortuna Düsseld0rf?

Friend: „Da will ich dabei sein.“


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Kommentare

westend
25. August 2010 um 18:29  |  63

Musste bei der Aktion sofort an Drobnys Verletzung gegen Ventspils und deren Folgen denken („bitte nicht schon wieder, jetzt fällt Friend monatelang aus, und wir spielen nächstes Jahr gegen Babelsberg“).

Habe die Horrorsaison nervlich wohl doch noch nicht ganz überstanden: meine ganz persönliche posttraumatische Belastungsstörung…


dr jekill
25. August 2010 um 21:06  |  64

ich hoffe nur, auch der junge Trainer Babbel wird geduldig genug sein, nur vollkommen gesunde Spieler ins Aufgebot zu stellen.


26. August 2010 um 16:38  |  67

Ich habe den Vorfall gesehen und auch die „Behandlung“ am Spielfeldrand mit verfolgt.
Für mich unverständlich war, dass kein Test erfolgte, um mit den Augen dem Zeigefinger zu folgen, Nystagmus wurde nicht erprobt. Das ist bei jedem Angetrunkenen doch Standard, warum hier nicht ?


Sven H.
26. August 2010 um 16:45  |  68

Er hat ein Kopfballverbot bekommen? Kann der Robert Freund überhaupt mit dem Fuß ein Tor erzielen?
Ich denke mal, wenn der eine Torchance hat mit dem Kopf zu treffen, dann wird er sie nutzen… und dann kommt Durjcin!


Mr. Spock
26. August 2010 um 17:29  |  69

Das Wichtigste ist, dass Friend wieder ganz gesund wird. Nur dann kann er für Hertha der Torjäger werden, den wir uns alle wünschen. Und Djuricin kann Düdo auch allein durchwirbeln 😉


westend
27. August 2010 um 9:30  |  81

The Canadian Tower, Ramos, Raffa, Domo… — ach, herrlich: Blau weiße Hertha, dir gehört der Sieg! Keiner spielt so schön wie du, schießt wie du, trifft wie du. Du bist unser Sportverein, Schuss, Toooooooooooooooor, hinein!

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