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Berliner Morgenpost
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Samstag, 28.8.2010

Zu Gast beim Hertha-Manager

(ub) – Einer der spannenden Aspekte für einen Hertha-Reporter sind die Vor-Ort-Gespräche mit Spielern oder Verantwortlichen. In der Zeitung sind dann die Interviews zu lesen, wie an diesem Sonntag ein ausführliches Gespräch mit Hertha-Manager Michael Preetz. Es geht um den Unterschied zwischen den Trainern Markus Babbel und Lucien Favre. Preetz begründet, warum der Verein auf eigenen Talente setzt, gleichzeitag aber bei der Nachwuchsarbeit spart.  Er räumt ein, dass der Kader nicht auf allen Positionen doppelt besetzt ist. Und er sagt, warum er Fortuna Düsseldorf und Energie Cottbus als Konkurrenten im Kampf um den Aufstieg sieht.

Was selten zu lesen ist: Wie läuft so ein Termin ab, wie lange dauert er, welche Absprachen gibt es? Hier die Entstehung des Interviews:

Making of . . .

Das Büro im zweiten Stock der Geschäftsstelle von Hertha BSC ist hell eingerichtet. Rechts, auf dem weißen Schrank steht ein Objekt auf einem Holzfuß – eine Torjägerkanone. Die gußeiserne Nachbildung hat Michael Preetz als Torschützenkönig der Saison 1998/99 erhalten. Es ist eines der wenigen persönlichen Elemente im Raum. Der Stil ist minimalistisch: An den Wänden hängen schwarz-weiß Fotos mit Hertha-Motiven. Auf dem Konferenztisch liegt das iPhone von Hertha-Manager, auf dem Schreibtisch ein iPad.

Preetz fragt den Besucher nach dem Getränkewunsch. Er bringt eine Flasche Wasser samt Glas für den Gast. Sich selbst holt er einen Cafe, den er in der Espressomaschine in der Büro-Küche zubereitet.

Preetz ist in kleiner Runde deutlich lebhafter als bei der offiziellen Pressekonferenz eine halbe Stunde zuvor. Bei öffentlichen Auftritten wirkt er meist betont beherrscht. Zumal die meisten Journalistenfragen ohnehin an den temperamentvollen Trainer Markus Babbel gehen.

Der vordergründige Anlaß für die Interview-Anfrage ist das Auswärtsspiel von Hertha bei Fortuna Düsseldorf am Montag. Preetz ist gebürtiger Düsseldorfer, seine Mutter lebt heute noch dort.  Bei einem Medien-Termin, wie unserem im Büro, hat der Interviewte meist einen Mann seines Vertrauens an der Seite. In diesem Fall sitzt Peter Bohmbach dabei, der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit von Hertha BSC. Damit wird, das handhaben die meisten Vereine so, Chancengleichheit hergestellt. Der Journalist hat sein Bandgerät, mit dem er im Fall des Falles belegen kann, was gesprochen worden ist. Der Manager hat einen Zeugen, der sich Notizen macht über das Gespräch.

Preetz steht kurz vor dem Ende der Transferfrist, seit Tagen bestimmt Schlagzeilen rund um Adrian Ramos und dessen Berater die Schlagzeilen. Im Gespräch wird der Manager deutlich. Er kritisierte den Agenten von Ramos. „Grundsätzlich finde ich, dass es nicht hilft, wenn man sich permanent öffentlich einläßt. Das erwarte ich auch von Geschäftspartnern, mit denen wir zusammenarbeiten.“ Auf die Frage, ob er sich über die unbeholfene und nicht immer seriöse Verhandlungstaktk der TSG Hoffenheim wundert, sagt er sarkastisch: „Jeder bemüht sich um seinen eigenen Stil.“

Es werden 30 dichte Gesprächsminuten mit dem Manager, der auch direkten Fragen nicht ausweicht. Ob er sich nach dem Abstieg in seinem ersten Jahr als Manager Sorgen um seine Karriere macht?

Preetz: „Es geht hier nur um Hertha BSC und darum, wie dieser phantastische Verein wieder erstklassig wird. Mit Negativszenarien befasse ich mich grundsätzlich nicht.“

Nachdem das Band ausgestellt ist, wird das Prozedere zur Freigabe des Interviews verabredet. Preetz und Bohmbach erhalten einen Tag später die schriftliche Fassung als Email. Ihre Zahl der Änderungswünsche: Null, das Interview wird exakt in der vorgelegten Form autorisiert.


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Kommentare

28. August 2010 um 16:45  |  101

Making of Transfers, das wäre eine interessante Nachricht gewesen. Kann und will Herr Preetz noch Spieler einkaufen oder verkaufen bis Dienstag Abend?


Mr. Spock
28. August 2010 um 18:20  |  102

Netter Einblick hinter die Kulissen. Danke.


herthafreund
29. August 2010 um 12:41  |  103

Was sagen eigentlich die Hoppheimer zu der Kritik an Ihrem Stil? Hat man da mal nachgehakt? Würde mich interessieren, wie sie sich rausreden…


Icke
29. August 2010 um 14:14  |  104

Danke für den Einblick, auch mal interessant.
Echter Mehrwert, euer Blog. Weiter So!


Mineiro
29. August 2010 um 21:38  |  107

Sehr interessant, vielen Dank!
Bekam Herr Bohmbach etwa nix zu trinken? 😉

Ehrlich gesagt habe ich bei dem Satz „Mit Negativszenarien befasse ich mich nicht“ ein wenig geschluckt, denn den hat man leider letztes Jahr von Herrn Preetz auch schon das eine oder andere Mal gehört. Nun hat er seine Hausaufgaben allerdings wirklich deutlich besser gemacht und das kommt in diesem gelungenen Interview auch sehr gut heraus.


backstreets29
30. August 2010 um 8:19  |  113

Erstmal ein grosses Lob an diesen Blog. Wirklich sehr lesenswert
Ich denke, ob Preetz seine Hausaufgaben besser gemacht hat als letztes Jahr, kann man am Ende der Saison beurteilen. Auch letztes Jahr hatte man ein Team, das unter normalen Umständen nichts mit dem Abstieg hätte zu tun haben dürfen/müssen. Preetz kommt mir diese Saison aber schon eine ganze Ecke gefestigter rüber.


westend
30. August 2010 um 9:21  |  118

Prima Bericht, danke! Aber was macht Micha in meinem Büro?

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