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Berliner Morgenpost
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Donnerstag, 2.9.2010

Fluch und Segen eines Minikaders

(sto) – Ich habe es nun ja schon wiederholt und an unterschiedlicher Stelle kundgetan, aber es ändert und ändert sich einfach nichts: Wo ist sie, diese Zweite Liga? Ich kann sie noch immer nirgends entdecken!

Da war das Spiel gegen Oberhausen, eine nette Party bei spätsommerlichem Sonnenschein und fast 50000 Freunden im Olympiastadion; da war das Auswärtsspiel in Düsseldorfs nicht minder bundesligatauglichem Stadion; und da sind als vorerst letzter Beweis, dass nichts anders ist als vor dem Abstieg auch, die Trainingseinheiten dieser Tage.

Es ist Länderspielpause. Gehen wir ruhig davon aus, dass das für die Trainingskiebitze des 1.FC Union nicht automatisch festzustellen ist. An der Alten Försterei wird mit voller Kapelle trainiert, als stünde am Wochenende der dritte Zweitliga-Spieltag an und nicht der erste in der Qualifikation zur EURO 2012.

Ganz anders das Bild auf dem Schenckendorffplatz. Dort wird Trainer Markus Babbel schonend von seinen Profis entwöhnt; so lange, bis jetzt bald gar keiner mehr zur Arbeit erscheint, weil sie alle im patriotischen Dienst ihrer Länder entschwunden sind. Ganz so, wie bei jedem Bundesligisten üblich.

Die sechs fremdländischen Auswahlspieler Roman Hubnik (Tschechien), Levan Kobiashvili (Georgien), Adrian Ramon (Kolumbien), Valeri Domovchiyski (Bulgarien), Nikita Rukavytsya (Australien) und Rob Friend (Kanada) machten unmittelbar nach dem Spiel in Düsseldorf den Anfang.

Freitagmittag folgen nun die vier nationalen U20-Entsandten Fanol Perdedaj, Sebastian Neumann, Lennart Hartmann und Marvin Knoll.

Und Babbel? Der klagt nicht. „Natürlich wäre es besser, alle hier zu haben und die 14 Tage Pause mit dem gesamten Kader nutzen zu können“, sagt er zwar. Doch bekämen die Nationalspieler so eben bei ihren Auswahlmannschaften Spielpraxis, während er „konzentriert und intensiv“ mit dem in Berlin verbliebenen Grüppchen zu arbeiten gedenke.

Gar „perfekt, super“ findet Babbel die starke Vertretung seiner Talente beim DFB-Nachwuchs. „Das ist eine tolle Auszeichnung für Hertha.“

Und so stehen wir Reporter allmorgendlich beim Training, schauen zu – und fragen uns beim Blick auf den letzten Rest übender Kicker mehr denn je: Wo ist die denn nun, diese Zweite Liga?


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Kommentare

westend
2. September 2010 um 19:59  |  160

Stimmt, ob Auswahlentsendungen, Kulisse im Oly oder Jankers Reservistenstatus: alles scheint wie Liga 1. Aber: der fiese Herbst steht vor der Tür. Spielen wir am Totensonntag vielleicht gegen Aue? Würde passen.

In jedem Fall sollten wir die Zeit genießen! Das ist Fan-Reha nach der Horrorsaison ’09/’10!


spieltag
2. September 2010 um 22:17  |  161

Wo sie ist, die zweite Liga? Freitags, 18:00 Uhr, Samstags, 13:00 Uhr, Sonntags, 13:30 Uhr und am allerschlimmsten; Montags, 20:15 Uhr.

Tolle Uhrzeiten, tolle Tage, besonders beim letztgenannten. Ist ja eigentlich sogar klasse. Mit dem ICE stehen die Chancen nicht schlecht noch irgendwo anzukommen und zurück… vielleicht schafft man es ja sogar früh morgens um 6:00 Uhr auf Arbeit zu sein. Hmm. Nee. Eher nicht. Was soll’s, dazu hat man ja 30 Tage Urlaub im Jahr. Dann am Ende einer solchen Zweitliga-Saison fragt man sich nicht mehr „Wo ist die denn nun, diese Zweite Liga?“, sondern „Wo ist der denn nun, dieser hart erarbeitete Urlaub?“

Darüber schreibt allerdings niemand. Warum auch, selbst Schuld. Sky kostet bis Jahresende doch nur 20 € im Monat!


08-15
2. September 2010 um 23:01  |  163

Schön, dass Ihr Reporter allmorgendlich beim Training steht und zuschaut. Hier ein Schwätzchen mit Babbel, da ein Pläuschchen mit Preetz. Zwischendurch vielleicht mal ein Foto… Mann, so möchte ich auch gerne mal ARBEITEN – bei Hertha allmorgendlich beim Training zuschauen… Nichts für ungut – es ist natürlich der reine Neid. 😉


3. September 2010 um 8:32  |  165

@spieltag: Guter Einwand. Selbst wenn man nicht fährt oder fahren kann, sind die Umstellungen immens. Und da merkst du schon, dass du in der zweiten Liga ankommst.

@o8-15: Das ist auch Arbeit, zumal du eben nicht um 16:30 Feierarbend hast und auch am Wochenende arbeiten musst…

Zum Artikel: Genau diese Einstellung erscheint mir als außenstehender Betrachter wichtig zu sein: Bloß nicht zu sehr an die zweite Liga gewöhnen. Ist ja nur für ein Jahr. Wir dürfen das. Nur die Profis müssen halt richtig reinbolzen und müssen ein Jahr den Kampf annehmen.


herthafreund
3. September 2010 um 11:29  |  166

naja: dass wir nationalspieler kanadas, australiens und georgiens haben, zeigt ja schon ein bisschen, dass wir zweite liga sind – bundesligisten schicken ihre deutschen, holländischen oder vielleicht spanischen nationalspieler auf reisen. mich freut trotzdem vor allem, dass vier hertha-nachwuchsspieler unterwegs sind. das zeigt, dass in zukunft, auch nach der rückkehr in liga eins, wieder mit einem stärkeren berliner element gerchnet werden darf. warum wurde eigentlich bigalke nicht berufen – ist der schon zu alt?


ubremer
ubremer
3. September 2010 um 16:25  |  168

@herthafreund
Sascha Bigalke ist am 8. Januar 1990 geboren – und steht nicht im Kader der deutschen U20-Nationalmannschaft, die am Montag in Schaffhausen gegen die Schweiz spielt.
Daniel Didavi (VfB Stuttgart) wurde am 20. Februar 1990 geboren – und ist im Team dabei. Schlußfolgerung: Am Alter von Bigalke kann es nicht liegen . . .

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