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Berliner Morgenpost
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Dienstag, 7.9.2010

Bronze für Radjabali-Fardi

(sto) – Ein Versprechen für die Zukunft des Fußballs nennt sie der DFB: Zwölf herausragende Talente zeichnete der weltweit größte Fachsportverband auch in diesem Jahr mit der Fritz-Walter-Medaille aus. Die Verleihung erfolgte am Nachmittag vor dem Länderspiel der A-Nationalmannschaft gegen Aserbaidschan in Köln – und ein wenig überraschend war auch ein junger Herthaner unter den Ausgezeichneten: Shervin Radjabali-Fardi, der schon 2008 in der Kategorie „U17“ Bronze gewann.

Ausgerechnet Radjabali-Fardi! Denn wo bei Hertha dieser Tage alles von einem Lasogga schwärmt, einem Perdedaj, einem Neumann oder auch Bigalke, da scheint Radjabali-Fardi auch unter dem dritten Trainer seiner noch jungen Profi-Laufbahn schon auf dem Abstellgleis gelandet zu sein.

Rückblick: Lucien Favre hatte den Linksverteidiger einst, im Sommer 2008, gemeinsam mit Bigalke und Hartmann zu den Profis befördert. Wirklich etablieren konnte der Youngster sich dort trotz vereinzelter Einsätze aber nie. Unter Friedhelm Funkel ging es gar humorlos zurück zu den Amateuren, schon ins Winter-Trainingslager nach Mallorca durfte Radjabali-Fardi (genau wie Hartmann und Perdedaj) Anfang dieses Jahres nicht mehr mit.

Aber selbst unter Jugend-Förderer Markus Babbel hat er einen schweren Stand; schon nach dem Lauftrainingslager in Oberstaufen war Schluss, gemeinsam mit den extremen Außenseitern Marvin Knoll und Alfredo Morales überstand Radjabali-Fardi den ersten Cut auf 25 Profis nicht – und nicht wenige Insider unken: Radjabali-Fardi packt den Sprung zu den Profis nie.

Und so einer wird vom DFB herausgehoben? Sportdirektor Matthias Sammer sagt zur Auszeichnung: „Mannschaftlicher Erfolg und individuelle Klasse – Fritz Walter ist ein Vorbild für jeden Nachwuchsfußballer. Mit der Medaille ehren wir junge Spieler, denen wir zutrauen, einen ähnlichen Weg einzuschlagen wie der Weltmeister von 1954 und Ehrenspielführer der Nationalmannschaft. Die Preisträger haben in der vergangenen Saison herausragende Leistungen gezeigt und sich zudem charakterlich einwandfrei präsentiert. Sie sind würdige Preisträger der Fritz-Walter-Medaille.“

Ausgerechnet Radjabali-Fardi! Etwas verklausuliert hat  Manager Michael Preetz intern schon zum Ausdruck gebracht, dass die Entwicklung der von Hertha mit einem Profivertrag ausgestatteten Talente teils doch arg unterschiedlich verlaufe. Der Deutsch-Iraner Radjabali-Fardi darf sich gewiss zu den Hoffnungsträgern zählen, die die Erwartung der Verantwortlichen im Profibereich bis jetzt am wenigsten erfüllt haben.

Doch ist bei Hertha in der Vergangenheit ja das eine oder andere Talent verkannt worden. Hoffen wir also, dass nicht auch ein Radjabali-Fardi dereinst andernorts reüssiert, sondern dies – entsprechendes Können tatsächlich vorausgesetzt – bei seinem Ausbildungsklub tun darf.

Zu Sammers Worten ist im Übrigen zu sagen, dass einst auch ein charakterlich selbstverständlich über jeden Zweifel erhabener Kevin-Prince B. mit der Fritz-Walter-Medaille ausgezeichnet wurde. . . wobei der inzwischen immerhin beim AC Mailand spielt – kicken kann er ja, der Kevin. Doch das nur am Rande.

In dieser Saison nun wurde der Preis schon zum sechsten Mal an Talente verliehen, die, so der DFB, „in der vergangenen Saison in ihren Klubs und den Junioren-Nationalteams spielerisch und menschlich überzeugt haben“. Dotiert sind die Medaillen mit jeweils 20.000 Euro (Gold), 15.000 (Silber) und 10.000 Euro (Bronze). Das Geld kommt den Vereinen zugute, die sich um die Ausbildung der jungen Spieler verdient gemacht haben.

Die Preisträger in der Übersicht

Bester Nachwuchsspieler der Saison 2009/2010

U 19

Gold:Peniel Mlapa (1899 Hoffenheim)
Silber:Stefan Bell (1860 München)
Bronze:Shervin Radjabali-Fardi (Hertha BSC Berlin)

U 18

Gold:Mario Götze (Borussia Dortmund)
Silber:Reinhold Yabo (1. FC Köln)
Bronze:Matthias Zimmermann (Karlsruher SC)

U 17

Gold:Timo Horn (1. FC Köln)
Silber:André Hoffmann (MSV Duisburg)
Bronze:Kolja Pusch (Bayer Leverkusen)


4
Kommentare

Zimsel
8. September 2010 um 8:39  |  194

Was mich an dem Artikel am meisten schockiert, ist die Tatsache das der unaussprechliche KPB inzwischen bei Mailand spielt….das ist irgendwie an mir vorbeigegangen……


westend
8. September 2010 um 11:31  |  195

Ich verstehe einfach nicht, wie Trainer die Perspektiven von Nachwuchsspielern so unterschiedlich einschätzen bzw. sich diese Perspektiven dermaßen ändern. Bin ich zu naiv?

Radjabali-Fardi hat echt ein paar tolle Spiele gemacht unter Favre (auch international). Hat er es im Training schleifen lassen / stimmte seine Einstellung nicht / sind es körperliche Aspekte? Mochte Funkel sein Deo-Geruch nicht, Babbel seine Frisur? Was ist da los? Klar, Kobi und Lell sind schon Namen auf der Außenbahn, aber wieso kann er sich hier nicht für einen Reservistenplatz empfehlen? Rätselhaft.

Vielleicht ist er nur ein weiterer Name in der Kategorie „Bei Hertha pfui, woanders hui“ (jüngst: Ede, Traore etc.).


herthafreund
8. September 2010 um 12:27  |  196

Es kommt eben vor, auch bei anderen vereinen als hertha, dass talente sich einfach nicht durchsetzen, weil sie aus diesem oder jenem grund nicht in das konzept des jeweiligen trainers passen. und anderswo passen sie plötzlich. das gibt es auch nicht nur im fussball. ich glaube aber bei babbel, dass er grundsätzlich einer ist, der eigene junge spieler fördern will, siehe djuricin, lasogga oder perdedaj.


dstolpe
8. September 2010 um 21:53  |  198

@westend
Das hat mit naiv sein gar nichts zu tun, denke ich. Unterschiedliche Personen haben unterschiedliche Betrachtungsweisen … genauso wird nicht jedem deine/meine Arbeit gefallen.

S R-F stieg unter Favre rasant empor – aber mal ehrlich: an „ein paar tolle Spiele“ von ihm kann ich mich nicht gerade erinnern. Er hat immerhin, was für einen damals 17-Jährigen aber schon okay war, seine linke Seite ordentlich dicht gemacht.

Gleichzeitig ist – im selben Alter – ein Nico Schulz wesentlich vielseitiger (LV, LM, notfalls auch RV) – genau das ist es, was Babbel an Schulz so viel mehr beeindruckt. Oder anders gesagt: An S R-F ist es gegenüber Schulz diese Eindimensionalität, die ihn nicht mal für einen Reservistenplatz im 18er-Kader infrage kommen lässt.

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