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(sto) – Neulich, vergangenen Donnerstag, als ich an dieser Stelle über Fluch und Segen eines Minikaders sinnierte, kommentierte User „08-15“ im Anschluss wie folgt: „Schön, dass Ihr Reporter allmorgendlich beim Training steht und zuschaut. Hier ein Schwätzchen mit Babbel, da ein Pläuschchen mit Preetz. Zwischendurch vielleicht mal ein Foto… Mann, so möchte ich auch gerne mal ARBEITEN – bei Hertha allmorgendlich beim Training zuschauen… Nichts für ungut – es ist natürlich der reine Neid. ;-)“

08-15, ich fand deinen Kommentar im besten Sinne witzig; und zwar deshalb, weil unser Rumstehen und Zugucken im Vergleich zu anderen, viel mehr anstrengenden Arten der Berufsausübung natürlich angenehm ist (ja, dessen sind wir Reporter und allesamt durchaus bewusst!). Oft genug ist dieses Rumstehen und Zugucken aber auch gar nicht so beneidenswert, wie es aus Fan-Perspektive vielleicht erscheinen mag. Denn zum einen ist nicht jeder Tag Sonnenschein – nicht vom Wetter (bei Regen reden die Herren gar nicht gern), erst recht nicht von den Ergebnissen (und Niederlagen sind hinsichtlich der Mitteilsamkeit der Protagonisten noch viel schlimmer als Regen).

Und noch viel gravierender: Häufig genug passiert beim allmorgendlichen Üben einfach – nichts.

Heute schien wieder so ein Tag zu werden. Die Burschen machten sich warm; sie kickten ein wenig hin und her; und dann, auch nicht ungewöhnlich, verteilten sie sich zum internen Trainingsspielchen derer mit Leibchen gegen die ohne. Da war plötzlich alles anders.

Plötzlich war es einer dieser sehr seltenen Tage, an denen das „Elf-Freunde-müsst-ihr-sein“-Prinzip mal außer Kraft gesetzt wird. Plötzlich ging Raffael dem Kollegen Christian Lell kräftig an die Wäsche, ein Wort gab das andere – nun ja, unterm Strich gerieten die beiden eben so aneinander, wie Männer schon mal aneinander geraten können, wenn der eine sich vom anderen unnötig provoziert fühlt. Wichtig war nur, dass niemand verletzt wurde; verbale Schrammen tun nicht weh.

Was ich mich (und euch) nun frage: Spontaner Ausbruch oder logische Konsequenz einer komplizierten Gegenwart? Sind mit Christian Lell und Raffael nur mal zwei Hitzköpfe vor dem Herrn aufeinandergeprallt? Oder hat es gar nicht zufällig zwei Profis getroffen, die jeder auf ihre Weise extrem unter Beobachtung stehen:

– der eine, Raffael, unter der von Trainer Markus Babbel, der von seinem Brasilianer mehr Engagement und Leidenschaft einforderte. War das heute also ein erster Fingerzeig?

– der andere, Lell, weil die Öffentlichkeit in ihm einen Skandalprofi und Nestbeschmutzer sieht (ein Bild übrigens, das bei genauerem Hinsehen viel weniger zutrifft, als man annehmen mag). Liegen da also die Nerven blank?

Oder trifft Variante 3 zu: So was passiert halt mal, unabhängig von Namen und Ereignissen. Weil Sport eben immer auch Emotion pur bedeutet?

Ich habe, weil ich selbst es nicht mehr zweifelsfrei erinnerte, beim Kollegen Uwe Bremer nachgefragt – und der bestätigte mir: Ja, na klar, kleinere Zusammenstöße unter Hertha-Profis hat es immer wieder mal gegeben. Spontan erinnerte er, wie einst Marcelinho Arne Friedrich in Dortmund beim Gang in die Halbzeitpause auf dem Weg in die Kabine eine scheuerte. Oder wie Josip Simunic einst auf dem Trainingsplatz Pal Dardai attackierte, was der sanftmütige Ungar zunächst für einen Scherz hielt.

Was also lehrt uns der heutige Tag? Wie viel Aggressivität verträgt eine Profi-Mannschaft, wie viel Aggressivität tut ihr sogar gut?


6
Kommentare

08-15
8. September 2010 um 23:24  |  199

Da meint User „08-15“ jetzt mal, dass es, um die gestellte Frage beantworten zu können, hilfreich wäre, vielleicht noch ein paar Infos zu bekommen, was genau in der Situation vorgefallen ist. Kam die Situation einfach so zu Stande, quasi aus dem Nichts? Hat einer von beiden den anderen vorher rüde gefoult? Gab es vernehmbare „verbale Diskurse“ zwischen den beiden, z.B. weil der eine den anderen ob einer Spielsituation kritisierte o.ä. Sprich, es könnte ja einen simplen Anlass gegeben haben – da müsst Ihr Reporter beim Rumstehen im Regen dann aber auch schon mal aufpassen! 😉 .

Andererseits ist das alternative Szenario (Spannungsgeflecht geforderter Leidenschafts-Raffael vs. unerwünschter Skandal-Lell) natürlich auch nicht ganz abwegig. Ich tendiere aber noch zur ersten Variante, rein spekulativ.

=PS=
Gibt es weitere Infos zu Ramos (zweites Spiel mit Kolumbien gegen Mexiko) ? Außer, dass sie 1:0 verloren haben, meine ich.


Etebaer
9. September 2010 um 7:16  |  200

Ich gehöre ja zu der eher kleinen Gruppe, die Raffael mehr kritisch sieht.
Ich hab nicht gesehn, das die Einwechslung gegen Düdorf dem Spiel gut tat, ich hab bloß den Raffael gesehn, der nach Ballverlust schulterzuckt und nicht in der Lage ist, mit seinem großen fußballerischen Vermögen das Team auf ein höheres Niveau zu heben.

Ein Zidane machte seine Teams eine Klasse besser – ein Raffael spielt technisch gut mit.

Bezeichnend ist also dieser Vorfall…

Ich glaube, das man Raffael entweder gehn lassen muß, oder ein Zugferd verpflichtet, das den Mann auf das nächste Niveau hebt!


9. September 2010 um 7:44  |  201

Verbale Schrammen tun nicht weh? Wegen solchen „Zipperlein“ sind schon ganze Mannschaften zerbrochen. Und außerdem: Was soll dieses stereotype Männerbild? Als wären alle Fußballprofis erstens gleich und zweitens nach einem schlechten Abbild von Arnold Schwarzenegger geraten. Unter diesen arg vereinfachenden Annahmen kann man die gestellten Fragen doch gar nicht ernsthaft beantworten.


08-15
9. September 2010 um 8:57  |  202

Ach ja, was mir noch eingefallen ist: Wie hat sich denn die Situation eigentlich dann aufgelöst: Haben die beiden es untereinander geregelt oder musste der Trainer-/Betreuerstab dazwischen gehen?


9. September 2010 um 14:05  |  203

btw: wo ist denn der RSS-Feed?


9. September 2010 um 17:25  |  204

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