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Donnerstag, 9.9.2010

Raffael vs. Lell, part II

(sto) – Für unsere noch bescheidenen Verhältnisse hat unser Blog gestern ja eine ganze Menge Fragen und auch Emotionen verursacht. Das freut uns natürlich, deshalb will ich heute an dieser Stelle gern ein paar Antworten liefern.

Zunächst aber geht ein „Dankeschön und gleichfalls auf gutes Mit- und Nebeneinander“ an Enno und die übrigen Jungs von www.hertha-blog.de (WIR haben euch in unserer Blogroll auch schon hinzugefügt ;-)). Vielen Dank für die warmen Worte.

So, damit genug der gegenseitigen Blumenpräsente – zurück zum Fußball und in besonderer Weise dem Duell Raffael gegen Christian Lell! Dieses ist heute ausdrücklich NICHT in eine zweite Runde gegangen. Ob eine Aussprache zwischen den beiden stattgefunden habe, wurde Lell am Donnerstag nach dem Training gefragt. Da schmunzelte er nur und sagte: „Quatsch, sich wegen so was auszusprechen ist nicht nötig.“

So viel, Enno, zu deinem sicherlich berechtigten Einwand, dass nicht jeder Fußballer ist wie der andere. Und natürlich können auch verbale Schrammen, wenn sie denn überhand nehmen, irreparable Schäden verursachen. Aber davon waren wir gestern doch noch ein ganzes Stück entfernt – auch gemessen an der Sensibilität eines Raffael.

Was mich da so sicher sein lässt? Raffael schlich heute zwar wie ein begossener Pudel vom Platz. Aber schuld daran war nur der feine, aber eben doch andauernde Regen, der sich während der gut 90 Minuten Training auf seinen Wuschelkopf ergossen hatte. Mochte er gestern, unmittelbar nach dem Zusammenstoß mit Lell, noch nicht mit uns sprechen, so sagte er heute: „Ach, so was muss auch mal sein, heute ist alles wieder gut.“

(Anmerkung zwischendurch: Raffa führt solche Gespräche inzwischen übrigens auf Deutsch; vor allem versteht er inzwischen bemerkenswert viel von dem, was er gefragt wird).

So, 08-15, damit zu deinen präzisierenden Fragen. Das meiste davon habe ich heute im Blatt schon beantwortet. Aber gern noch mal: Raffa fühlte sich von wiederholten Grätschen seines – in dieser Situation – Gegenspielers Lell provoziert. Rüde Fouls waren nicht darunter, ebenso wenig habe ich „verbale Diskurse“ vernehmen können. Es hat sich einfach hochgeschaukelt, und das legte zumindest für mich schon die Vermutung nahe, dass Raffaels Zündschnur dieser Tage etwas kürzer sein mag als sonst üblich (und sie ist auf dem Platz auch da nicht wirklich lang, wie zwei, drei Beispiele aus der Vergangenheit belegen).

Wie sich die Situation aufgelöst hat: Mitspieler (allen voran Käpt’n Mijatovic, auch Ronny und Lasogga) mussten schlichten, und Co-Trainer Rainer Widmeyer schlussendlich dafür sorgen, dass ein schmollender Raffael nicht vorzeitig in die Kabine gestapft ist. Aber die Reaktion der Mannschaft, als Raffael tatsächlich blieb, zeigte nicht nur, dass der Teamgeist sehr intakt sein muss – ich fand sie regelrecht putzig: Alle versammelten sich zum Kreis und applaudierten Raffael.

Markus Babbel stand in der Sequenz übrigens ein paar Schritte abseits und grinste sich eins. Denn wie von mir im Zeitungstext beschrieben, hatte er just vor der Einheit ein wenig Feuer und Emotionen ausdrücklich angemahnt. Ich zitiere: „Ich habe den Jungs vor dem Training gesagt, dass wir uns von den zwei Siegen zum Start nicht einlullen lassen dürfen. Unsere nächsten Gegner hatten jetzt alle zwei Wochen Zeit, sich auf uns vorzubereiten, da müssen wir hellwach sein. Die Jungs haben das heute auf dem Platz wunderbar umgesetzt.“

Mir kam in dem Zusammenhang spontan etwas in den Sinn, das Pal Dardai im März gesagt hat, inmitten des Hertha’schen Überlebenskampfes also. Ich zitiere auch das gern noch einmal: „Unsere Truppe ist einfach zu nett, das sind fast durch die Bank alles liebe Schwiegersöhne. Es fehlen die Schweine, die fiesen Charaktere. Auf dem Feld musst du dich wehren, Dinge tun, die den Gegner beeindrucken. Wir beeindrucken doch nur durch unsere Freundlichkeit. Das hört sich bitter an, ist aber die Wahrheit.“

Hervorzuheben ist zuletzt noch zweierlei:

a) Christian Lell, der privat durchaus als hitzköpfig beschrieben werden darf, sagte über sein deeskalierend wirkendes Verhalten am Mittwoch: „Das sehe ich als meine Rolle in der Mannschaft.“ Tatsächlich ist Lell auf dem Fußballplatz bislang noch sehr, sehr selten durch Jähzorn aufgefallen.

b) Raffael wurde heute zum gefühlt 100-sten Mal auf seine Rolle als „zurzeit-gerade-nicht-Stammspieler“ angesprochen. Darauf antwortete er: „Ich weiß nicht, ob ich gegen Bielefeld spiele. Aber es geht doch nicht um mich; wichtig ist, dass wir den nächsten Sieg holen.“

Entwarnung bei Ramos

Recht viel mehr, als dass Adrian Ramos am Dienstag mit Kolumbien in Mexiko 0:1 verloren und dabei 66 Minuten gespielt hat, wissen wir von dem Spiel auch nicht. Ach ja, und dass er – im Gegensatz zu Freitag – alles gut überstanden hat. Heute, Donnerstagmittag, war er zurück in Berlin, wurde untersucht und hat auf dem Ergometer in Herthas Höhenkammer gestrampelt.

Wenn alle Untersuchungen ohne Befund bleiben, wird Ramos  Sonntag gegen Bielefeld im Kader stehen. Raffael auch. Lell auch. Alles wieder gut. 🙂


13
Kommentare

9. September 2010 um 20:41  |  205

Sehr lobenswerter und informativer Blog hier, dafür schonmal vielen Dank. Damit macht die Hertha-Berichterstattung der MoPo nochmal einen Schritt nach vorne, da können die werten Kollegen kaum noch die Hacken sehen.


08-15
9. September 2010 um 23:17  |  206

Na, da sage ich auch recht herzlich Danke schön für die ausführenden Infos. Gucken wir mal, ob das mit der Aggressivität so funktioniert wie man sich das vorstellt.

Weitermachen, bitte! 🙂


Dan
10. September 2010 um 2:15  |  207

Beobachte nun schon ein paar Tage diesen Blog und muss anerkennend Applaus spendieren.

So nah dran ist man nur wenn man selber beim Training ist.

Auch sehr locker und fast „intim“ diese Runde und das Feedback des Journalisten zum Kommentator sehr angenehm. Weiter so.

Zum Thema: Raffael ist schon ein kleines Pulverfass. Für mich ist der Spieler emotional schwer einzuschätzen. Zu 95% der gleiche emotionslose Gesichtsausdruck selbst bei Torjubeln schafft er es ihn nur minimal zu verändern. Selten ein Lächeln geschweige denn eine Jubelarie, also kaum positive Signale und dann „bamm“ tritt er im Spiel übelst nach, explodiert regelrecht von 0-100 in Bruchteilen von Sekunden.
Natürlich ist das nur eine Beobachtung aus der Ferne, aber vielleicht sollte er lernen zwischen durch mal Luft abzulassen, statt einiges aufzustauen und dann zu platzen.

Nochmals sehr nett hier und werde sicher wieder vorbeischauen. Vorallem wenn ich „Mister 99% Transfertrefferquote“ U.Bremer nach seiner Standleitung zu Hertha BSC nach dem Machtwechsel ansorechen darf. 🙂

Cu all im Oly
Dan


snbsc
10. September 2010 um 5:42  |  208

Super dieser Blog! Als Hertha-Fan einfach für mich unverzichtbar! Macht weiter so!


Tim
10. September 2010 um 11:50  |  210

Auch mein Lob an euch! Ich lese diesen Blog täglich, macht bitte weiter so.

Grüße,
Tim


Mineiro
10. September 2010 um 12:56  |  211

Schön, dass das geflügelte Wort von Arne Friedrich „Da bleibt immer was hängen!“ zumindest zwischen Raffael und Lell keine Bedeutung zu haben scheint. Wenn am Sonntag Raffa nach Lells Pass oder Flanke für Hertha trifft, dann würde diese ohnehin medial unnötig aufgebauschte Story mit größtmöglicher Außenwirkung abgeschlossen, wenn nicht kann man zumindest hier nachlesen, dass nicht viel Bleibendes dahintersteckt und der Teamgeist bei Hertha absolut intakt ist. Vielen Dank für diesen Blick hinter die Kulissen!


ubremer
ubremer
10. September 2010 um 14:25  |  212

@Dan,

wir, der Kollege Stolpe und ich, werden gegen Bielefeld im Olympiastadion sein. Ansonsten, wenn es Fragen gibt: Feuer frei.

@egmonte,

am Samstag bitte mal in die Printausgabe der Berliner Morgenpost schauen 😉


10. September 2010 um 16:29  |  213

@ubremer

.. na, da bin ich ja mal gespannt!


westend
10. September 2010 um 17:26  |  214

Ich schließe mich dem allgemeinen Lobgesang an: ein wirklich toller Blog! (Und der HSV-Blog vom Abendblatt sollte sich sehr warm anziehen!)

Da bleibt mir nur noch: am Sonntag werden wir die Ostwestfalen verhauen!


ubremer
ubremer
10. September 2010 um 17:30  |  215

Auch im Namen von Daniel Stolpe für alle Wohlmeinenden nur ein Wort: Vielen Dank.
Wobei der Gruß ausdrücklich an den langjährigen Kollegen Dieter Matz beim Hamburger Abendblatt geht. Der betreibt nicht nur sein sensationell erfolgreiches Blog http://hsv-blog.abendblatt.de/. Zudem hat er uns vor dem Start von http://www.immerhertha.de mit Rat und Tat zur Seite gestanden.


19. September 2010 um 11:47  |  373

Was Raffael angeht: Gegen Union zur Halbzeit ausgewechselt, hat er seinen Stammplatz offensichtlich noch lange nicht zurück. Das wird eine spannende Kiste zwischen Babbel und Raffael, denke ich…


19. September 2010 um 11:54  |  374

Übrigens seid ihr jetzt auch in unserer Blogroll vertreten. 🙂


ubremer
ubremer
19. September 2010 um 12:33  |  375

Danke!

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