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Berliner Morgenpost
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(ub) – Nein, der Aufstieg entscheidet sich nicht heute. Nein, es geht nicht um die Berliner Stadtmeisterschaft. Nein, Hertha wird, egal wie die Partie am Freitag Abend in der Wuhlheide ausgeht, nicht vom 1. FC Union überholt werden.

Trotzdem bin ich riesig gespannt.  Seit 20 Jahren verfolge ich beide Vereine, nun geht es zum ersten Mal in einem Punktspiel um die Frage: Hertha oder Union?

Trainer Markus Babbel hatte in der Pressekonferenz am Donnerstag erstmal einige Verteidigungslinien aufgebaut, ehe er dem Prestigeduell doch etwas besonderes zusprechen wollte. Bei der Frage, wie er sich in der Rolle als Goliath gegen den David Union fühlt, antwortet Babbel routiniert: „Die Rolle ist normal für uns. So werden wir in jedem Spiel angesehen.“ Ob es eine besondere Partie sei? Babbel weicht aus: „Am vierten Spieltag wird nicht die Meisterschaft entschieden.“

Doch als niemand mehr mit rechnet, räumt Babbel ein, dass das Derby  „kein normales Spiel ist. Uns wird viel Abneigung entgegenschlagen.“ Was er sagen will: Es wird für Hertha in der Alten Försterei schmerzhaft werden.  Babbel: “ Wir müssen eine Topeinstellung mitbringen. Wir dürfen uns nicht aus dem Konzept bringen lassen und wollen sportliche Antworten finden.“

Ich verstehe, dass Hertha die ganze Woche über versucht hat, die ganze Angelegenheit so sachlich wie es geht anzugehen. Aber als Journalist geht es mir wie den Fans in Berlin: Ein Derby prickelt. Es gibt  mehr Facetten als bei anderen Spielen.  Es  fühlt sich spannender an als sagen wir der Vergleich, ohne dass jetzt jemand beleidigt ist, gegen Fürth, Paderborn oder den FSV Frankfurt.

Was ist das Wichtigste für Euch ihr von diesem ersten Zweitliga-Duell von Hertha beim 1. FC Union:

Einen Sieg? Einen Kantersieg? Ein Spektakel wie beim 5:5  am Montag in Cottbus? Die Geburt von Derby-Helden? Eine Party, die vor allem friedlich bleiben soll? Spielt die West-Ost-Nummer noch eine Rolle? Einen historischen Abend, weil mit dieser Partie eine wunderbare Derby-Tradition beginnt?

Vielleicht habt ihr noch andere  Ideen, worum es in der Wuhlheide geht.  Schreibt es uns  (bei der Umfrage heute sind zwei Antworten möglich).

Vom Derby wünsche ich mir...

  • einen Kantersieg der Blau-Weißen (54%, 103 Stimmen)
  • die Wiedervereinigung der Fangruppen aus Ost und West (25%, 47 Stimmen)
  • den Beginn einer langen Derby-Tradition (10%, 20 Stimmen)
  • die Geburt eines Derby-Helden (7%, 13 Stimmen)
  • ein Torfestival a la Cottbus-KSC (4%, 8 Stimmen)

Anzahl der Wähler: 152

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14
Kommentare

Dan
16. September 2010 um 22:29  |  335

Wenn es einen Sieger gibt, werden dessen Fans mindestens bis zum 21. Spieltag Oberwasser haben.

Wichtiger ist mir aber, auch wenn es beim Fan und Journalisten prickelt, das wieder Ruhe im Medienwald einkehrt. Wer sich da alles meldete, anheizte, abwiegelte und oder einfach einen warmen Wind los werden wollte damit der Blätterwald rauschte, meine Güte.

Vielleicht bin ich harmoniebedürftigt, darf ich wahrscheinlich mit meinem Alter auch sein, aber ich freue mich schon wenn es „nur“ gegen Frankfurt, Fürth & Co geht. Mir wurde der Bogen für dieses Derby ohne Geschichte schlecht weg überspannt. So das es am Ende nur noch genervt hat und man sich schon auf die Zukunft freut.

Cu all im Oly mit dem KSC
Dan


dc
16. September 2010 um 22:46  |  336

Am wichtigsten ist ein Sieg für Hertha, alles andere ist nachrangig. Egal wie, egal durch wen, egal in welcher Minute, egal wie hoch. Gerne natürlich ein Kantersieg um den Waldmenschen zu zeigen, wer der Herr im Berliner Fußballhaus ist. Am liebsten 2-3 Tore von Ramos, nach den vollkommen stupiden Worten von Herrn Z. Aber der Sieg steht über allem.

Wenn das geschafft ist, dann bitte ohne Verletzungen und ohne größere Ausschreitungen.


08-15
16. September 2010 um 22:57  |  337

@Uwe Bremer
Springe hier dem Kollegen @dan 100% zur Seite. Eigentlich hatte ich auch so was wie Vorfreude („Prickeln“) aufs Derby. Aber mittlerweile geht einem dieses Ost-West-Gesülze im Vorfeld dieses Spiels so dermaßen auf die Ketten, dass man sich fast nur noch wünscht: Schnell vorüber gehen, bitte. Das Schlimme ist halt, dass genau der gleiche Quatsch beim Rückspiel wieder auf uns zu rollen wird. Muss das so sein?

Um auf die Frage zu antworten: Für Union und die Fans beider Teams geht’s tatsächlich um mehr. Leider. Für Hertha nur um sachliche drei Punkte. Für mich hingegen wär’s wichtig, dass es friedlich bleibt und Unioner und Herthaner wieder zueinander finden, wie es früher auch möglich war. Und damit allen, die im Vorfeld künstliche Brisanz da rein bringen wollten, eines Besseren belehren.


ubremer
ubremer
16. September 2010 um 23:27  |  338

@08-15,
mein Eindruck ist, dass ursprünglich das „Ost-West-Gesülze“ bei den Beteiligten nicht auf dem Zettel gestanden hat. Es hat sich entwickelt, nachdem Union-Präsident Zingler und Manager Beeck dieses Argument mit Blick auf den Senat mehrfach ausgepackt haben als es um die Olympiastadion-Mietstundung ging (Morgenpost/BILD, BZ). Darauf hat der Regierende Bürgermeister geantwortet, Zingler fand es schlau, ein weitereres Mal darauf öffentlich einzugehen. An wem das alles vorbeigegangen sein sollte, der findet im Tagesspiegel vom Freitag ein Interview mit beiden Präsidenten. http://www.tagesspiegel.de/sport/da-brauchen-sie-gar-nicht-zu-lachen/1935422.html Da wird nochmal von Adam bis Eva erklärt.
Kann es sein, dass diese Art von Ballyhoo uns etwas darüber erzählt, dass das Zusammenwachsen von Ost und West langsamer und mühevoller vonstatten geht, als wir uns das wünschen? Oder ist es nur Medien-Populismus?


Etebaer
17. September 2010 um 9:29  |  339

Ich würde mir ja den Beginn einer langen Derby-Tradition wünschen – nur das bedeutete Liga 2 für „much longer time“ und so mach ich das nicht.
Darum hoff ich auf ein dramatisches Spiel und einen weiteren Schritt zurück in die 1. Liga !


17. September 2010 um 10:19  |  340

„Wünsch dir was!“ heißt die Überschrift. Klare Sache, ich wünsche mir den Wiederaufstieg. DAS ist das Ziel und nicht zwei Mal Union zu schlagen. Sollten das die beiden einzigen Spiele sein die verloren gehen könnte ich prima damit leben. Mag aber vielleicht auch damit zusammenhängen das ich noch zu einer Generation Hertha Fans gehöre für die nicht der KSC(!?) sondern Union die „Freunde“ waren. Die Älteren werden sich erinnern. Unter „Derby“ verstehe ich immer noch Spiele gegen TeBe. Klingt komisch, ist aber so.


snbsc
17. September 2010 um 12:10  |  341

Es gab auch mal eine Fanfreundschaft zu Bayern München! Gibt es noch Leute die sich daran erinnern können? Und so alt bin ich noch nicht! (41)


17. September 2010 um 13:11  |  342

Ich könnte jetzt sagen: Fanfreundschaft ist 80er. Ehrlich gesagt, verstehe ich diese Institutionalisierung von Emotion nicht. Entweder ich kann etwas mit einem Verein anfangen oder nicht. Und das sollte jeder für sich selbst abmachen. Hertha und Union – dazu ist vieles gesagt. Ich freue mich, wenn Union gewinnt und kann trotzdem vorher oder nachher lässig ein Bier mit Herthanern trinken. und diese Möglichkeit ist mir viel wert. Da brauche ich keine Fanfreundschaft dazu.


Treat
17. September 2010 um 13:44  |  343

Medien-Populismus oder langsameres Zusammenwachsen ist eine verdammt gute Frage. Wie meistens, liegt die Wahrheit wahrscheinlich irgendwo in der Mitte.

Bei allen Unterschieden und Mauern in Köpfen die vielerorts wirklich noch existieren, wird im Alltag meines Erachtens aber häufig vergessen, was inzwischen schon alles zusammen gewachsen ist und völlig selbstverständlich funktioniert.

Insofern wird die Generation, die die Teilung noch bewusst gelebt hat, die, je nach Seite noch unterschiedlich sozialisiert wurde, bestimmte Ressentiments vielleicht ihre Leben lang behalten.

Meine Hoffnung ist, dass das in der uns nachfolgenden Generation bereits keine Rolle mehr spielt und wenn ich mir meinen 13jährigen Junior und seinen Bekanntenkreis so ansehe, bin ich da guter Hoffnung. Dieses Thema existiert in den Köpfen der jungen Generation einfach gar nicht mehr so sehr. Und um es mit den unsterblichen Worten unseres von mir sonst eher nicht geschätzten OB zu sagen: Und das ist auch gut so!

Für das Derby wünsche ich mir einen Herthasieg – notfalls auch einen mühevollen – und vor allem, dass es zu keinen Ausschreitungen kommt. Beide Vereine könnten Negativschlagzeilen wie diese nicht gebrauchen, sondern sollten in Ruhe weiter an ihren jeweiligen Zielen, Aufstieg bzw. Klassenerhalt, arbeiten können. Für Uwe Neuhaus wird es allerdings vermutlich schwer werden, nach einer erneuten Niederlage noch in Ruhe weiter zu arbeiten. Ich wünsche ihm die Chance trotzdem, ich glaube, er ist dort der richtige Mann.

Und @snbsc, was die Freundschaft zu den Bayern betrifft: Klar guckt ganz Deutschland – so auch wir – häufig neidisch und missgünstig aufden Ligakrösus und freut sich auch mal heimlich oder ganz offen über Niederlagen der scheinbar Unbezwingbaren, jedoch haben gerade wir Herthaner – wie auch viele andere „kleinere“ Vereine – allen Grund, den Bayern dankbar zu sein.

Ich erinnere mich gut an mehrere Gelegenheiten, bei denen die Bayern der sehr klammen Hertha spontan und unkompliziert weiter geholfen haben und zwar lange vor den Zeiten des Bruderpaares Hoeneß. Auch als St. Pauli vor einigen Jahren vor dem Aus stand, haben die Bayern ein Freundschaftsspiel zugunsten der Paulianer durchgeführt, ehe der eigene Stadtrivale HSV auch nur auf die Idee kam, zu helfen.

Insofern gönne ich mir auch immer mal Momente der Schadenfreude, wenn die Bayern es mal mächtig vergeigen oder rege mich über den Bayerndusel auf, wenn man wieder ein Freistoß in der 94sten Minute ein Spiel zu ihren Gunsten entscheidet. Im Grunde hege ich aber eine tiefe Sympathie für einen Verein, der so grundsolide wirtschaftet und der sich seiner sozialen Verantwortung bewusst ist und dabei oftmals, ohne das sonst für die Bayern so typische, tendentiell arrogante Getöse, unbürokratisch hilft.

Gruß
Treat


snbsc
17. September 2010 um 14:28  |  344

Ich teile auch Sympathien aus den gleichen Gründen zu Bayern wie @Treat das herrvorragend erklärt hat. In den 800er Jahren stand ich als Hertha-Frosch mit Bayern-Fans zusammen im damaligen Fanblock A. Weil, das so wurde mir als kleiner Frosch erzählt eine innige Freundschaft ist. Erinnern kann sich wohl kaum noch einer. An die „Freundschaft“ zu Union werden es ja auch immer weniger. Was solls! Hauptsache Hertha steigt wieder auf!


norberto
17. September 2010 um 14:47  |  345

@ Treat: Klasse gesprochen – genau genommen denke auch ich so über die Bayern.

Und eigentlich wünscht man sich doch schon lange in Berlin auch eine derartige Entwicklung von unserer Hertha.


fuffy
17. September 2010 um 14:57  |  346

Hallo Treat,
besser kann man es nicht ausdrücken.


08-15
17. September 2010 um 15:23  |  347

@ubremer
Also, der Kollege @treat hat die Frage sehr gut beantwortet. Ja, ich hätte mir nach nun 20 Jahren deutsche Einheit endlich auch weniger Mauer in unseren Köpfen gewünscht. Aber so einfach scheint das nicht zu sein. Bei passender Gelegenheit schmieren’s sich beide Seiten immer wieder gerne aufs Brot. Leider.
Gerade in Berlin (und hier speziell im Fußball) wäre es aber so wichtig, mal davon wegzukommen, weil der Berliner Fußball aus den letzten Jahrzehnten insgesamt immer noch keinen guten Stand in Gesamtfußballdeutschland hat. Und nun zerreiben wir uns hier auch noch gegenseitig. Es ist einfach so schade. Es bliebt wie so oft: Die Hoffnung auf Besserung. Irgendwann. @treats Generationenthese ist da sicherlich der richtige Ansatz. Aber einfach schade, dass für bestimmte Dinge immer erst soviel Zeit vergehen muss. Da könnte der Mensch an sich ruhig auch mal etwas flexibler sein. Und am Ende Zeit sparen. 🙂


hurdiegerdie
17. September 2010 um 16:39  |  348

Meine Wünsche sind einfach:
Friedlich soll es ausgehen. Ein schönes Fussballspiel soll es werden. Es sollte keine Hexenjagd auf Ramos, vieleicht noch mit Verletzung geben. Ein Sieg für Hertha wäre schön, aber mit einem Unentschieden wäre ich zufrieden.

Nur eines wünsche ich mir nicht:
„Einen historischen Abend, weil mit dieser Partie eine wunderbare Derby-Tradition beginnt!“

Zu nervig war die Berichterstattung, viel mehr aber noch: Nächstes Jahr sollte die Derbytradition wieder vorbei sein, und das nicht, weil Union absteigt.

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