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Berliner Morgenpost
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Donnerstag, 23.9.2010

Als Dieter Hoeneß tanzte

(sto) – 7. März 2009 – knapp eineinhalb Jahre nur liegt dieser Tag zurück, und doch erscheint es wie ein Datum aus einer anderen Zeit. Andrey Voronin traf dreimal beim 3:1 gegen den FC Energie, Hertha spielte um die Meisterschaft – und Manager Dieter Hoeneß tanzte hernach enthemmt im Mittelkreis. Ist all das wirklich erst eineinhalb Jahre her?!

Freitagabend ist Hertha wieder in der Lausitz zu Gast, und wo ich dem Spiel auch durchaus vorfreudig entgegensehe – so viel steht doch schon mal fest: Voronin wird keine drei Tore schießen und noch nicht mal eines (weil er ins Moskauer Umland weitergezogen ist), Hoeneß nicht tanzen (weil er ins Wolfsburger Umland gezogen ist). Aber damals wie auch jetzt spielt Hertha um den Meistertitel – wenn auch aktuell nur um den der Zweiten Liga.

Warum ich mich trotzdem auf das Spiel freue? Ich, der Zugereiste aus dem Süden, war noch nie in Cottbus (es hatte sich einfach nicht ergeben), entsprechend reizt es mich, den Geist des von einem riesigen Polizeiaufgebot zu Lande, zu Pferd und in der Luft gesicherten Berlin-Brandenburg-Ost-gegen-West-Derbys einmal live zu erleben; außerdem sind Spiele unter Flutlicht grundsätzlich ein Highlight.

Und dann ist Cottbus eben auch nicht mehr die ausschließlich mit rustikalen Osteuropäern besetzte Treter- und Fußballverhinderertruppe von früher. Pele Wollitz, von dem man halten kann was man will, hat da durchaus eine Truppe mit Struktur und Potenzial zusammengebastelt. Insofern steht da durchaus ein Kick zweier technisch versierter Mannschaften zu erwarten, und wenn das dann noch in heißer Atmosphäre stattfindet… – ich freue mich einfach.

Gleichwohl weiß ich natürlich um Herthas katastrophale, ja beschämende Bilanz in Spielen gegen Cottbus. Zwölf an der Zahl haben seit Oktober 2000 stattgefunden, nur vier hat Hertha gewonnen, eins endete remis, aber siebenmal hieß der Sieger Energie. Wäre Fußball-Deutschland ein Asterix-Comic – das kleine Städtchen an der Grenze zu Polen wäre das immerzu garstige gallische Dorf, und Hertha als der Klub aus der Hauptstadt jener römische Invasor, der jedes Mal aufs Neue anrennt und sich eine blutige Nase nach der anderen holt.

Nach einem 0:1 im Stadion der Freundschaft wurde im Februar 2002 Jürgen Röber entlassen, aber Platz eins in der Liste der „da war wirklich alles drin“-Duelle ist und bleibt das 0:2 aus dem Oktober 2006, als a) Yildiray Bastürk kaputtgetreten wurde, b) Solomon Okoronkwo genau wie c) Trainer Falko Götz vom Platz flog und d) Hoeneß sich in der Summe der vorgenannten Punkte über Wochen eine Fehde mit a) Schiedsrichter Lutz Wagner und b) dem gesamten DFB lieferte.

Jetzt seid Ihr dran

Wir wollen ja nicht zu sehr in die Vergangenheit blicken – doch was meint Ihr, welche Gründe hat es, dass Hertha in und gegen Cottbus kaum ein Bein auf den Boden bekommen hat? Und wird sich das unter Markus Babbel, der ja bekanntlich kein allzu großer Anhänger von Angsthasenfußball ist, ändern?

Schreibt es uns – und in unserer Umfrage zu dem Thema könnt Ihr heute wieder je zwei Antwortvarianten anklicken.

Der Grund für Herthas Horrorbilanz gegen Cottbus...

  • ist das grundsätzliche Problem des Hauptstadt-Klubs mit Underdogs (34%, 67 Stimmen)
  • ist mir schon lange unerklärlich (22%, 43 Stimmen)
  • ist mangelnde Härte der Berliner Schönspieler (20%, 40 Stimmen)
  • hat mit der allgemein hitzigen Atmosphäre in dem kleinen, engen Stadion der Freundschaft zu tun (13%, 26 Stimmen)
  • ist die alte Ost-West-Rivalität, die die Millionäre aus der Hauptstadt in der Lausitz verunsichert (8%, 16 Stimmen)
  • ist falsches Mitleid der Bosse mit dem Klub aus Brandenburg (4%, 8 Stimmen)

Anzahl der Wähler: 156

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Kommentare

westend
23. September 2010 um 18:38  |  408

Wenn ich an das positiv-emotionale FCE-Spiel ’09 (…Voronin tanzt im schwarzen Hertha-Trikot durch die Lausitz…) und an die tollen Spiele zu Beginn dieser Saison denke (…Hertha, wie ist es schön mit Dir…), kommt mir die letzte Saison einmal mehr komplett surreal vor.

Wie dem auch sei: Hertha in Cottbus, das wird ein Knaller! In der 1. Liga würde ich von einem Cottbus-Sieg, mindestens aber von einem Unentschieden ausgehen, nicht aber dieses Jahr. Denn: das blöde Union-Spiel wird unseren Jungs eine Lehre gewesen sein, wie leicht man Provinzklubs wie den FCE und Union unterschätzen kann. Ich mag die Spielweise vom FCE dieses Jahr (ehrlich!), denke aber, dass die 13 Punkte in Summe mehr als geschmeichelt sind.

Daher: wenn wir zu Null spielen, wird es ein einfacher Ritt durch die Lausitz — auch ganz ohne Pferdeschwanz im schwarzen Hertha-Trikot!


hurdiegerdie
23. September 2010 um 20:39  |  409

Hertha war immer der spielerisch überlegene Favorit, ist so auch aufgetreten und hat sich den Schneid abkaufen lassen.

Ob es diesmal anders wird? Ich weiss es nicht! Das Union-Spiel spricht dagegen. Wenn aber, dann werde ich meine immer noch vorhandene Skepsis ablegen, dann wird’s was mit dem Wiederaufstieg.


Treat
23. September 2010 um 20:42  |  410

Eigentlich kann ich noch gar nicht richtig einschätzen, was ich vor diesem Spiel erwarten soll. Einerseits ist mir gegen Cottbus immer mulmig – liegt wohl einfach an der schlechten Bilanz – andererseits kommt Hertha diesmal in Liga 2 wirklich in einer komplett anderen Situation und mit viel Selbstbewusstsein in die Lausitz.

Ich bin mir auch – wie Koll. Westend – sicher, dass unsere Hertha nicht dieselben Fehler machen wird, wie gegen Union, allerdings muss man auch berücksichtigen, dass der FCE derzeit deutlich stärker ist als unsere Berliner Rivalen.

Alles in Allem bin ich mir ziemlich sicher, dass da ALLES passieren kann. Ein überraschend problemloser Sieg, ein tolles knappes Kampfspiel, ein verkrampftes Gegurke oder eine totale Klatsche, weil unsere blauweißen Jungs eben immer noch nicht gelernt haben könnten, wie man gegen solche Mannschaften auftritt.

Wenn ich mich vorher festlegen müsste, würde ich mich nach einem hoffentlich fairen Fußballspiel ohne Fanausschreitungen oder verletzte Spieler auch mit einem Auswärtspunkt begnügen! Aber da die Hoffnung bekanntlich als letzter aufrechter Kämpfer krepiert, hoffe ich natürlich trotzdem auf den
AUSWÄRTSSIEG!

Blauweiße Grüße
Treat


08-15
23. September 2010 um 21:07  |  411

Tja, glaube einfach, dass es Hertha bei diesen Ost-Derbys deshalb schwer hat, weil sich die sog. Ost-Underdogs da immer ganz besonders motivieren. Man schaue sich die Bilanz gegen Cottbus an (@treat sprach bereits davon), man schaue auf die Spiele gegen Hansa Rostock und man freue sich auf bitte bereits jetzt schon auf die Spiele gegen: „Wir kommen aus der Grube, wir kommen aus dem Schacht – Wismut, äh, Erzgebirge Aue Fußballmacht…

Andererseits ist Cottbus der Verein, der sich zu Hause gegen den KSC hat fünf Dinger reinladen lassen. Das kann ja auch nicht von ungefähr kommen. Prognose wage ich natürlich trotzdem nicht. Ätsch! 😉


Datcheffe
24. September 2010 um 3:17  |  412

Nun, ich hoffe und ich denke, das unsere Jungs genauso heiss sind, wie Kotzbus. Schliesslich geht es heute um die Tabellenführung, ohne wenn und aber. nach dem Karlsruhespiel hat man gesehen, welche Qualitäten und mittlerweile auch kämpferische Stärke in der Mannschaft steckt. Hertha ist nun endgültig angekommen und sie werden nicht mit Nervenflattern wie gegen die Köpeniker (den Vereinsnamen, nehme ich nicht mehr in den Mund) auflaufen!

Hoffe auf schnelle Tore und dann ab Mittellinie dicht machen und böse Konter setzen. Raffael wird sich noch steigern und wenn wir dann ein oder zwei Stürmer haben, die langsam harmonieren sollten, sind drei Punkte sicher!
Auf jeden Fall müssen die Offensivspieler, ob drei, vier oder wieder fünf werden wir sehen, mit nach hinten arbeiten und dicht machen. Aber das wird Babbel wissen, denn den Siebentore-Mann müssen wir doppeln, sonst klingelts, aber erstmal muß er an Peter und oder Fanol vorbei. Schade, das Lusti noch nicht fit ist, dann sehe es noch besser aus.

Egal wie, klarer Sieg für uns!


wilson
24. September 2010 um 9:49  |  413

Tach erstmal

Mag Cottbus auch früher die „ausschließlich mit rustikalen Osteuropäern besetzte Treter- und Fußballverhinderertruppe“ gewesen sein: die haben sich durch Kampf und von mir aus auch durch Kratzen, Beißen und Spucken gegen Abstiege gewehrt. Eine Eigenschaft, die Hertha BSC in der letzten Saison vermissen ließ.

Und heute ? Könnte ein Knackpunkt für die Saison sein: verliert Hertha nicht, marschieren sie. Verlieren sie in Cottbus, könnte es ein trüber Herbst werden.

Apropos Osteuropäer: heute haben wir ja die entsprechenden Namen in unseren Reihen: Domovchiyski, Perdedaj, Kobiashvili, Djuricin.


24. September 2010 um 10:30  |  415

Ich setze heute klar auf den neuen „Babbel Geist“ bei Hertha. Ich gestehe anfangs nur mäßig begeistert gewesen zu sein als es hieß er wird der der Neue. Mittlerweile imponiert mir aber vor allem seine Geradlinigkeit. Wenn etwas gut war sagt er es. Aber genauso deutlich tut er das auch wenn etwas, wie gegen Union, richtig in die Hose gegangen ist. Da ist kein zaudern mit Schiri, Wetter oder Platz.

Babbel weiß ganz genau was für eine Truppe er da beisammen hat. Eine Truppe die unter „normalen Umständen“ eigentlich gar nicht nicht aufsteigen kann. Da hilft ihm vielleicht wirklich seine Bayern Vergangenheit wo das Wort „scheitern“ auch schon immer tabu war. Er verlangt nicht mehr und nicht weniger als das was was seine Mannschaft zu leisten in der Lage ist. So wird er auch heute in das Spiel gehen, nicht um vielleicht einen Punkt mitzunehmen, sondern mit der klaren Vorgabe dort zu gewinnen.

Gegen Karlsruhe haben die Spieler ihren Trainer mehr als deutlich verstanden. Hoffen wir das sie aus dem Union Spiel gelernt haben und ihren Trainer auch heute verstehen werden.


LLcoolandi
24. September 2010 um 10:45  |  416

Bisher hat Hertha aber auch „nur“ gegen Teams gewonnen die das Feld vor sich her jagen;
D’dorf 18. / Union 17./Bielefeld 16./KSC 10. – ausgerechnet RWO turnt im oberen Teil der Tabelle rum (!!!!!???) und das war ’ne harte Nuss.
Erst die Spiele gegen Chosebuze,Duisburg, Fürth und Ausgburg werden wirklich zeigen wohin der Weg führt !
Mir persönlich ist trotz der Klasse Leistung gegen den KSC leicht mulmig vor dem Spiel in Polen…
Ich bin da bei „Wilson“, gewinnt Hertha wird alles gut – verlieren sie… 🙁


Mineiro
24. September 2010 um 11:36  |  417

Auch für mich wird das heute in Cottbus eine Premiere, auch für mich hatte es sich bislang einfach nie ergeben, obwohl das eher eine der kürzeren Auswärtsfahrten ist.

Ich freu mich auf das Spiel und bin gespannt, ob Hertha dieses Derby souveräner bestreiten kann als das am letzten Freitag.

Drei Punkte heute wären so eminent wichtig und hilfreich, um sich vorne in der Tabelle festzusetzen und so ein deutliches Signal an die versammelte Konkurrenz zu senden. Verliert man hingegen heute, dann wird das die Konkurrenz eher anspornen, es den Cottbussern gleich zu tun und uns ebenso zu bezwingen.

Etwas Sorge bereitet mir die in manchen Interviews zur Schau getragene Haltung einiger Spieler. Wenn ein Raffael davon spricht, dass man dort 6 Tore schiessen könne, nur weil Karlsruhe 5 schoß und die ja gegen uns klar verloren haben, dann ist das Reich der Milchmädchen nicht mehr weit und der Fall, der dicht auf den Hochmut folgt.

Ich hoffe, das bleibt uns heute erspart und die Jungs zeigen von der ersten Sekunde an Kampfgeist und Siegeswillen in den Zweikämpfen. Das werden sie dort nämlich brauchen.


dstolpe
24. September 2010 um 11:41  |  418

Ich war (ehrlich!) vor der Saison nicht bei jenen, die Düdorf so absolut als einen der ersten Hertha-Rivalen sahen; einfach, weil sie ein Aufsteiger im zweiten Liga-Jahr sind. RWO, KSC und vor allem Bielefeld waren/sind erst recht Liga-Mittelmaß, Union ebenso.

Aber ob Duisburg, Cottbus und der ewige Fünfte Fürth das Potenzial haben, eine ganze Saison über oben zu stehen? Ich habe auch da so meine Zweifel.

Meine vor Saisonbeginn genannte Prognose war unerschütterlich (Kollege Bremer sei mein Zeuge): Aufstieg mit 20 Siegen, 6 Unentschieden und 8 Niederlagen – wobei mir 14 nicht gewonnene Spiele inzwischen schon arg viel vorkommen 😉

@LL
Über das von dir beschriebene Tabellenszenario haben Kollege Bremer und ich gestern auch diskutiert: Zufall oder Zustandsbeschreibung? Was meint der Rest dazu?


24. September 2010 um 12:55  |  420

@dstolpe Wenn Union Mittelmaß wäre, würde ich das sofort nehmen. Aber mal davon abgesehen, denke ich auch, dass die echten Wahrsager noch warten. Trotzdem: Das Selbstvertrauen hat sich die Mannschaft bereits geholt und auch gesehen, was passiert, wenn sie mal nicht 100% gibt. Acht Niederlagen bei 20 Siegen ist übrigens eine Prognose, die ich vor der Saison so nicht abgegeben hätte. Hätte vor allem die Anzahl der Siege für zu hoch gehalten. Aber die zweite Bundesliga ist auch eine Wundertüte, bei der ich momentan das tatsächliche Leistungsvermögen der Mannschaften nicht einschätzen kann. Union und Düsseldorf haben ein anderes Potential als da unten zu stehen. Und bei Cottbus und Hertha trauen auch hier im Blog nicht alle dem Erflogsbraten.
Das Spiel heute wird tatsächlich für beide Mannschaften wegweisend.


westend
24. September 2010 um 15:32  |  422

Re: Thema Tabellensituation unserer Gegner:

Verstehe die Aufregung nicht. Zum Eingang der Saison hieß es: „was für ein Mörderprogramm gleich zu Beginn“. Jetzt sollen wir „nur“ Kellerkinder abgezogen haben? Nein, nein. Das waren alles gute Teams, und die Detailaussagekraft der Tabelle zum jetzigen Zeitpunkt ist bekanntermaßen so la la. Nach Adam Riese gilt doch: wenn man von fünf Spielen eine Klatsche von der Hertha bekommt und dazu noch das eine oder andere Spiel nicht gewinnt, kann man rechnerisch nicht oben stehen. Soll heißen: wohl denen, die noch nicht gegen uns gespielt haben. Wir können ja nicht alle gleichzeitig vermöbeln.

Einer nach dem andern. Keine Sorge, ihr kommt noch alle dran!

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