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c/o Bremer(ub) – An diesem Dienstag um 16 Uhr macht es in meinem Smartphone „pling“. Eine einzeilige Notiz wird auf dem Display erscheinen: „100 Tage Babbel“. Kinder, wie die Zeit vergeht.  Hat Hertha nicht gerade erst seinen Neuaufbruch verkündet? Mit neuem Trainer, neuer Mannschaft, um in der neuen Liga zu bestehen?

Von wegen Absteiger, Zweite Liga und Langeweile: Es war eine Menge los in den ersten 100 Tagen des Markus B.

Am 28. Juli hatte Babbel seinen Kader  zum ersten Training ins Amateurstadion gebeten. Da war Carsten Schünemann noch dabei, der eine Woche später den Posten als Konditionstrainer Henrik Kuchno überlassen musste. Nicht dabei, weil noch nicht verpflichtet, waren Nikita Rukavytsya, Daniel Beichler und Peter Niemeyer.

Patrick Ebert immer vornweg

Am nächsten Morgen sollte Babbel seine Spieler mit einer geharnischten Standpauke überraschen. Die Ergebnisse des Laktattestes lagen vor – drei Wochen mit einer zusätzlichen Konditionseinheit früh um 7.30 Uhr  lautete Babbels Antwort auf die schlechten Werte von der Hälfte des Kaders. Bei diesen Einheiten lief ebenso wie im Konditionstrainingslager in Oberstaufen immer einer vorweg: Patrick Ebert. Der präsentierte sich in bärenstarker Verfassung – und muss sich seit seinem Kreuzbandriss Anfang August durch die Reha quälen. Gute Besserung und guten Mut!

Hertha ist optimal gestartet: 2:0 im DFB-Pokal in Pfullendorf. In der Liga 3:2 gegen Oberhausen, 2:1 in Düsseldorf, 3:1 gegen Bielefeld (Foto: Bremer). Es gibt neue Gesichter: Doppel-Torschütze Marco Djuricin oder Nico Schulz (17).  Fanol Perdedaj (19) spielte sich in die Startelf. Sebastian Neumann (19) wurde in Pfullendorf eingewechselt, Pierre-Michel Lasogga (18) in Cottbus und gegen Aachen. Babbel war als Jugend-Versteher angekündigt. Aber dass er diesem Ruf so schnell gerecht werden würde, war nicht zu erwarten.

Das Derby, das erste gegen den 1. FC Union, war eine Show für sich. Babbel mochte es nicht, das Kompliment für das 1:1 in der ausverkauften Alten Försterei muss fairerweise an die Hausherren gehen.

Ist Babbel ein Taktikfuchs?

In der Taktikfrage setzt Babbel auf zwei unterschiedliche Systeme. Hertha BSC startete mit einem 4-2-3-1 ins Spieljahr. Seit der dritten Runde hat der Trainer umgestellt auf das offensivere 4-1-4-1. Ob er ein Taktikfuchs ist, konnte Babbel bisher nicht beweisen. Dafür müsste man Hertha samt Trainer mal bei einem 0:2-Rückstand erleben oder eine Partie gegen einen deutlich stärkeren Gegner haben (vielleicht ein Pokal-Heimspiel gegen einen Bundesligisten?).

Es gibt viele weitere Aspekte: Babbels Umgang mit der Mannschaft, vor allem mit Raffael. Sein sofortiges Einschreiten bei Disziplin-Problemen (Rukavytsya), die Bilanz mit fünf Siegen und zwei Remis, sein selbstbewusstes Auftreten als Tabellenführer („den ersten Platz wollen wir nicht mehr hergeben“), Babbel als Medien-Profi . . .

Jetzt seid Ihr an der Reihe: 100 Tage Babbel – was hat gefallen? Womit hat er überrascht? Wo muss der Trainer zulegen? Was kann er nicht? Was kann er zum Glück nicht? Ist es ein Problem, dass seine Familie in München lebt? Ist Babbel ein Glücksfall für Hertha? Oder ist der Coach eigentlich nicht zu bewerten: Weil die Mannschaft mit dem größten Etat und den besten Spielern der Liga  auch der Hausmeister vom Olympiastadion trainieren könnte?

Die 100-Tage-Bilanz von Markus Babbel finde ich . . .

  • 2 - gut (58%, 162 Stimmen)
  • 1 - sehr gut (35%, 98 Stimmen)
  • 3 - befriedigend (6%, 18 Stimmen)
  • 4- ausreichend (0%, 0 Stimmen)
  • 5 - mangelhaft (0%, 0 Stimmen)
  • 6 - ungenügend (0%, 0 Stimmen)

Anzahl der Wähler: 278

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Kommentare

Datcheffe
12. Oktober 2010 um 3:47  |  744

Moin, Moin!

Oh, der erste Kommentar, eine Premiere!

Zum Thema. das Beste, was uns m.M. nach passieren konnte!

Nichts mehr da, von der Niedergeschlagenheit nach dem Abstieg, ein Trainer, der macht, was er sagt, ein Trainer, den wir genau jetzt gebraucht haben, ein Trainer, mit dem wir noch viel Spaß an Hertha BSC haben werden, ein Trainer, der nicht eingefahren oder nur mit Routine trainieren und spielen läßt, ein Trainer , der Ziele hat und dafür kämpfen kann und wird!

Der richtige Mann, zur richtigen Zeit , am richtigen Ort!

Schönen Tag noch!


wilson
12. Oktober 2010 um 8:40  |  745

100 Tage ? Die hat nicht jeder Trainer bei Hertha „feiern“ dürfen.

Zuallererst steht Babbel für Glaubwürdigkeit. Der von ihm angekündigte Jugendstil geht zu Lasten der Etablierten (Dardai), wird aber umgesetzt. Er schafft damit Vertrauen: bei Spielern, bei Fans, sicherlich auch bei den Vereinsverantwortlichen und hat mit Preetz einen an seiner Seite – und nicht nur neben sich.

Vergessen wir nicht, dass es sich bei Babbel nicht etwa um einen etablierten Bundesligatrainer handelt, sondern einen Trainer, der die Erfahrungen, die er als Spieler bei großen Vereinen unter ihn sicherlich prägenden Trainern sammeln durfte, jetzt in der zweiten Liga bei einem Verein umsetzen darf, der ihn hoffentlich auch bei einer „temporären sportlichen Delle“ in Ruhe weiterarbeiten lässt.
Für ihn ist Hertha ebenso wie für seine jungen Spieler das Sprungbrett, um sich dauerhaft seinen Platz in der Bundesliga zu erarbeiten. Seine Spieler, die ihre Karrieren zum Großteil noch vor sich haben (Lasogga, Perdedaj, Djuricin etc.) werden ihm das Vertrauen schenken, dass Babbel braucht. Mit Glück und Geschick wird da ein Team zusammen wachsen, das sich gegenseitig befruchtet und dem hoffentlich auch gemeinsame Erfolge vergönnt sein werden.

Insgesamt scheint sich da ein verschworener Haufen zusammengefunden zu haben, der gemeinsam fern ab von Eitelkeiten Erfolge feiern will. Die alten „Schlachtrösser“ wie Kobiashvili und Mijatovic wollen beweisen, dass sie noch nicht zum alten Eisen gehören. Die bei anderen Vereinen Aussortierten wie Lell und Niemeyer wollen zeigen, dass dies zu Unrecht geschah: so reibt man sich in Bremen möglicherweise verwundert die Augen und überlegt, warum man nicht statt Niemeyer lieber Borowski in die Wüste/2. Liga geschickt hat.
Die Mischung und die gute Bank scheinen es zu sein, die Hertha tatsächlich auf direktem Weg wieder zurück in die 1. Bundesliga bringen können.

Am Ende bleibt aber eines: es sind eben erst 100 Tage Babbel/Hertha und es liegen erst sieben Spieltage hinter uns. Aber es hätte auch einen missglückten Start geben können. So lässt es sich für Babbel auch in den nächsten 215 Tagen ruhiger und leichter arbeiten.
Und vielleicht werden es ja noch einige/viele mehr werden.


hurdiegerdie
12. Oktober 2010 um 10:07  |  746

Ich war begeistert von der Verpflichtung Babbels und bin es immer noch. Aber vielmehr noch gefällt mir die gesamte Saisonplanung. Da wurden rechtzeitig Signale gesetzt mit Raffael und Hubnik, später auch mit Ramos. Da wurde mit Friend wohl der Stürmer gekauft, der in das Konzept des Trainers passen soll.

Ich bin hochzufrieden. Noch läuft es spielerisch nicht so, wie ich es mir vorstelle und für die nächste Saison gibt es mit Friend und der IV aber auch der LV neue Baustellen. Für diese Saison wir/muss es reichen und ich hoffe stark bzw. bin mir sicher, dass die Mannschaft weiterhin zusammenwächst spielerisch und menschlich.

Über Babbels Trainingskonzeption kann man von aussen wenig sagen, da müsste man öfter mal beim Training dabei sein, aber Domos Bemerkung „wir habe jetzt zum ersten mal eine Mannschaft“ war schon recht deutlich und ist wohl auch dem Trainer mit zuzuschreiben.

Also auf in die erste Bundesliga mit Babbel.


Dan
12. Oktober 2010 um 13:53  |  750

100 Tage Babbel ist korrekt, aber eigentlich sollte es heißen 101 Tag Babbel / Preetz Hertha BSC reloaded.

Ohne die Fehler und Zwänge aus 110 Tage Favre / Preetz gäbe es,meines Erachtens, nicht den derzeitigen Anfang einer ggf. Erfolgsstory am Ende dieser Saison.

Vieles war der damaligen Situation geschuldet, ohne klares Konzept und finanziellen Lähmungserscheinigungen, über den gescheiterten Königstransfers bis hin zum Totengräber Funkel und zu allerletzt den Abstieg.

Der Totengräber Funkel ist es für mich erst nachträlich geworden. Ich hielt ihn damals auch für einen der richtigen Lösungen.

Fehler hin Zwänge her. Für Preetz war die Saison 2009 / 2010 ein Griff ins Klo.

Umso überzeugter bin ich heute, dass dieser Mann, wenn er die Zeit zur Vorbereitung hat und aus Fehlern lernt, ein guter Manager werden kann. Dies hat er meines Erachtens, mit seiner klaren Saisonplanung 2010/2011 gezeigt und sich den richtigen Partner an die Seite geholt. Markus Babbel. Beide im letzten Jahr durch’s Fegefeuer des sportlichen Lebens gegangen, haben sich gefunden um sich das Stück verloren gegangene Achtung zurück zu erobern.

Ich denke diese Einheit ist es, die sich auch auf das Team überträgt. Kein Spalt offenbart sich zur Zeit in dem man einen Keil schlagen kann.

„Zwei Novizen reifen“ würde ich das Bonusmaterial auf der DVD „Hertha reloaded“ oder „We will be back.“ bennennen.

„Novizen“ lernen, sammeln Wissen und versuchen es praktisch umzusetzen. Somit ist ist nichts perfekt, aber es hat Aussicht sich gut zu entwickeln. Mit Weltoffenheit, Taten die auf Aussagen folgen und einem kritischen Blick auf geleistete Arbeit besitzt Babbel wichtige Eigenschaften um erfolgreich zu sein. Was mir aber persönlich noch auffällt, ist in gewisserweise seine positive und leichte Mediengewandtheit, mit der kaum ein Trainer und auch Manager der letzten Jahre beschlagen waren.

Hier könnten uns vielleicht die „nah an der Front“-Blogger-Väter den unverfälschten Tatsachenbericht „Unser täglich Brot mit Babbel“ näher bringen und als Bonus den Vergleich zu vergangenen Trainern.

P.S.
Das seine Familie noch in München lebt, ist wohl kein wirkliches Problem. Beim U23-Spiel gegen HSV II kam er mit seinen beiden Jüngsten um sich Lusti, Beichler und andere anzuschauen.


12. Oktober 2010 um 15:06  |  752

Von mir gab’s ein „Sehr gut“ in der Abstimmung, obwohl man refelexartig doch immer erst mal dazu neigt, nicht sofort die Bestnote zu geben. Ich hab’s aber gemacht, trotzdem vielleicht noch nicht alles Gold ist, was glänzt. Allerdings muss man sich auch schon verdammt viel Mühe geben, um ein Haar in der Suppe zu finden.

Ich finde auch: Passte von Anfang an gut, viele Lehren aus vergangenen Fehlern gezogen, richtige Weichenstellungen vorgenommen, gute Überzeugungsarbeit geleistet (bei Lusti, Raffael, Hubnik, Kobi), richtige Signale gesetzt und: Auch schon ein bissel Glück gehabt. Zum jetzigen Zeitpunkt sind viele zufrieden und können es auch zu Recht sein.

Zum Haar in der Suppe (ganz klein) : Friedhelm Funkel, den ich zunächst auch nicht so schlecht fand, ging mir mit der Zeit mit seinen Worthülsen und Einlull-Phrasen auf den Geist. Der war auch deutlich kommunikativer als ein Favre, aber gesagt hat er letztlich nicht wirklich Substanzielles. Das ist der Punkt, wo ich bei Markus Babbel auch ein wenig Angst habe. Er ist ja auch sehr kommunkativ, aber zuletzt, z.B. gerade im Hinblick auf Aussagen wie „noch viel Luft nach oben“ oder wie „toll und super die Fans“ wieder waren/sind, auch recht repetetiv. Was ich meine, es ist ein schmaler Grat, den man da beschreitet. Wenn man von außen das Gefühl bekommen sollte, da wabern jetzt aber wieder Sprechblasen, dann ist’s doof. Ich hoffe, er kriegt das über die Saison gut austariert. Dann wär’s PERFEKT.
(oh, es gibt ja doch noch eine Stufe über „Sehr gut“)… 🙂


Bolle75
12. Oktober 2010 um 15:08  |  753

Ich gebe es zu, zuerst war ich Skeptisch.
Ich dachte zuerst daran ob das mit den Fans gut geht. Ein Ex-Bayer die ja in Berlin so beliebt sind.
Schön war es dann die ersten positiven Kommentare aus Foren und Medien zu hören.
Ich selber gebe es zu, ich hatte den Babbel nicht auf dem Schirm und deswegen keine klare Meinung zu ihm. Nachdem mein Nachbar (Stuttgart Fan) dann aber meinte da habt ihr euch den richtigen geangelt und ich kapierte das dies nicht ironisch gemeint war haben wir lange über diesen Trainer diskutiert mit dem Ende das er mich überzeugt hatte Babbel könnte richtige für eine Langfristige Lösung sein.
Da ich die obigen geschriebenen Positiven Bemerkungen wie Jugendstiel, Einheit Babbel/Preetz nur noch mal doppelt unterstreichen kann möchte ich nur noch eines hinzufügen. Absolut Klasse fand und finde ich das Babbel nicht zurückschaut. Es gab keine Sätze wie „Der Mannschaft wieder Selbstvertrauen geben“ oder den Abstieg aus den Köpfen kriegen. Nein da kam einer der sagte, ich will aufsteigen, wobei ich glaube er sagte „Ich will Meister werden“, Zweitligameister.
Dazu das durchgreifen ganz am Anfang, da hat jeder gemerkt hier geht es nicht nur um den Aufstieg, hier geht es darum einen Stammplatz zu erkämpfen die Chance zweite Liga nutzen zu dürfen. Andererseits seien wir ehrlich, understatement hätte uns bei diesem Kader keiner abgenommen. Doch es ist nicht nur die klare Ansage an sich sondern auch das wie. Kein wiederspruch möglich Punkt. Dieses Selbsbewustsein, daß sich ja schon wie im ersten Spiel zu sehen übertragen hatte. Wir gewinnen das Ding. Das war für Teil eins von Babbels Handschrift. Selbstbewustsein, Mutig spielen, an sich glauben. All diese Psychologischen Grundlagen die es braucht um erfolgreich Sport zu betreiben die hat Babbel anscheinend sehr schnell dem Team eingeimpft. Der Spielerische Teil folgt jetzt so nach und nach.
Weiterhin gefällt mir das Babbel nicht nur Quatscht sondern auch genau so handelt (Jugendstil). Ich hoffe er behält das bei.

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