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(ub) – Hertha BSC beim FSV Frankfurt, mit Marco Sejna im Tor oder Sascha Burchert? Ehrliche Antwort: Ich weiß nicht, für wen sich Trainer Markus Babbel entscheidet.  Das Abschlusstraining am Freitagmittag fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Meine Vermutung zur neuen Nummer eins: Es wird Sejna. Aber manchmal müssen Journalisten das haben, was ihnen am wenigsten liegt: Geduld.

Und dann passieren Dinge, die man nie erwartet hätte. Ich trinke bei einem Steh-Italiener unweit des Olympiastadion einen Cafe. Ein Glas Wasser dazu, die BILD und die Süddeutsche Zeitung vor mir. Die Tür geht auf, „Guten Tag“ sagt eine fröhliche Stimme. Vor meinem Tisch steht Artur Wichniarek. Schmal und zäh sieht er aus, die blonden Haare raspelkurz. Er  gibt mir die Hand (wir haben uns früher, als er bei Hertha war, nie persönlich begrüßt). Er will  sich nicht zu mir setzen, kommt aber ins Erzählen.

Blindarm-OP in Berlin

Davon, dass seine Frau mit den Kindern weiter in Berlin wohnen, obwohl er seit Juli für Lech Posen in Polen spielt. „Ich bin viel unterwegs“, sagt er und deutet auf den schwarzen Range Rover vor der Tür. 285 Kilometer sind es von Berlin nach Posen, Wichniarek, der Pendler. Die Länderspiel-Pause, die auch die polnische Liga betrifft, hatte er zur Reha für seinen Rücken in Berlin nutzen wollen. Doch heftige Unterleibsschmerzen machten ihm einen Strich durch die Rechnung. „Kaum fing es, schon lag ich auf dem OP-Tisch“, erzählt Wichniarek, der am Dienstag vor einer Woche in der Stadt am Blindarm operiert worden ist.

Aber Leistungssportler sind hart im Nehmen. Am kommenden Donnerstag, also 16 Tage nach dem Eingriff, will er bei Lech Posen schon wieder auf der Bank sitzen. In der Europa League geht es gegen die vielleicht teuerste Mannschaft der Welt. „Bei Manchester City will ich unbedingt dabei sein, wenn es irgendwie geht.“ Posen spielt in der interessantesten  Gruppe im Wettbewerb mit ManCity, Juventus Turin und RB Salzburg.

Über seine zweite glücklose Zeit bei Hertha will er nicht weiter reden. „Ich musste hier raus, den Kopf freibekommen. Die Rückkehr in meine Heimatstadt hat mir gut getan.“ 33 Jahre ist Wichniarek mittlerweile, der Schritt zurück zu den Wurzeln ist nicht nur ein sportlicher. Zehn Jahre hat er in Deutschland gespielt. „Ich war lange weg, jetzt kann ich wieder viele Kontakte knüpfen für die Zeit nach der Karriere.“ Was er genau machen will, verrät er nicht, aber es wird in jedem Fall mit Fußball zu tun haben. Er wird sein künftiges Geschäft aus jener Stadt betreiben, wo er die schwierigste und schlechteste Zeit seiner Karriere verbracht hat. Nirgends war er so unbeliebt wie bei Hertha. Doch Wichniarek sagt über Berlin:  „Eine tolle Stadt.“

Wichniarek spielt gegen Juve und ManCity

Bei Lech Posen geht es Wichniarek wie zuletzt bei Hertha: Er wartet auf sein erstes Liga-Tor. Der Stürmer hat indessen in der Champions-League-Qualifikation getroffen. Er sagt, er fühle sich wohl. In Polen ist Fußball nicht so groß wie in Deutschland. Einzelne Spieler hätten Topniveau, aber selbst die besten polnischen Mannschaften haben kaum mehr als (deutsches) Zweitliga-Niveau.

Die Entwicklung seines ehemaligen Arbeitgebers verfolgt er genau. „Vielleicht war der Abstieg sogar für etwas gut. Alle in Berlin haben gemerkt: Es gibt keinen Automatismus, dass die Hauptstadt in der Bundesliga spielt.“ Ihn beeindrucken die Zuschauerzahlen, die er genau im Kopf hat: „34.000 gegen Aachen, 48.000 gegen Oberhausen – da ist doch etwas passiert mit Hertha und den Fans.“ Er ist sich sicher, dass Hertha die sofortige Rückkehr in die Bundesliga gelingt.

Dann verabschiedet sich Wichniarek. Er hat gewartet auf einen Ex-Kollegen. Der erscheint mit einer modischen Wollmütze. Andre Mijatovic, ehemals mit Wichniarek bei Arminia Bielefeld und aktuell Kapitän von Hertha BSC, zieht die Mütze vom Kopf. „Artur, schön Dich zu sehen.“

P.S. Christian Lell hat den Test im Abschlußtraining überstanden, er steht im 18er-Kader für die Partie gegen den FSV Frankfurt


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Kommentare

Exil-Herthaner
15. Oktober 2010 um 16:51  |  817

Ich hätte es Artur gewünscht, dass es beim zweiten Engagement besser läuft, aber leider ist es ja auch total schief gelaufen… Viel Erfolg in Posen.


Sven H.
15. Oktober 2010 um 17:58  |  819

Interessanter Bericht. Was mich nur verwundert, wenn Sie der Herr Wichniarek gar nicht persönlich kennt, wie kam es dann zu dem Gespräch? Ich geh doch auch nicht einfach zu einem wildfremden Menschen an den Tisch und erzähl ihm von meinen Unterleibsschmerzen… schon gar nicht der Presse. Schon ein merkwürdiger Kautz der Arthur.

Was mich dann auch noch interessieren würde, wieso glauben Sie das Senja im Tor stehen wird? Wenn Burchert nicht jetzt im Tor steht wann dann? Sollte er wirklich nicht besser sein als ein Torhüter der aus der dritten Liga zu uns heimgekehrt ist? Kann ich mir irgendwie nicht vorstellen, zudem das auch irgendwie dann gegen den eingeschlagenen Kurs von Babbel gehen würde. Man wird sehen. Ich würde es Burchert wünschen.


Treat
15. Oktober 2010 um 18:08  |  820

Ich habe die Kritik an Artur aufgrund seiner zweimaligen (Miss)erfolgsbilanz natürlich nachvollziehen können. Was ich nie nachvollziehen konnte, waren die persönlichen Anfeindungen und Unterstellungen, teilweise war regelrechter Hass spürbar.
Und da frage ich mich, was hat der Junge denn eigentlich verbrochen?
Gut, er ist beim ersten Engagement im Unfrieden gegangen und hat sich hernach nicht gerade glücklich über seine blauweißen Zeiten geäußert. Das hat er aber eingesehen und die Probleme lagen wohl auch eher im persönlichen Verhältnis zu dem einen oder anderen auf der Leitungsebene.
Beim zweiten Mal dann hat er einen nicht unerheblichen Teil seiner Ablöse selbst bezahlt, weil er sich unbedingt noch mal in Berlin beweisen wollte.
Gereift hat er sich gezeigt, was sein Verhalten abseits des Platzes anging, die Vorbereitung lief gut und dann – passierte das, was im Fußball eben manchmal passiert. Es passte einfach nicht. Was er auch versuchte, nichts gelang ihm. Unterstützung der Fans – Fehlanzeige. Das half Niemandem.

Seine Bilanz ist katastrophal aber ich glaube, seine Motive waren immer ehrenwert!

Ich persönlich wünsche A.W. das Beste für seine Zukunft und hoffe, dass er sich in Berlin auch künftig wohl fühlen wird!

Blauweiße Grüße
Treat


15. Oktober 2010 um 20:04  |  823

@ubremer
Wenn Du (wir duzen uns hier ja, habe ich so in Erinnerung?) wüsstest, für wen sich Babbel entscheidet, würdest Du vermutlich nicht mit BILD und der Süddeutschen beim Steh-Italiener Käffchen mit Wasser schlürfen, sondern im Regen und bei kaltem Wind als Trainer die harten Fragen von @dstolpe beantworten oder? *zwinker-zwinker*

Thema „AW“: Finde, da hat der Kollege @Treat gute Sachen zu geschrieben.


15. Oktober 2010 um 21:29  |  824

[…] Burchert. Die BZ will erfahren haben, dass der Trainer auf den 38-jährigen Marco Sejna setzt. Auch Uwe Bremer von der Morgenpost glaubt, dass Sejna den Vorzug erhält. Hertha-Fans, die schon vor den erfolgreichen Spät-Neunzigern die Fahne auf der Brust trugen, […]


ubremer
ubremer
15. Oktober 2010 um 22:41  |  825

@alle,

an irgendeinem der vorangegangen Tage hatten wir das Thema Anrede schon mal: Habe gesagt, dass ich mich mit Datcheffe aufs Duzen geeinigt habe und das das insofern für uns alle gilt. Einverstanden?

@08-15 und @SvenH,

ob mit Zeitung, Espresso, Wasser oder ohne – WISSEN tue ich nicht, wie die Aufstellung von Babbel gegen den FSV Frankfurt ausfällt. Ich habe aber unabhängig voneinander aus mehreren Quellen klare Hinweise, dass es auf Marco Sejna hinauslaufen wird. Näher kann ich das im Moment nicht erläutern.
Ich finde den Ablauf auch in Ordnung: Der Trainer bastelt nach bestem Wissen seine Elf, da soll er sich nicht von Medien-Fuzzis oder Fans drängeln lassen. Und nach dem Spiel werden wir fragen, was er sich dabei gedacht. Und, sollte er sich für Sejna entscheiden, fragen wir, was gegen Burchert gesprochen hat. Von jetzt an in gut 14 Stunden sind wir da schlauer.

@Sven H,
Artur Wichniarek und ich haben im Laufe seiner Berliner Jahre kein enges Verhältnis gehabt. Aber mit der Zeit haben wir mehrfach miteinander gesprochen und uns hundertfach gesehen (Training/Trainingslager/Spiele). Insofern wusste er, dass er es mit einem Hertha-Reporter zu tun hat.

@Treat,
finde Deinen Kommentar ein angenehme, unaufgeregt Zusammenfassung von Wichniareks Wirken in Berlin. In der Tat sind auch mir die Negativ-Emotionen, die manche nur bei der Nennung des Namens haben, nicht erklärlich. Artur hat Hertha bei beiden Engagements nicht geholfen. Das ist schade und auch ärgerlich. Aber der Grund war nie, dass er sich nicht reingehängt oder unprofessionell verhalten hat. Neben dem Spieler steht immer auch die Sportliche Leitung in der Verantwortung, die vorab und dann Woche für Woche entscheiden muss: Passt der Spieler?


hurdiegerdie
15. Oktober 2010 um 23:38  |  826

Mir ist du Arsch oder sie Arsch egal, Hauptsache Italien.


Drobny
16. Oktober 2010 um 4:07  |  827

Man munkelt nicht nur Wichniarek, sondern auch Drobny sieht man gelegentlich in der Stadt, ja, sogar auf der Geschäftsstelle von Hertha BSC 😉


Datcheffe
16. Oktober 2010 um 4:08  |  828

Moin,Moin!

@treat, das würde ich glatt unterschreiben!

Morgen ein klarer Sieg zu Null!

Blau-Weiße Grüsse!


Treat
16. Oktober 2010 um 11:26  |  833

@ubremer, @datcheffe und @08/15:

Danke für die Blumen, Jungs!

@all:

In 90 Minuten alle Mann die Daumen gedrückt, das wird schwieriger als man glauben möchte! Heute ein Auswärtssieg und dann gegen Fürth im Oly den nächsten Heimsieg holen, dann sieht das in dieser Saison mit dem Aufstieg (trotz des frühen Zeitpunktes) schon richtig, richtig gut aus!

Ich muss leider nach der ersten Halbzeit zum Dienst und kann dann nur noch den Liveticker verfolgen, also, trinkt ein Bierchen für mich mit!

Blauweiße Grüße
Treat


HSV-Fan
17. Oktober 2010 um 14:08  |  843

auf jeden Fall haben wir ihn am Montag,den 11.10. in Hannover im Zoo gesehen….;-)


ubremer
ubremer
17. Oktober 2010 um 14:15  |  844

@HSV-Fan,

was macht ein Profi von Lech Posen mit Wohnsitz in Berlin im Zoo von Hannover?
(Sein Berater sitzt, glaube ich, in Hannover)


17. Oktober 2010 um 20:53  |  851

[…] Minuten zuvor auf dem Trainingsplatz gesehen – Nikita Rukavytsya. Nachdem mir am Donnerstag in Neu-Westend Artur Wichniarek über den Weg gelaufen war, nun also Herthas Mann aus […]


Flanke
18. Oktober 2010 um 14:19  |  868

Ich trinke bei einem Steh-Italiener ….
Er will sich nicht zu mir setzen, ….

Nee schon klar oder 😉


HSV-Fan
19. Oktober 2010 um 18:00  |  906

@ubremer,
da hast Du Dir die Antwort ja selbst schon gegeben… er war es wirklich 🙂


ubremer
ubremer
21. Oktober 2010 um 21:13  |  958

Eines muss man dem Artur-Meister lassen:
Donnerstag, 21. Oktober, wie oben angekündigt, sitzt Wichniarek bei Manchester City-Lech Posen auf der Bank. 16 Tage nach einer Blinddarm-OP. (Hm, Posen verliert 1:3, Wichniarek wird nicht eingewechselt)


4. November 2010 um 20:18  |  1441

[…] – Nach dem zufälligen Treffen mit ihm vor gut zwei Wochen, bin ich ja so etwas wie der Artur Wichniarek-Beauftragte bei immerhertha.de. […]


6. November 2011 um 18:15  |  44455

[…] –  Wir erinnern uns: Nikita Rukavytsya und Artur Wichniarek waren schon aufgetreten. Folgt ein weiterer Teil aus der Reihe “Berlin ist ein Dorf”, […]

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