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Samstag, 23.10.2010

Jugendstil mit System

(sto) – Aus der Rubrik „Neues aus dem Mannschaftsbus“ . . . Auf der Fahrt ins Olympiastadion errechneten am Freitag die Herren Burchert, Bigalke (beide 20), Neumann, Perdedaj (beide 19), Lasogga (18) und Schulz (17) das Durchschnittsalter der gegen Fürth von ihnen repräsentierten Ersatzbank. Ihre Spielerei amüsierte die sechs Jungs: Im Verbund mit Ronny (biblische 24 Jahre alt) ergab sich ein Wert von 19,6 Jahren.

Und so wechselte Markus Babbel im Spitzenspiel des Tabellenersten der Zweiten Liga gegen den Zweiten eben auch einen 17-, einen 18- und einen 19-Jährigen ein, namentlich Schulz, Lasogga und Neumann. „Wenn ich Bedenken hätte, würde ich sie nicht bringen“, hat Babbel am Samstag nach dem Training zum wiederholten Male zu dem Thema gesagt.

Aber auch die Älteren in Herthas Team haben „keine Bange, wenn die Jungen reinkommen“, sagt stellvertretend Peter Niemeyer: „Nico hat in Cottbus bravourös gespielt, genauso traue ich das Basti zu.“ Jener Basti, Sebastian Neumann, wird in den kommenden sechs bis acht Wochen keinen Geringeren als Andre Mijatovic, den Kapitän, vertreten müssen. Er selbst traut es sich zu, Trainer und Mitspieler trauen es ihm zu. Auf ähnliche Weise ist rechts im Mittelfeld Schulz beinahe selbstverständlich die erste Alternative zum zehn bis zwölf Tage fehlenden Nikita Rukavytsya (Muskelfaserriss im Oberschenkel).

Babbel lobt Herthas Nachwuchsarbeit

Ein 19- und ein 17-Jähriger in der Verantwortung – bei anderen Klubs würde das Schweißausbrüche und schlaflose Nächte der Verantwortlichen hervorrufen: Endet damit unsere Erfolgsserie? Nicht so bei Hertha. Der Jugendstil hat System. Die Jungen sind ungeachtet ihres Alters vollwertige Kadermitglieder. „Dass sie alle in U-Nationalteams spielen, zeigt, dass sie gut sind“, sagt noch einmal Niemeyer. Und Babbel sagt: „In den vergangenen Jahren ist im Hertha-Nachwuchs hervorragend gearbeitet worden.“

Seit 2001 gibt es das Hertha-Nachwuchszentrum, seitdem investierte der Klub pro Jahr bis zu vier Millionen in die Talentförderung (nach dem Abstieg sind es aktuell nur 0,5 Mio.), herausgekommen sind insgesamt rund 60 Spieler, die das Ziel der Ausbildungsarbeit erreicht und den Weg in den Profifußball gefunden haben.

Auf den Spuren von Boateng und Dejagah

Bei Hertha schafften den Sprung zuerst Sofian Chahed und Malik Fathi, es folgte die Generation derer um Kevin Boateng, Dejagah und Ebert sowie noch etwas später Jerome Boateng und Schorch. Und dann sind wir auch schon bei Hartmann/Bigalke/Radjabali-Fardi/Riedel und Perdedaj sowie jenen, die uns heute so viel Freude machen.

Die DFL zertifiziert Herthas Nachwuchsarbeit mit der höchstmöglichen Wertung von drei Sternen, was nur einer Handvoll Profiklubs vergönnt ist. Ist das gerechtfertigt? Wie bewertet ihr (auch in der Klickshow) das Ergebnis von fast einem Jahrzehnt Talentförderung? Und was haltet ihr von dieser These: Eingangs erwähnte Anekdote erzählt mir auch und vor allem vom erfolgten Mentalitätswandel der Hertha-Youngster. Sie wissen, genau wie einst Boateng und Co., dass sie gut sind. Aber sie verwandeln sich deswegen nicht in einen renitenten Haufen („hey Trainer, wir müssen U N B E D I N G T spielen, und wehe, du siehst das nicht genauso“). Nein, sie wissen sich selbst einzuschätzen und erfreuen sich an der sich ihnen bei Babbel reichlich bietenden Perspektive – wodurch sie schon genügend Druck auf die Etablierten ausüben.

Mir gefällt die Gegenwart.

Jetzt seid Ihr dran

Herthas Nachwuchsarbeit seit 2001 ist...

  • gut (47%, 115 Stimmen)
  • sehr gut (43%, 106 Stimmen)
  • befriedigend (9%, 22 Stimmen)
  • ausreichend (2%, 4 Stimmen)
  • mangelhaft (0%, 0 Stimmen)
  • ungenügend (0%, 0 Stimmen)

Anzahl der Wähler: 247

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Kommentare

dstolpe
23. Oktober 2010 um 17:50  |  1021

@Dan
Dir wollte ich zum Thema von Donnerstag auch noch antworten – aber dann wäre der Text zu lang geworden 😉 Deshalb eben hier – auch als weitere Diskussionsgrundlage.

„Sagt man sich nicht jedes Jahr kann man ernten?“
Ja. Gezwungenermaßen. Auch in einer Stadt von der Größe Berlins ist nicht zwangsläufig jeder Jahrgang bärenstark. Dazu wissen wir, dass die (internationale) Konkurrenz längst begonnen hat, schon Talente im Alter von zehn bis zwölf Jahren aus ihrer Heimat wegzulocken.

„Liegt es am jeweiligen aktuellen Profi-Trainer?“
Natürlich. Ich liefere mir in der Frage eine leidenschaftliche Dauerdiskussion mit einem hochrangigen Hertha-Mitarbeiter, der große Stücke hält auf Funkel an sich und ihn auch in seinem Umgang mit den Jungen (alle weg, hinfort mit ihnen!) verteidigt. Seine Position: Es hat den Jungen gut getan, im Abstiegsjahr nicht zu spielen (heißt: spielen zu müssen), weil sie mit der Situation überfordert gewesen wären. Mag das auch sein – trotzdem hat mir missfallen, mit welcher Rigorosität er auf Erfahrung gesetzt und damit die Jugend ignoriert hat. Nur ein Beispiel von vielen. Will sagen: Nicht jeder Trainer ist ein Funkel, genauso ist nicht jeder ein Babbel.

„Hinterfragt man auch, warum bleibt so oft der nächste Schritt zum Profi aus?“
Hierzu hat Kollege Bremer ja bereits geantwortet.

„Wo bleibt der Biss des Spielers, an dem ein Trainer nicht vorbei kommt?“
Das fragt Babbel sich aktuell insbesondere bei einem Shervin Radjabali-Fardi. . .

„Hat man uns das Potential, von @wilson’s genannten Spielern, aber auch Ede, Bieler , Traore, Riedel oder Cubukcu nur vorgegaukelt?“
Was heißt vorgegaukelt? Nicht jeder Spieler entwickelt sich im Laufe der Jahre so wie einst prognostiziert. Fakt ist, dass von den Genannten keiner einer im großen Profifußball Fuß gefasst hat (im Sinne von: rocken die Weltstars). Ein anderer Zweck von Ausbildung ist, Talente gegen Geld zu verkaufen. Allerdings, wir alle wissen das, gibt es natürlich auch reichlich Spieler, deren Potenzial bei Hertha verkannt worden ist bzw die infolge mangelhaften Verhandlungsgeschicks in Vertragsfragen unter Wert (oder sogar ablösefrei/Dejagah) abgegeben werden mussten- ich will das hier gar nicht in Schutz nehmen!

„Ich weiß das die Spieler auch in den anderen Vereinen nicht wirklich etwas reissen, aber wo oder was war der Break vom großen Talent und sogar DFB-ausgezeichneten Spieler zum ewigen U23 Spieler oder “Wandergeselle” in untere Ligen?“
Siehe Radjabali, siehe oben. Nein, @Dan, sooo schlecht ist Herthas Nachwuchsarbeit der vergangenen zehn Jahre wirklich nicht…


Zimsel
23. Oktober 2010 um 18:17  |  1022

hertha hat in den letzten jahren eine sehr gute jugendarbeit geleistet…….. leider konnten nicht alle talente gehalten werden oder bei uns integriert werden. die vergangenheit hat gezeigt, dass ein guter fussballer nicht zwangsläufig ein “ profihaftes“ verhalten abseits des platzs an den tag legt. daran ist aber nicht zwangsläufig der ausbildungsbetrieb( – Verein ), sondern auch oft das freundschaftliche bzw. familiäre umfeld schuld. selbst unter uns normalos kommt es vor, das gerade bei jugendlichen, ein deutliches überdenken des eigenen verhalten erst bei einem ortswechsel oder dem ändern des privaten umgangs stattfindet…. daher sind meiner meinung nach solche sachen wie mit kp boateng nicht umbedingt herthas verschulden…..


hurdiegerdie
23. Oktober 2010 um 20:24  |  1023

Da stecken zwei Fragen drin.
Macht Hertha eine gute Jugendarbeit?
Ich denke die Frage muss man mit JA beantworten. Hertha-Spieler sind in fast allen Auswahlmannschaften, oft mehrfach. Und Hertha kommt in Meisterschaften der Jugendligen oft recht weit. Ich wüsste nicht viele Vereine in Deutschland, die eine bessere Jugendarbeit machen, vielleicht, Stuttgart, vielleicht Bayern und Leverkusen, vielleicht Hoffenheim.

Die ander Frage ist, rentiert sich die Jugendarbeit für Hertha. Was bleibt bei einem (geschätzten) Investitionsvolumen von 35 Mio über 10 Jahre bei Hertha hängen?

An Transfererlösen sieht es doch nur halbwegs gut aus aufgrund der Genetik von Vater Boateng. Und selbst da hat der HSV an Jerome mehr verdient als der Ausbilder Hertha.

Mit 0.5 Mio kann man offensichtlich die Pflicht gegenüber der DFL erfüllen, also warum zusätzlich 3 Mio investieren?

Ich sage mal ketzerisch und dies ist wirklich nicht meine Meinung. Für 3 MIo können wir jedes Jahr 2 Ramos holen, oder die besten Jugendspieler aus anderen Vereinen mit überteuertem Gehältern zu uns holen und dann gewinnbringend nach England verkaufen. Ist das nicht der erfolgsträchtigere Weg?

Bisher hat es Hertha doch nur selten geschafft, ihre gute Jugendarbeit auch „gewinnbringend“ für die Profimannschaft zu gebrauchen.

Ob es jetzt an Babbel liegt oder an der zweiten Liga, dass es mal besser aussieht, weiss ich noch nicht. Schaun mer mal.


Dan
23. Oktober 2010 um 22:00  |  1024

@dstolpe
Danke für die Antworten.
Meine letzter Hinweis mit dem ewigen U23-Spieler bzw. Wandergeselle bezog sich auf meine genannten Spieler Ede, Bieler , Traore, Riedel oder Cubukcu. Diese haben sich entgegen Dejagah, Boa’s, Madlung, Marx usw. nicht entwickelten. Das war keine Generalkritik an der der Jugendarbeit, die ich persönlich sehr gut finde. Mir ging es eigentlich um die letzten 3 Jahre, in der ja eben ein Favre und sogar ein Funkel geholt wurden, weil sie in der Vergangenheit auch auf die Jugend setzten bzw. einflechteten.

Ich habe da eine ganz spezielle Meinung / Sichtweise aus Gesprächen zu diesem Thema und warum es mir da um die letzten Jahre geht .

Ich bin der Meinung, so wie D.H. Hertha BSC als sein Lebenswerk bezeichnet, hat er auch den Aufbau der Jugendakademie als persönliches Projekt gesehen.
Stolz wie Bolle war er zurecht auf das geleistete und die Titel und die vielen Uxx Spieler. Doch dann kam das Jahr 2007 und seine für ihn persönlich harte Niederlage mit „seinen Jugendlichen“ die ihm nicht die Treue hielten, nach dem er soviel für sie getan hat. Es war ja nicht einer sondern gleich drei die ihn „hintergingen“ Schorch, J.Boateng und Dejagah. Der eine mit Friseur, der andere der ihm sagte das er beim HSV gleich soviel auf die Hand bekommt ohne zu spielen wie bei Hertha mit vollen Bonusmöglichkeiten und der andere der ihm die Unterschrift in die Hand versprach und dessen Vater Tage später eigene Vorstellungen von Handgeldern und Familienunterstützung hatte.
Das waren drei harte Schläge auf einmal, mit einem Trainer für den Jugendstil schon im Gepäck.
Von da an bin ich der Meinung, hat D.H. sein Jugend-Projekt aus Enttäuschung schleifen lassen.
So traf ein Favre auf weniger Widerstand um ausländische Jugendspieler zu holen statt vereinseigene einzubauen, als wenn D.H. noch ein von der eigenen Jugend begeisteter Mangager gewesen wäre.

Ich sehe daher gerade die Spieler Hartmann, Fardi, Bigalke und Traore als Opfer dieser Zeit an, weil ihnen plötzlich die Fürsprache fehlte, die der erfolgreichen „Goldene Generation“ noch entgegen gebracht wurde.

Die schleifenden Zügel sind seit 06/ 2009 nun wieder aufgenommen worden, die Jugendtrainer-Riege ist bis auf Heine entkernt, Herr Vogel genesen zurück und „Dank“ zweiter Liga auch das kalte Wasser nicht so nass und kalt. 🙂

Ja von Fardi ist man von Vereinsseite enttäuscht und bemängelt, dass er stehen geblieben ist. Da ist man speziell über die Entwicklung von Neumann erfreut.

Anderseits frage ich mich auch, wie fühlt man sich als Jugendlicher dessen Vertrag ausläuft, wenn Dir seit drei Jahren erzählt wird – Dir gehört die Zukunft – und dann wird mit dem „Opa“ Kobi auf deiner Seite ein Drei-Jahresvertrag abgeschlossen und noch ein 24 jähriger Kugelblitz namens Ronny für die linke Seite ebenfalls für drei Jahre geholt.

Das solche Spieler keine Garantie erwarten dürfen und weiter an sich arbeiten müssen ist klar, aber dass die auch dann einen „Hänger“ haben können ist ebenfalls verständlich. Gerade hier ist es dann wichtig im Jugendbereich Aufbauhilfe zu leisten, wenn nicht durch den aktuellen Profi-Trainer dann mit einem weitsichtigem Management. Wenn man überzeugt ist, muss / sollte eine Lösung gefunden werden, wie z.B. Vertragsverlängerung und Ausleihe an einen Zweitligisten.

Bei einem von den dreien (Bigalke, Hartmann oder Fardi) ist die Chance meines Erachtens groß, dass wir uns in drei Jahren wieder fragen, wie konnte man den gehen lassen.

Um dann nochmal kurz zum Klick-Thema zurück zu kommen, ich finde die Jugendarbeit klasse. Auch das der Prozess damals nach den „Ghetto-Kids“ um die soziale Komponente angepasst wurde. Auch hier könnte man anmerken, dass es Personen gibt, die es schade finden das man in der Akadmie nur „Auswärtige“ ganztägig betreut. Es würde auch manchem Berliner Talent positiv guttun dem heimischen Einfluss zu entfliehen.

Mit dem Ernährungsplan, Schulkooperationen, zentrale Trainingsmöglichkeiten und und und. Ich denke die drei Sterne werden nicht leichtfertig vergeben und auch wenn Herr Sammer irgendwie nicht „mein Mann“ ist, muss ich ihm wohlwollend anerkennen, dass er über die Jugendakademie von Hertha BSC bisher immer in höchsten Tönen spricht.

Also ihr seht @dstolpe und @ubremer, ich wollte mit meinen Fragen die Akademie oder Hertha nicht schlecht dastehen lassen sondern sehe das Problem – der nicht nachrückenden Jugend- in den letzten drei Jahren mit „anderen“ Augen.

Dazu gehört dann auch ein andermal, ob man hinterfragen darf, wie motiviert ein Jugendtrainer ist, der sich vielleicht auch mal zu etwas Höherem berufen fühlte.

Sorry ist ein wenig lang geworden, aber es gibt Themen die sind für ganze Nächte gemacht. 🙂


Datcheffe
24. Oktober 2010 um 6:35  |  1027

Moin, Moin!

Hertha und ihre Jugendarbeit ist für mich eine merkwürdige Geschichte.
Klar , sehen wir jetzt was aus unseren Jugendprofis ala die Boatengs, Dejagah, Traore usw. geworden ist und zumindest mir geht es so, das ich mich im nachhinein sehr ärgere, das diese Spieler bei uns nie eine richtige Chance bekommen haben.
Nachdem sie hier meist in Schimpf und Schande vom Hof gejagt wurden, weil unsere damaligen Trainer Stevens und Götz sie nicht für gut befunden hatten, kam dann ja Lucien Favre, dem diese Spieler bekannt waren und der , wie er immer betonte, hier arbeitet, als ob er die nächsten 10 Jahre bleibt, dann anfing, sich nicht nur um die Profis zu kümmern, sondern auch von den Jugendtrainern verlangte, seine Ideen und sein System einzusetzen und die Jungs so schon in früheren jahren darauf vorzubereiten seine Art von Fussball bei den Profis zu spielen.
Nachdem die Saga Favre hier ein schnelleres Ende gefunden hat, als die Meisten damals erwartet hatten, waren doch für die Jugendmannschaften die damaligen Anweisungen meiner Meinung nach, konseqeunt weiter trainiert worden und das was Babbel heute an Spielern und ihrer Spielweise zur Verfügung hat, sind die Spieler in voller Blüte, für die Lucien Favre damals durch sein Arrangement die Saat gesetzt hat! Man sieht heute ganz deutlich, wie Spieler sich weiterentwickeln, wenn ein Trainer die Vorgaben gibt, die damals auch in der Profikabine an der Wand hingen!
Nur der Unterschied war, das die Profis sich dann gegen Favre stellten, und er es leider nicht schaffte, Ersatz für die drei Spitzenspieler zu finden, die uns damals verliessen!

Als Profitrainer versagt, hatte es im nachinein aber doch etwas gutes, das er damals soviel Macht hatte, selbst den Jugendmannschaften und ihren Trainern seine Anforderungen beizubringen und diese sind mit den eigenen Ideen der jetzigen Trainer die hervorragende Qualität unserer Jungprofis, die heute auch im sehr jungen Alter zumindest für die 2. Liga durchaus brauchbar sind!

Ich weiß, jetzt werden viele denken, jetzt geht das Favregeschwärme hier auch noch weiter, aber seinen Teil für die mentale und spielerischen Fähigkeiten sind durchaus darauf zurück zuführen!

Nichtsdestotrotz ist der Mut von Markus Babbel natürlich bewundernswert, das Risiko einzugehen, diesen jungen Spielern das Vertrauen entgegenzubringen!

Endlich ein Trainer, der macht, was er sagt und damit genau der richtige Mann im Moment ist!

Schönen Sonntag!


24. Oktober 2010 um 11:46  |  1028

Jugendarbeit generell:
Die Frage nach der „Rentabilität“ von @hurdiegerdie ist schon berechtigt. Lassen wir uns hier von unserer eigenen Faszination blenden, da in den letzten Jahren so ein tolles Projekt „Jugendakademie“ hochgefahren zu haben, was uns zudem von dritter Seite auch noch laufend bestätigt wird? Aber was kommt am Ende effektiv bei raus? Und ich finde @hurdiegerdie’s Frage am Schluss gar nicht ketzerisch, sondern fast naheliegend. Die Jugendakademie gehört laufend auf den Prüfstand. @dan und @hurdiegerdie haben dazu Ansätze geliefert. Und @dstolpe meint ja, diesbezüglich von Vereinsseite auch entsprechende Signale wahrgenommen zu haben. Man muss zwar nicht alle halbe Jahre was verändern. Aber wenn sich bestimmte Strukturen und darin agierende Personen zu stark verkrustet haben, muss man vielleicht mal die Fenster öffnen, um durchzulüften. Wenn das jetzt passiert (ist), finde ich es richtig.

Fardi:
Da verstehe ich die hier nun oftmals zitierte „Enttäuschung von Vereinsseite“ nicht oder den unterstellten Stillstand. Was erwartet man von ihm, dass er in der U23 leistet, um sich für höhere Aufgaben zu empfehlen? Pflichte da @dan (sinngemäß) bei: Sind es wirklich Spieler wie Kobi und Ronny, die z.B. einem Fardi da so viel voraus haben? Oder ist Fardi nicht tatsächlich ein Opfer einer bestimmten Zeit? Ich bin der Meinung, dass man Fardi auch jetzt bedenkenlos auf der linken Seite einsetzen könnte. Der würde sich im kalten Wasser genauso bewähren wie die anderen derzeit auch. Auch wenn ich mit der Meinung alleine da stehe. Aber die Spieleindrücke, die ich von ihm habe, sind eher gute.

@dstolpe:
Mir gefällt die Gegenwart auch, keine Frage. Aber es ist auch eine vom Erfolg überlagerte. Da dürfen wir uns nichts vormachen. Es ist und bleibt ein fragiles Gesamtgebilde. Wenn es Hänger gegeben hätte, wären schnell Aussagen salonfähig geworden wie „Na, das mit der Jugend ist es aber auch nicht“ oder „Wir müssen mehr auf Erfahrung setzen“. Ich glaube, es ist total schwer, da eine Balance zu finden. Babbel hat aber gerade dieses Händchen. Zum Glück! Es passt Vieles zusammen. Und offensichtlich bekommt die neue Generation auch was für ihre grundsätzliche Einstellung mit auf den Weg, so dass man das Gefühl hat: Die Gegenwart ist eben so, weil man vielleicht auch aus der Vergangenheit etwas gelernt hat? Aber: Ich gebe Dir einen Schein drauf – hier gibt’s mindestens genauso viele, die es gut fänden, wenn es weniger dieser (aus ihrer Sicht) glatt geschliffenen und angepassten Streichelprofis gäbe, sondern eben auch wieder ein paar Boatengs hätte. So „Typen“ halt, mit Ecken und Kanten, die auf die Sahne schlagen und Ansprüche anmelden, wo sie eigentlich gar nichts zu melden haben. Und wer weiß, vielleicht braucht es zu einer bestimmten Phase auch wieder genauso solcher Typen? Kann man es ausschließen? Kompliziert. Aber, so ist Berlin. 😉


Bolle75
24. Oktober 2010 um 11:55  |  1029

Sehr Gut, eindeutig, wenn man es nicht aus der Finanziellen Brille anschaut.
2x Boateng, Dejagah, Fathi & Chahed.
Was wollen wir denn mehr? … Natürlich diese Spieler in unseren eigenen Reihen spielen sehen.
Die Frage lautet also wie wir diese Spieler halten und erfolgreich einbauen können. Es geht gar nicht so sehr um eine erfolgreiche Jugendarbeit in bezug auf die Ausbildung.
Ich hoffe wir haben hier aus der Vergangenheit gelernt und ab sofort dürfen wir uns und nicht die anderen darüber freuen wie toll doch dieser 17-,18-,19-Jährige ist.
Bei allen wird das nie klappen. Das kann verschiedenste Gründe haben. Gekas trifft dieses Jahr wieder oder negativ was ist z.B. aus Ricken geworden. Es gibt Faktioren die kann man nicht immer optimal beeinflussen, Trainer und sonstige Verantwortliche machen Fehler aber ich habe bei Hertha das Gefühl das die Vertantwortlichen (jetzt ohne den Trainer) aus den letzen Jahren gelernt haben.

@hurdiegerdie: In den 35 Mios stecken doch bestimmt auch Gelder für das Internat, Trainingsplätze etc.
Andere Unternehmen müssen auch erst ein mal in Forschung & Entwickelung investieren bis da was abfällt. Natürlich ist das eine Summe die erst mal verdaut werden muss aber warten wir doch noch ein paar Jahre ab. Ich denke das gesamte Thema Jugendarbeit kann man noch nicht abschließend beurteilen.
Ich weiß ja mittlerweile das du (?ich duze einfach mal) dich da in den Finanzen ganz gut auszukennen scheinst und würde dir in den meisten Punkten auch zustimmen aber bei der Forschung und Entwicklung muss nun ein mal investiert werden und da ich nicht weiß wie du auf 35 Mios kommst kannst du oder ein anderer mich vielleicht aufklären.


hurdiegerdie
24. Oktober 2010 um 12:32  |  1031

@Bolle,

ich kenne mich bei den Finanzen vermutlich nicht besser aus als jeder andere, da ich auch nur habe, was es so im www zu finden gibt. Vielleicht interessiere ich mich (auch beruflich) einfach mehr für Zahlen als andere.

Die 35 Mio sind so eine geschätzte Hausnummer, die wahren Zahlen sind ein gut geschütztes Geheimnis (auch wenn @Ubremer gleich mit der MV-Broschüre kommt (Achtung Scherz; genauso wie die Party kürzlich im Oly. Ich möchte hier wirklich keinem auf den Schlips treten, falls ich mal falsch verstanden werde))

Es gibt Interviews mit Hoeness und Schiller um 2004/2005, dass sie so in den ersten 4 Jahren rund 20 Mio investiert haben. Das schliesst natürlich auch Infrastrukturkosten ein (aber ich meine, die müssen sich ja auch mal rentieren, oder?)

Danach gibt es Kosten in den MV-Broschüren, die etwa bei 2.5 Mio pro Jahr liegen (wie die Kürzung dieses Jahr auf 20% gehen soll, weiss ich nicht, man kann ja den Spielbetrieb nicht einstellen, aber das ist ein anders Thema).

Es gibt auch Zeitungsauschnitte mit Interviews von Schiller in den letzten Jahren (bis etwa 2009), wo von bis zur 4 Mio Investitionen pro Jahr gesprochen wird (was hier die MoPo ja auch sagt), ich kalkuliere da sparsamer.

Ich gehe alsor von 5 Mio in den ersten 4 Jahren und weiteren 2.5 Mio pro Jahr aus (im Schnitt), macht etwa 35 Mio insgesamt, oder 3.5 Mio pro Jahr. Die Wahrheit dürfte nicht zu weit davon wegliegen.


ubremer
ubremer
24. Oktober 2010 um 13:03  |  1032

Moin Jungs,
bin gerade vom Trainingsplatz zurück. Windig wars. Habe meiner sonntäglichen Routine gefrönt, im Anschluss auf dem Weg in die Redaktion an der Friedrichstraße Halt gemacht. Auf Geheiß von @egmonte wollte ich Nikita Rukavystsya vor falscher Ernährung bewahren. Muss allerdings melden, dass er nicht da war. Er hat vermutlich bei Müsli und selbstgepressten O-Saft den verletzten Oberschenkel auf der heimischen Couch geschont. 😉

Zum Thema Nachwuchs will ich zwei Argumente einwerfen:

Stichwort Ziele: Das Ziel der Nachwuchsarbeit ist es, möglichst viele Jugendliche ins Profigeschäft zu bringen a) Entweder im eigenen Verein oder b) für eine möglichst hohe Ablöse zu verkaufen.
In der Diskussion liegt mir der Fokus zu oft nur auf A). Konkret: Fathi ist ein Positivbeispiel, hat für Hertha gespielt und wurde später für 4 Mio verkauft, Kevin Boateng (7,9 Mio zu Tottenham) ebenso. Negativbeispiel ist Dejagah (ablösefrei nach Wolfsburg), da hatte sich Hertha schlicht verpokert.

Stichwort Radjabali-Fardi: Profi-Fußball ist kein „Mensch-ärgere-Dich-nicht“, wo in den Spielregeln festgelegt ist, dass automatisch jeder mal an die Reihe kommt. Die Enttäuschung bei Favre und Preetz war, dass zu Beginn des Abstiegsjahres die Jungen den Eindruck vermittelten: Jetzt müssen ja auch wir mal an der Reihe sein.
Preetz: Dass du in die Startelf willst, musst du im Training mit überragenden Leistungen verdammt noch mal zeigen.
Das, so haben es die Herren Favre, Funkel und jetzt auch Babbel geurteilt, ist bei den Spielern Bigalke, Hartmann, Radjabali-Fardi (und Riedel) nicht ausreichend passiert. Meine Prognose: Die „Favre-Youngster“ spielen jetzt ihre dritte Saison im Männerbereich. Wenn in den verbleibenden sieben Monaten bis Saisonende nix passiert, müssen alle Beteiligten mal ganz nüchtern eine Bestandsaufnahme machen. . .
Nicht zufällig lobt Babbel exakt diesen Punkt, die außerordentliche Leistungsbereitschaft, bei den aktuellen Jungen Schulz, Neumann, Perdedaj, Lasogga, Djuricin.

Einen schönen Sonntag


wilson
24. Oktober 2010 um 13:54  |  1033

Den Knackpunkt der Diskussion liefert meiner Ansicht nach @ dan, der behauptet: „…Von da an bin ich der Meinung, hat D.H. sein Jugend-Projekt aus Enttäuschung schleifen lassen.“
Genau das darf sich ein finanziell klammer Verein wie Hertha nicht leisten (schleifen lassen). Gekränkte Eitelkeiten dürfen keine Rolle spielen.

Es gibt sicherlich Gründe, warum es ein Trainerroulette unterhalb der U23 gab, nicht aber bei der U23. Da die U23 nun mal aber das biologische Sprungbrett für den Einsatz im Profiteam ist, scheint man bei Hertha mit der Arbeit des U23-Trainer zufrieden zu sein.

@ ubremer hat am Freitag in einem anderen Thread geschrieben: „Alle genannten wurden vorzeitig hochgezogen“ und bezog sich auf Burchert , Neumann, Bigalke, Hartmann, Perdedaj, Djuricin.
Spricht für die gute Arbeit unterhalb der U23 – die „Nichthochgezogenen“ (z. B. Riedel, Knoll, Morales) konnten doch aber von Heine anscheinend nicht so weiterentwickelt werden, wie man es von einem guten Trainer erwarten darf. Ketzerisch könnte ich fragen, ob Spieler absichtlich an der U23 vorbei hochgezogen wurden, um nicht zu stagnieren.
Um nicht Heine an den virtuellen Pranger zu stellen: wenn es bei den genannten und anderen nicht gereicht hat, stellt sich die Frage, zu welchem Zeitpunkt sich der Verein von den betreffenden Spielern trennen muss und trotz allem eine gute Regionalliga-Mannschaft zu haben.
Müsste es nicht eigentlich Ziel sein, ähnlich wie Bayern, Stuttgart und Bremen die 2. Mannschaft in der 3. Liga zu etablieren ? Warum hat dies bislang nicht geklappt, sondern war die U23 in der letzten Saison sogar stark abstiegsgefährdet ?

Halten oder verkaufen:
Wird Stuttgart, denen eine exzellente Nachwuchsarbeit nachgesagt wird, nicht vorgeworfen, dass man die eigene Jugend gewinnbringend verkauft und stattdessen aber teure Spieler eingekauft hat, mit dem Ergebnis, dass sich keine Kontinuität einstellt ?!
Ziel von Hertha muss es meiner Ansicht nach sein, den eigenen Nachwuchs an den Verein zu binden mit dem Ziel, eine EIGENE, eine Berliner Mannschaft aufzubauen, die lediglich durch Zukäufe verstärkt wird. Mit Favre als Trainer-Verpflichtung schien man dieses Ziel verfolgen zu wollen. Seine Bewertung des Nachwuchses ließ anscheinend aber maximal sporadische Einsätze zu. Funkel konnte/wollte im Abstiegskampf nicht auf den Nachwuchs setzen und Babbel ist in der komfortablen Situation, zwar aufsteigen zu müssen, aber „erhält Vergebung“ seitens des Fanvolks, wenn er auf die jungen Spieler setzend, diese Fehler machen lässt.


ubremer
ubremer
24. Oktober 2010 um 14:25  |  1034

@wilson,

wie lange Talente im Männerbereich gehalten werden, dazu gibt es eine klare Aussage von Manager Michael Preetz: „Wir geben Ihnen drei Jahre Zeit zur Entwicklung.“

P.S. Zu Karsten Heine: Der hat vom vormaligen Manager im Sommer 2007 einen Fünf-Jahres-Vertrag bekommen, was aber aus mysteriösen Gründen vom Verein nie kommuniziert worden ist.

P.S. 2 Die Annahme, der vormalige Manager habe die Nachwuchsförderung schleifen lassen, weil er persönlich von Dejagah oder Jerome Boateng oder wem auch immer enttäuscht gewesen sei, ist unsinnig. DH war damals enttäuscht. Aber schon vor drei, vier Jahren war klar: Es gibt für Hertha keine Alternative. Stars wird sich der Klub auf Jahre hinaus nicht kaufen können. Sondern im besten Fall selbst entwickeln. Deshalb hat jeder Manager schon aus Eigennutz ein starkes Interesse an einer guten Jugendarbeit.


hurdiegerdie
24. Oktober 2010 um 15:44  |  1035

Aber….. nochmals @ubremer. Was hat man denn (auch der Manager) von der Entwicklung der Stars, wenn diese dann (fast) zum Nulltariff gehen können (siehe Dejagah, aber auch Jerome Boateng).

Auch ihr b) kommt mir zwar nicht zu kurz, aber wo wären wir denn bei den geleisteten Investitionen, wenn es nicht den glücklichen Fathi und den guten KPB-Verkauf gegeben hätte? Ansonsten sind doch die Transfererlöse dünn und rechtfertigen den Aufwand kaum.

Müsste man denn nicht regelmässig solche Verkäufe haben, um die Investitionen wieder rauszubekommen.? Ich kann mich bei Hertha des Eindrucks nicht erwehren, dass es hervorragende Arbeit gibt, bis die Jungs an der Schwelle zum Profitum sind (A-Jugend), dann aber baut die Ernte ab (Berliner Problem, weil zuviel Zerstreuung?) oder andere Vereine mit schlechterer Jugendarbeit lassen das Geld spielen, dass sie beim Aufbau gespart haben. (bösartige Unterstellung, aber wo sind denn die HSV SPieler in den Uxx Mannschaften?)

Leider kann man aufgrund von UEFA-Regularien, Spieler im Jugendbereich nicht länger an Hertha binden, und vielleicht ist das auch gut so (keine Sklavenverträge), aber die Vereinstreue mit „richtigen“ Geld-Erlösen wie im Stuttgarter oder auch Münchner Fall ist doch – aus welchem Grund auch immer – bei Hertha die Ausnahme.


Dan
24. Oktober 2010 um 17:20  |  1037

@ubremer
Nur zum Verständnis, ich meinte nicht das er die Nachwuchsförderung hat schleifen lassen.

Sondern seinen PERSÖNLICHEN Einsatz für die Jugend und um Jugendspielern Einsatzzeit zu verchaffen.

Allein das ich persönlich berichten kann, dass ich D.H. bei allen sieben von mir besuchten U23 Spielen in der Saison 2006/2007 getroffen / gesehen habe und in 2007 / 2008 von acht Spielen nur 1x, spricht für MICH eine deutliche Sprache.

Aber wie gesagt meine Meinung, die natürliche keine Tatsache sein muss. 🙂

Cu Dan

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