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(ub) – Vor Hertha BSC liegt eine kleine und eine große Herausforderung. Die kleine macht mir gerade keine Sorgen: Wer am Sonntag beim SC Paderborn im Hertha-Tor stehen wird. Die Entscheidung darüber fällt, vielleicht, nach dem Abschlusstraining am Samstag Mittag. Vielleicht aber auch erst am Spieltag.

Sorgen mache ich mir deshalb nicht, weil Marco Sejna (38) ungeachtet einer leichten Innenbanddehnung am Knie am Freitag das volle Trainingsprogramm durchgezogen hat. Im Anschluss sagte er: „Alles o.k.“ Sascha  Burchert (20) steht ohnehin bereit.

Bei Maikel Aerts, der etatmäßigen Nummer eins, gehen kleine und große Herausforderung übergangslos ineinander über. Der Holländer, der die ganze Woche nicht trainiert hat, will bei der Abschlusseinheit dabei sein.  Sein Ziel, ungeachtet der Diskussionen im Internet über seine Knieverletzung: Aerts will in Paderborn spielen.

Das vordere Kreuzband heilt nicht

Mit Blick auf Sejna und Burchert halte ich diese Frage nicht für  die wesentliche. Wenn Aerts fit ist – gut. Wenn nicht, haben die anderen Beiden das Vertrauen verdient.

Die große Herausforderung hat  mir Mannschaftsarzt Dr. Uli Schleicher in einem längeren Telefonat versucht zu erklären. @Mineiro hat zu Recht darauf hingewiesen, dass wir hier medizinische Laien sind. Ich versuche dennoch Schleichers Argumentation zusammenzufassen.

Er sagte, dass die grundsätzliche Trennlinie bei einem Anriss des Kreuzbandes nicht darin besteht, ob Aerts nach zwei Wochen wieder spielt, nach vier oder sechs. Weil das vordere Kreuzband nicht heilen kann. Die Gefahr, dass es reisst, besteht solange das Kreuzband nicht ersetzt worden ist.

Die Trennlinie liegt zwischen: Kreuzband operieren (= neues Kreuzband einsetzen, langer Ausfall, aber dann volle Belastbarkeit) oder konservativ behandeln. Auf dem konservativen Weg erhalten sich Aerts und Hertha die Chance, dass der Torwart weiter zu Verfügung steht. Die Frage ist nur:  Lässt sich das Knie mit den verbliebenenen Kreuzband-Fasern und der Muskulatur dauerhaft stabilisieren? Zum Ingolstadt-Spiel ist das punktuell gelungen, danach hat das Knie eine Reaktion gezeigt.

Grundsätzliche Entscheidung im November

Hertha und Aerts werden den konservativen Weg weitergehen, auch wenn der Torwart für Paderborn am Sonntag passen sollte. Das läßt sich aber nicht unendlich weiterverfolgen. So wie ich es verstanden habe, steht irgendwann im Monat November eine grundsätzliche Entscheidung an: Stabilisiert sich das Knie von Aerts ausreichend oder nicht? Im positiven Fall wird Aerts zu den mutmaßlichen Aufstiegshelden gehören . . .

Ihr ahnt, wie die Antwort im schlechtesten Fall ausfallen würde. Also heißt es Daumen drücken.

—————————-

Bevor es zur Umfrage geht, eine Empfehlung zum Thema aus unserer kleinen Jukebox:

Wencke Myhre – Er steht im Tor / 1969

Als Hertha-Manager würde ich in der Torwart-Frage . . .

  • auf Sejna/Burchert/Strebinger setzen (31%, 39 Stimmen)
  • auf Maikel Aerts vertrauen (27%, 34 Stimmen)
  • im Winter einen Bundesliga-tauglichen Torwart unter Vertrag nehmen (24%, 30 Stimmen)
  • im Winter Jaroslav Drobny vom HSV zurückholen (17%, 21 Stimmen)
  • sofort einen neuen Torwart verpflichten (2%, 3 Stimmen)

Anzahl der Wähler: 127

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21
Kommentare

Dan
5. November 2010 um 19:06  |  1484

Wenn er es sich zutraut und es ihn nicht körperlich sowie mental behindert dann soll er spielen bis das Band reißt.

Jetzt eine Operation bedeutet doch das Saisonende für ihn. Verlust des Stammplatzes. Wer will einem ehrgeizigem Sportler dieses eingehende Risiko verdenken.

Die sportliche Leitung muss hier eine schwierige Entscheidung treffen.

Für einen sofortigen neuen Keeper wäre ich nicht. Auch keinen bundesligatauglichen. Bisher sind wir weder aufgestiegen, noch haben wir fette Kassen. Mit Senja und Burchert sollte es diese Saison reichen, da ja einige auch behaupten, die Keeper hätten hier nichts zu tun und sind daher nicht bewertbar.

Heute zeigt sich wieder einmal wie cool dieser Blog. Das @ubremer extra für uns bei Dr. Schleicher anruft und uns dann exclusiv informiert, wo gibts das schon. 🙂

Danke @ub und @dst


Mineiro
5. November 2010 um 19:38  |  1485

Ich kann mich @Dan nur anschließen – Klasse Hintergrundberichterstattung, vielen Dank dafür!

Was ich als medizinischer Laie noch nicht verstanden habe, ist warum das vordere Kreuzband bei konservativer Behandlung nicht verheilen kann? Woran liegt das? Ist das immer so oder nur in dieser speziellen Situation bei Maikel?

Bedeutet das für Maikel schlussendlich, dass früher oder später eine Operation an seinem Knie sowieso unausweichlich sein wird?


ubremer
ubremer
5. November 2010 um 20:57  |  1486

@Dan und @Mineiro,

danke, danke für die Blumen. Recherche ist Teil des Reporter-Lebens. Ausführlicher gibt es das Thema in der Samstagsausgabe der Morgenpost zu lesen ;-).

Mannschaftsarzt Schleicher habe ich so verstanden: Ein vorderes Kreuzband wächst grundsätzlich nicht zusammen. Das ist also kein Aerts-Phänomen.

Ob man damit Profifußball spielen kann, hängt vom Einzelfall, sprich der jeweiligen Art der Verletzung zusammen.
Prognosen machen eher wenig Sinn. Mit dem oben beschriebenen konservativen Weg nehmen Aerts und die Ärtze eine Risikoabwägung vor. Aber es gibt halt keine Garantien für einen positiven Ausgang.
Manchmal sind Leistungssportler nicht zu beneiden.


Treat
5. November 2010 um 21:37  |  1487

Auch von mir Dank für diese spannende und für mich durchaus erhellenden Hintergrundinfos.

Wir als Laien diskutieren mal wieder aufgeregt darüber, ob man das Ganze nicht hätte 2 Wochen länger heilen lassen müssen und erfahren dann, dass das nicht den geringsten Unterschied macht – das sollte uns etwas erden, denke ich.

Für Aerts tut es mir nach seinem Berliner Auftakt sehr leid, dass er vor dieser schwierigen Entscheidung steht. Geht es schief, ist es traurig, es passiert dann aber auch nichts anderes als im Falle einer geplanten OP – er fällt für die restliche Saison aus.

Geht es gut, wird er – wie oben schon beschrieben – möglicher Weise zum Helden.

In seiner Situation würde ich mich definitiv für das Risiko entscheiden.

Für mich als Aerts-Befürworter hoffe ich, dass er das Knie stabilisieren kann und auf eine OP endgültig verzichtet werden kann, ich bin sicher, er ist genau der Keeper, den wir in dieser Situation gebraucht haben.

Blauweiße Grüße
Treat


hurdiegerdie
5. November 2010 um 22:42  |  1488

Ich denke, man darf die akuten Folgen nicht mit den chronischen in einen Topf werfen. Richtig ist – soweit ich weiss – dass das verletzte Band nie wieder richtig heilt, es vernarbt wohl teilweise und man kann viel über die Muskulatur machen. Natürlich hängt es auch davon ab, wie stark das Band verletzt wurde.

Aber es hat ja auch etwas akut zum An-(Riss) des Bandes geführt , meist starke Verdrehungen unter ungewöhnlichem Gewalteinfluss. Dabei reisst ja nicht einfach nur das Band und gut ist, sondern es treten auch Blutergüsse und andere unangenehme Begleiterscheinungen (Gelenkflüssigkeit, Entzündungen, etc) auf. Nicht umsonst prognostiziert man ja 3-4 Wochen Pause.

Ich habe zumindest noch nie gehört, dass man nach einem Kreuzbandanriss sagt, egal heilt sowieso nicht vollständig also kannst du auch morgen weitermachen.

Ich glaube schon, dass zumindest diese Begleitumstände sauber verheilen müssen, sonst kommen sie halt schnell wieder oder verschlimmern sich schneller wieder. Warum hat er denn jetzt „Wasser“ im Knie oder pausiert zwischen den Spielen, um das Knie zu schonen?

Ich bin zumindest nicht überzeugt, dass es egal ist, ob man 2 Wochen früher oder später anfängt. Mit Sicherheit wissen das jedoch der Doc und Aerts besser als ich und haben sich für diesen Weg entschieden. Wohler wäre mir auf jeden Fall wenn Aerts statt Sejna spielen könnte, wenn er denn unbeeinträchtigt spielen kann .


Exilherthaner
5. November 2010 um 22:55  |  1489

Auch von mir Danke für die Berichterstattung.

Zum Thema Risikoabwägung: je nach Arzt wird es da wohl immer verschiedene Meinungen geben.

Erst kürzlich hat sich ja Beichler in der Mopo darüber beschwert, dass die Ärzte in seiner Heimat seine Verletzung konservativ behandelt haben und er aufgrunddessen jetzt lange Zeit ausgefallen ist. Die ärztliche Analyse in Berlin fiel da so aus:

„Auch der Potsdamer Spezialist Dr. Jens Krüger staunte während des Eingriffs, „wie man damit so lange noch Fußball spielen konnte“.“

Aerts spielt nun mit einem recht instabilen Knie. Wer garantiert denn, dass bei einer schwerwiegenden Verletzung „nur“ das vordere Kreuzband( welche ja so oder so ersetzt werden muss) betroffen sein wird und nicht noch das hintere Keuzband, die Aussenbänder usw. (man erinnere sich an Lucio)?
Gerade wenn man zwei gute Keeper wie Sejna und Burchert in den Reihen hat, würde bei mir die Risikoabwägung wohl anders ausfallen. Aber man kann den Spieler ja nicht zur OP zwingen.


ft
5. November 2010 um 23:01  |  1490

Es ist in der Tat so, dass die Fachliteratur bei einem Anriss des vorderen Kreuzbandes (ligament cruciate anterior) eine konservative Behandlung bevorzugt.
Grobe Symptome sind Schmerz, Schwellung und Bewegungseinschränkungen im Kniegelenk.

Da man bei einem Berufssportler nun nicht dauerhafte Ruhe verordnen kann und eine Veränderung des Arbeitsplatzes empfehlen will;
dazu hängt wohl auch zu viel Geld an diesem Knie,
wird man wohl mit primär mit physiotherapeutischen Methoden das Knie behandeln.
Ohne jetzt das Knie gesehn und befühlt zu haben, gehe ich davon aus, das Ultraschall für die Reizsenkung, Lymphdrainage gegen die Schwellung, klassische Massagen für den Muskeltonus und obligatorisches gezieltes Krafttraining für Maikel an der Tagesordnung sind.
Über Schmerzmittel als Übergangslösung denk ich nicht mal nach. Das ist scheinbar im Sport sowieso der Alltag.

Im Prinzip ist also nichts gegen Einsatz zu sagen.

(schreib ich mal so als WaldundWiesenphysiotherapeut )


Bolle75
6. November 2010 um 0:44  |  1491

Das ist in der Tat ein schwieriges Thema, habe selber 6 Knie OP´s hinter mir aber es war kein Kreuzbandriss dabei. Trotzdem bin ich dadurch vielleicht mehr mit der Materie vertraut als jemand der noch nie etwas am Knie hatte und mehrmals in einem 4er Zimmer mit lauter Leidensgenossen die Zeit totgeschlagen hat. Da gab es einen der hatte Beine wie Bäume und einen Kreuzbandanriss, die Ärzte meinten das seine Muskeln ausreichen würden das Bein zu stabilisieren. Allerdings müssen es dann auch die richtigen Muskeln sein und das wiederum kann nur ein Arzt bzw. Physiotherapeut beurteilen. Und wie viele Muskeln man da hat habe ich in meinen div. Rehas erfahren dürfen. (Virtueller Muskelkater lass nach) Insofern liegt die Entscheidung allein beim Patienten falls die Muskelmasse stimmt.
Was ich mich aber die ganze Zeit schon Frage. Warum kann man das ganze ohne OP nicht genauer Diagnotizieren? Es gibt doch heute diese Dinger (mir fällt der Name gerade nicht ein) mit denen man den Körper in Scheibchen durchleuchten kann und diese Querschnitte dann ein 3D Bild ergeben. Kann man denn daran nicht erkennen wie stark das Band kaputt ist oder ob es nur stark gedehnt ist. Ist so eine Untersuchung am Knie nicht möglich oder ist sie noch so neu und dadurch teuer das sie selbst im Profisport noch nicht für „Lappalien“ eingesetzt wird?

Nun ja ich hoffe das Aerts bis zum Winter durchhält und dann ggf. eine Arthroskopie machen läßt um festellen zu lassen ob doch mehr gemacht werden sollte. Eine Arthroskopie ohne weiteren Eingriff kann meines Erachtens nach nicht schlimm sein. Als bei mir eine Schraube aus der Kniescheibe entfernt wurde war ich nach einem Tag wieder vollkommen i.O. wäre da nicht das Pflaster und die zwei kleinen Narben gewesen.

Also wenn Aerts sich das spielen zutraut und spielen kann soll er es tun. Ob er jetzt ausfällt oder erst später spielt auch keine Rolle wenn es dann jeweils ein halbes Jahr dauert. Er sollte sich in jedem Fall in der Winterpause Gewissheit verschaffen. Andererseit wäre ein Totalschaden ala Lucio für Aerts der Supergau und für Hertha ebenfalls sehr schade. Wie auch immer ich drücke Aerts die Daumen das er richtig entscheidet und sich noch so richtig in unsere Herzen spielen kann, mir ist der Kerl nämlich sehr symphatisch.


wolfka
6. November 2010 um 1:11  |  1492

@hurdiegerdie um 22:42
Deine Einschätzung kann ich nur unterstreichen !
Die Colateralschäden des Unfalls waren nach 16 Tagen noch akut , zumal durch das Training weiterhin eine Reizung des Gelenkes anlag .

Als ich dann im Spiel gegen Ingolstadt unseren Keeper auch noch sämtliche Abstösse und Abschläge ausführen sah , war mein Glaube an Herthas medezinische Abteilung engültig dahin .

Es passt aber in die Reihe nur aus letzter Zeit :Da wird ein Spieler mit einem Schleudertrauma und erhelichen Gleichgewichtsstörungen nach wenigen Minuten wieder auf das Spielfeld zum nächsten Kopfball geschickt .
Im Pokalspiel schliesslich liess man den Kapitän nach schwerer Verletzung noch eine gefühlte Ewigkeit auf dem Platz , obwohl sogar aus Berlin zu sehen war , der Spieler läuft stark unrund !

Aber es gibt ja Ärzte , die am Boxring auch beratend tätig sind , die ganz Harten !
So , mein gesammeltes Unverständnis musste einfach mal raus . Sorry !


Exilherthaner
6. November 2010 um 1:59  |  1494

@Wolfka

Oder der Einsatz von Lasogga in der Sommervorbereitung (habe vergessen, gegen welchen Gegner in Berlin getestet wurde). Der Junge ist da in der 1.HZ sehr lange nur noch humpelnd über den Platz „gerannt“. Danach fiel er etliche Wochen aus. Aber vielleicht war ja beim Spiel kein medizinischer Betreuer vor Ort 😉
Manchmal stimmt bei uns m.e. die Balance zwischen Massnahme und Notwendigkeit nicht.


Datcheffe
6. November 2010 um 5:51  |  1495

Moin, Moin!

Naja, ich denke, Maikel wird schon wissen, was er macht. Wenn das Knie punktiert wurde, ist das Wasser ja erst mal draussen, nun kommt es darauf an, wie schnell sich wieder Wasser bildet. Es kann auch ohne Schmerzen abgehen, so war es bei mir. Ich habe mein Knie, welches nach einer OP wirklich schmerzfrei war, auch 15 …mal punktieren lassen müssen, bevor die Wasserbildung von allein aufgehört hat. Ich bin zwar kein Hochleiszungssportler, konnte es dazwischen aber auch ohne Probleme belasten und bewegen! Also, Wasserbildung im Knie ist nicht ubedingt ein Alarmzeichen, kann auch Bestandteil der Heilung sein. da man wohl auf dem MRT von Maikel keine Verschlechterung erkennen konnte, ist Zweites durchaus möglich.
Soweit mein persönlicher Kenntnisstand, der mir von meinem behandelnen Arzt damals erklärt wurde und dem vertraue ich.
Ich wurde von einem Fachorthopäden namens Dr. Mellerowitz, vielleicht kennt ihn jemand, wenn nicht ist der Chefarzt der Kinderorthopädischen Abteilung des Klinikums Emil von Behring, behandelt. Obwohl er die Kinderorthopädie leitet ist er allgemein als Facharzt in orthopädischen Kreisen hochanerkannt und wollte sich unbedingt meinem Knie widmen, weil er sowas lange nicht gesehen hat.

Allerdings finde ich auch, das Marco in Hinsicht auf Maikels dickes Knie spielen sollte, wenn er sich für fit hält.
Dann sehe ich keinen Grund zur Sorge!

Hoffen wir morgen auf das Beste!


ft
6. November 2010 um 11:27  |  1496

Ich weis nicht ob man dieses Thema mal grundsätzlich debattieren sollte. Denn Aerts oder Lasogga sind keine Einzelfälle und auch kein Beispiel dafür das die Abteilung Gesundheit bei Hertha anders handelt als andere Medabteilungen anderer Vereine.
Ich nenn da nur mal den Namen Arjen Robben.
Unfall in der WM Vorbereitung und dann speilt er eine dolle WM.
Der Rest steht in der Zeitung…

Ich glaube mich erinnern zu können, das bei irgendeinem internationalem Spiel in dieser Woche ein Spieler( Italiener ? ) mit bekanntem Fußbruch der Kommentator lapidar erwähnte das der fitgespritzt wurde um die 90 Minuten Leistung zu bringen.

Zwei Beispiele dafür das Medizin kurzfristig einiges Erreichen kann und dem jeweiligen Verein für den Augenblick von nutzen ist. Aber langfristig gesehen sind diese Wunderheilungen ne Katastrophe.
Für den Menschen und dem Verein.


Treat
6. November 2010 um 11:55  |  1497

Viele der Einwände und Nachdenklichkeiten hier kann ich durchaus nachvollziehen.

Dennoch finde ich, dass man sich das Ganze mit einer Pauschalverurteilung der medizinischen Abteilung zu leicht macht.

Ich fürchte, manchem hier ist nicht ganz klar, dass zur korrekten Diagnose und Behandlung auch noch die entsprechende Ehrlichkeit und Mitarbeit beim Patienten gehört. Es ist doch nicth so, dass der Herr Doktor den doofen Fußballer nur ansieht und schon weiß er genau, was mit den los ist, was notwendig ist und das befiehlt er dann!

Die Unterschiede zwischen einer Verletzung, die ein Weiterspielen ausschließt und eine mehrwöchige Pause nach sich zieht und einer, die bedeutet, dass der Spieler mal zwei oder drei Minuten unrund läuft und dann gibt sich das wieder sind oftmals so fein, dass der beste Doktor der Welt einfach auf die Angaben und die Selbsteinschätzung des verletzten Spielers hören muss.

Zudem muss dem Spieler auch ein gewisses Maß an Eigenverantwortung und eigener Entscheidung zugebilligt werden, schließlich fühlt ja nur er, wie es ihm geht und hat über viele Jahre gelernt, in seinen Körper hinein zu horchen.

Von Außen zu kommen – wie wir – und zu behaupten, das muss doch der Spieler vor sich selbst und seinem Ehrgeiz geschützt werden, das ist leicht dahin gesagt aber die Realität sieht eben oft anders aus. Die Sofortmedizin am Spielfeldrand ist eben oftmals keine so exakte Wissenschaft und von vielen Kleinigkeiten abhängig!

Wenn dagegen während der laufenden Therapie Risikoabwägungen planmäßig vorgenommen und daraus resultierend Entscheidungen getroffen werden, dann gehe ich davon aus, dass alle Verantwortlichen sich das gut überlegt haben. Das dennoch ein Restrisiko besteht steht außer Frage aber sollte der Schaden eintreten heißt das noch lange nicht, dass die Entscheidung deswegen falsch und das Risiko zu hoch gewesen ist, sondern dass der Spieler vielleicht einfach nur Pech hatte.

Was passieren kann, wenn man sich dem Spielerwillen beugt, obwohl es besser wäre, ihn vor sich selbst zu schützen oder auch, wenn man ihm nicht folgt, obwohl man damit im Recht ist, beides lässt sich wunderbar an den Konflikten zwischen Arne Friedrich und Lucien Favre ablesen. Erst wird dem Spieler vertraut, der sagt, dass er fit ist und sofort verletzt er sich wieder, nur schwerer als zuvor. Dann wird er trotz Gesundmeldung nicht eingesetzt – um ihn vor sich und seinem ungesunden Ehrgeiz zu schützen – die anschließende neue Verletzung bei der Nationalelf bestätigt und rechtfertigt die Richtigkeit dieser Entscheidung und dennoch „bleibt immer etwas hängen…“.

Ich denke, diese Zusammenhänge sind weit komplexer als das wir sie von Außen so zielsicher beurteilen könnten und auch ein Krankheitsbild bei Wikipedia nachzulesen macht uns noch nicht zu Medizinern.

Blauweiße Grüße
Treat


ubremer
ubremer
6. November 2010 um 12:07  |  1498

@ft,

als „WaldundWiesenphysiotherapeut“ 😉 weisst Du wahrscheinlich besser als wir alle, wie schwer Quervergleiche zwischen einzelnen Verletzungen sind. Selbst bei zwei gleichen Diagnosen, die bei dem einen Spieler in x-Wochen auskuriert ist und beim Zweiten in y-Wochen, ist der Rückschluss schwierig zu beweisen: Dass die eine medizinische Abteilung gut und die andere schlecht gearbeteitet hat. Nichts ist individueller als Gesundheit. @Treat hat dazu schon ein paar Gedanken vorgetragen.

Grundsätzlich ist es aber bei Hertha nicht anders als bei allen Profiklubs: Jeder Verein hat das Interesse an einer exzellenten medizinischen Abteilung. Fußball ist ein Multimillionen-Geschäft. Kein Klub kann es sich leisten, seine teuren Profis länger als unbedingt nötig nicht zur Verfügung zu haben. Da Uli Schleicher seit zwölf Jahren die medizinische Abteilung verantwortet, scheinen er und das Team mit den Physiotherapeuten einiges richtig zu machen.


6. November 2010 um 12:32  |  1499

Und ich sage: Danke @dstolpe, @ubremer und @Wencke Myhre.

Das Video zeigt doch nun eindeutig die Schwächen unserer Mannschaft! Wenn drei Herthaner ihre Elfmeter aus dreieinhalb Metern so schießen, dann ist klar, warum wir derzeit nur zweite Liga sind, ich aber mit dem zweiten Wortteil meines Nicknames ganz vorne dabei bin… (und für den ersten Wortteil findet sich irgendwann auch etwas Passendes!)

Großartig. 🙂


ft
6. November 2010 um 13:23  |  1503

@ubremer
Das ist in der Tat so.
Ich hatte schon den Fall das innerhalb von 4 h zwei neue Patienten kamen welche dieselbe Knie OP vom gleichen OP Team nach der selben OP Methode am selben Tag hinter sich hatten.
Das eine Knie war nach drei Wochen ausgeheilt dass des Anderen war nach Wochen noch nicht auskuriert.
Das zeigt ganz deutlich
dass die individuellen Voraussetzungen ,die jeder Mensch mitbringt, ein enorm unterschätzter Faktor ist.


hurdiegerdie
6. November 2010 um 14:07  |  1507

@ft
Das zum Thema Wikipedia-Wissen 🙄

Ich habe übrigens Kreuzbandrisse in beiden Knien. Beim einen lag ich fast 4 Monate im Krankenhaus, beim anderen bin ich nach 4 Tagen mit eintsprechender Schiene nach Hause gegangen. Allerdings lagen 20 Jahre dazwischen. Bei der ersten OP wurde das ganze Knie aufgeklappt, bei der zweiten nur noch athroskopisch behandelt.

Die Medizin macht also deutlich Fortschritte.


Treat
6. November 2010 um 14:23  |  1508

Also ich hatte nur einen Kreuzbandriss, allerdings nur als eine von vielen Verletzungen in einem – durch einen Zusammenprall beim Fußball – ziemlich zermatschten Knie.

Ich wurde athroskopisch operiert – als einer der ersten in Berlin bei einer so schwerwiegenden Knieverletzung – und lag daher nur zwei Wochen in der Klinik und hatte anschließend 8 Wochen Gips und danach einen gut dreimonatigen Wiederaufbau.

Trotzdem wäre ich aufgrund dieser individuellen Erfahrung nicht auf die Idee gekommen, diese Verletzung mit der eines anderen, ob nun Profisportler oder nicht, zu vergleichen.

Nur um diesen Punkt ging es mir.

Und um die damit verbundene, aus meiner Sicht notwendige Zurückhaltung ALLER, die nicht nah genug dran sind, um wirklich eine Beurteilung abgeben zu können.

Und da die Wikipedia-Bemerkung mit anschließenden Augenrollen (a lá „wie dämlich ist denn mal wieder dieser @treat) wohl auf mich gemünzt war, kann ich nur bitten, noch mal hin zu sehen, was da steht. Das ist ein grundsätzliches Beispiel auf UNS ALLE bezogen und kein Versuch, irgendjemandem hier irgendwelche Kompetenzen abzusprechen.

Aber um hier nicht alle noch mehr zu nerven, werde ich jetzt mal ein Wochenend-Päuschen einlegen, mit besonderen Grüßen an @hurdie: erhole dich gut!

Blauweiße Grüße
Treat


6. November 2010 um 16:21  |  1509

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Rudi Rettich
9. November 2010 um 21:01  |  1705

Warum sollten wir nicht Michael Rensing verpflichten. Mit Lell und Babbel haben wir da unter Umständen einen Fürsprecher! Der sucht doch derzeit. Somit wäre auch ein Torwart mit perspektive (Alter) für das Tor in Berlin gesichert…


ubremer
ubremer
9. November 2010 um 21:09  |  1707

@Rudi Rettich,

willkommen hier. Was spricht denn für den Sportkameraden Rensing, der gerade eine Probetraining beim englischen Zweitligsten Leicester City absolviert hat?

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