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(sto) – Es war exakt 13.55 Uhr am Sonntagnachmittag, da war Hertha mit dem Führungstor von Erzgebirge Aue gegen Alemannia Aachen (Endstand: 2:1) die Tabellenführung in Liga zwei vorerst los. An, und erst recht nach dem 13. Spieltag ist das eine faustdicke Überraschung, Erzgebirge Aue; elf Sportskameraden, die wohl samt und sonders sorglos, weil völlig unerkannt über den Kudamm schlendern könnten. Der Aufsteiger vor dem Ligaprimus, 30 Punkte nach 13 Spielen, so viele wie kein anderer Zweitligist in diesem Jahrtausend – „langsam wird uns das selber unheimlich“, sagte FCE-Routinier Tomasz Kos im Sky-Interview.

Derweil Kollege Bremer mit Michael Preetz telefoniert hat und an einem Interview für die Montag-Ausgabe der Morgenpost arbeitet (Der Manager sagt: „Wenn man Erster ist, will man sich natürlich dauerhaft oben festsetzen. Aber entscheidend ist, dass wir nach dem 34. Spieltag oben stehen“), habe ich mir die 90 Minuten der Übertragung aus dem Erzgebirge live und in voller Länge gegeben: Was kann diese Mannschaft aus Aue, was macht sie so stark. Vor allem: Was unterscheidet den neuen vom alten Tabellenführer aus de Hauptstadt?

Typische Zweitliga-Attribute machen Aue so stark

Klar, Aue kommt über die klassischen Zweitliga-Attribute. Eine robuste, groß gewachsene Mannschaft, die kaum zufällig noch kein Tor nach einem Kopfball kassiert hat. Aber auch eine bemerkenswerte Struktur im Spiel gegen den Ball; ist die Aufstellung erst mal gefunden, gibt es kaum ein Durchkommen.Und offensiv? Lange Bälle finden mal besser und mal weniger gut Abnehmer. Eine Waffe sind schon eher Standards, neun Tore wurden nach ruhenden Bällen erzielt.

Fußball arbeiten, nennt man so etwas. Das ist nicht schön. Dafür effektiv. Aber ich habe auch eine offensive Mittelfeld-Dreierreihe gesehen, die in Person der Herren Schlitte, Kempe und Hochscheidt nicht nur leidlich kicken kann, sondern die auch untereinander permanent die Positionen wechseln und somit enorm schwer auszurechnen sind.

Eure Meinung ist gefragt

Wohin führt der Weg des FC Erzgebirge? „Träumen ist nicht verboten“, sagt Kos: „Aber ich weiß nicht, ob wir schon aufsteigen könnten.“ Meint: Ob Aue nicht überfordert wäre vom und mit dem Abenteuer Bundesliga. Wie beurteilt ihr die Perspektiven der Sachsen inzwischen? Als wir Ende September schon einmal fragten, wer denn wohl Herthas härteste Konkurrenten im Aufstiegsrennen werden würden, votierten von 250 Abstimmungsteilnehmern (und bei je drei möglichen Klicks) ganze neun(!!!) für Aue.

Bochum und Düsseldorf: Geht da noch was?

Dem schließt sich eine weitere Frage an: Was ist mit den zu Saisonbeginn allseits genannten Aufstiegsfavoriten Bochum und Düsseldorf? Samstagnachmittag bekam ich nach meiner Rückkehr aus Osnabrück 90 höchstvergnügliche Zweitliga-Minuten zu sehen – aus Bochum, beim 1:4 des Bundesliga-Absteigers VfL gegen Drittliga-Aufsteiger FC Ingolstadt. Ein Kollege schickte mir eine SMS: „7000 Zuschauer in Bochum. FF (gemeint war natürlich Friedhelm Funkel) entfaltet langsam seine volle Zerstörungskraft.“ Abseits aller Häme stellt sich die Frage: Finden die ewigen Aufsteiger Bochum und Funkel auch in dieser Saison noch den Weg nach oben? Auch Düsseldorf taumelt näher mehr am Abgrund, als noch den Gipfel im Blick zu haben. Aus der Ferne fällt die Antwort schwer, ich stelle die Frage trotzdem: Was ist los in Bochum, was in Düsseldorf? Schaffen beide noch die Trendwende? Markus Babbel sagt, er habe beide noch nicht abgeschrieben.

Wo landet Erzgebirge Aue am Saisonende?

  • Knapp hinter den Aufstiegsplätzen (49%, 110 Stimmen)
  • Irgendwo im Mittelfeld (30%, 68 Stimmen)
  • Relegation (15%, 33 Stimmen)
  • Auf Platz zwei (5%, 11 Stimmen)
  • Auf Platz eins (1%, 3 Stimmen)

Anzahl der Wähler: 225

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Was wird aus den Mitfavoriten Bochum und Düsseldorf?

  • Beide spielen keine Rolle mehr (75%, 151 Stimmen)
  • Nur Bochum kommt noch nach oben (14%, 29 Stimmen)
  • Nur Düsseldorf kommt noch nach oben (7%, 15 Stimmen)
  • Beide greifen noch ins Aufstiegsrennen ein (3%, 7 Stimmen)

Anzahl der Wähler: 202

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Kommentare

fg
21. November 2010 um 16:18  |  2328

ob des gerade frisch erschienenen beitrags umgepostet, da es hier besser passt:

so, die tabellenführung ist erstmal dahin. das KANN gut sein (sowohl für die selbstreflexion als auch für die gegner und auch die doch mitunter recht anstrengenden tv-reporter), wenn man die richtigen reaktionen zeigt.

ich würde mir ja wirklich manchmal wünschen, dass babbel hier mitliest, denn wir zermartern uns ja hier den kopf über alle möglichen aspekte. notfalls sorgen vielleicht unsere mittler von der mopo dafür, dem coach die besten ideen von immerhertha.de mitzuteilen 😉
aber im ernst: ich denke schon, dass spieler und trainer nicht glücklich sind mit der entwicklung und dass ihnen der trend ebensowenig gefällt wie uns. dstolpe und ubremer wiesen ja auch schon darauf hin, dass ihr alltäglicher eindruck ist, dass die mannschaft wirklich WILL.

ich kann mir ehrlich gesagt auch nicht vorstellen, dass es eine bewusste ungleichbehandlung der schiris gegen hertha gibt. nicht ausschließen möchte ich zumindest diese david-gegen-goliath-nummer, weswegen evtl. unterbewusst, gerade auswärts durchs publikum beeinflusst, die refs doch eher konstant hertha benachteiligen könnten. da müsste dann aber spätestens in der winterpause von hertha eine mit fakten belegte analyse dem dfb zukommen, allerdings im sachlichen ton, ohne gleich die beleidigte dieter-keule zu schwingen.

nun denn, es sind noch vier spiele:
wenn man die bisherigen leistungen zu hause, gerade gegen fürth und bochum (was die etwas besser besetzteren gegner anbetrifft), sowie das (trotz)verhalten nach den letzten beiden auswärtsniederlagen als maßstab nimmt, erwarte ich gegen duisburg eigentlich einen sieg.
bei 60 denke ich müsste hertha beste rahmenbedingungen vorfinden: ein großes bundesligastadion, das zur hälfte leer sein wird, zuschauer, die nicht so extrem nah am spielfeld sind, ein gegner, der mitspielt, im endeffekt aber nicht besser sein dürfte als hertha.
sprich: wenn man in den nächsten beiden spielen von der einstellung volle 100% bringt, sollte sechs punkte durchaus drin sein.

weiterzudenken als die nächsten beiden spiele halte ich erstmal für nicht so zielführend, obgleich ich allerdings wirklich mittlerweile sehnlich darauf warte, dass aue mal ein paar spiele hintereinander nicht gewinnt.

herthas ziel sollte es auf jeden fall sein, zur pause vier plus x punkte vorsprung auf den nichtaufstiegsplatz drei zu haben, zumal die rückrunde in oberhausen nicht mit dem dankbarsten spiel beginnt und aue und duisburg mit heimspielen starten.


fg
21. November 2010 um 16:19  |  2329

@exilherthaner:

“Lustenberger ist der einzige Spieler im gesamten Kader, der beides kann. […] jetzt spielen die Stürmer im Mittelfeld und Babbel wundert sich, wieso wir im Mittelfeld die Zweikämpfe verlieren. Dumme Sache, Herr Babbel! ”

absolut richtig. ich bin auch dafür, die spieler so oft es geht so einzusetzen, wie sie auch ausgebildet wurden bzw. wie sie ihre stärken haben.
daher meine frage an alle:

sollte man nicht in einigen spielen (oder sogar in vielen?) vielleicht wirklich mal wieder dazu übergehen, ZWEI stürmer vorne aufzustellen, also da, wo sie eigentlich auch hingehören (nachteile des systems mit einer “offiziellen” spitze sind ja auch mehrfach hier schon thematisiert worden)?
oder ist dieses system wirklich SO altbacken?

spätestens in der rückrunde könnte man dann eine schöne raute dahinterstellen, in der mit niemeyer (lustenberger), ebert, schulz und raffael auch eine halbwegs vernünftige aufteilung gegeben wäre, wo sich alle an defensiv- und offensivaufgaben beteiligen könnten.
und vorne würden ramos, lasogga, domo, friend und djuricin den kampf um die plätze um die beste form in einer vernünftigen konkurrenzsituation austragen.

aber ich “will” endlich die zweite anspielstation in der spitze sehen! 😉


Maria
21. November 2010 um 16:53  |  2331

Also mir ist heute via Twitter dieser Satz rausgerutscht: Jetzt ist Aue also Erster, und ich kann nicht anders als mich darüber zu freuen.
Und dazu stehe ich. Weil ich es toll finde, was Aue als Aufsteiger da macht. Und weil ich aus der Gegend da unten komme.
Um unsere Hertha mache ich mir (bzgl. der aktuellen Tabellensituation) noch keine Sorgen. Schließlich sind wir nur einen Punkt hinter Aue und wir können sie bis zur Winterpause noch aus eigener Kraft überholen. Außerdem glaube ich nicht, dass die Veilchen sich dauerhaft da oben halten werden. Und zu guter Letzt die alte Bayern-Weisheit: wichtig ist, wer am letzten Spieltag oben steht.


ft
21. November 2010 um 18:01  |  2332

Zum Thema Aue hatte ich schon ein paar Zeilen im letzten Thema geschrieben.

Erzgebirge Aue habe ich speziell auf dem Radar seitdem der umtriebige Reiner Calmund in irgendeiner TV Sendung den Verein erwähnte und betonte das die ein sehr gutes Leistungszentrum aufgebaut haben.
Aue ist anscheinend eine Talentschmiede des DFB.
Und die ersten Früchte daraus scheinen sich mit dem aktuellen Platz Eins in Liga 2 zu zeigen.
Der Verein gibt sich auf seiner Homepage und auch in den TV Interviews sehr bescheiden. Betont den regionalen Traditionscharakter.

Doch ich bin mir da gar nicht sicher ob die nicht ein bischen tiefstapeln.
Ich kann mir gut vorstellen das da schon eine rechgt gute fachliche Basis vorhanden ist, welche nur auf das „große Geld“ wartet um richtig durchzustarten.
Das „große Geld“ muß nicht unbedingt in Form von spleenigen Ölscheichs oder russischen Oligarchen erscheinen.
Ganz und gar nicht.
Wenn man in einer gut etablierten Zweitligatruppe “ seine jungen Talente “ präsentieren kann, dann darf man auf gute „Spielerverkäufe “ rechnen.

Was ich hier schreib ist natürlich reiner Spekulatius.

Aber , um auf den umtriebigen Calli zurückzukommen.
Wenn man sieht das in der 3. Liga Dynamo Dresden in Richtung Liga zwo eilen will. Und weis das Calmund dort als Berater tätig ist,
dann scheint mir ein Plan vorhanden zu sein der zu Veränderungen im traditionellen Gefüge der dt. Fußballlandschaft führen kann.
Denn speziell in Liga1 und 2 sind die klassischen traditionellen westdeutschen Vereine deutlich überpräsentiert, während gewaltig große Räume im Osten des Landes brach liegen.
Obwohl der fußballerische Anhang vorhanden ist.

Berlin-Brandenburg ist da mit Hertha Energie und Union noch richtig gut aufgestellt.
Aber dann ist gar nix. Die Rostocker Kogge ( Region Meckpomm) dümpelt in Liga 3 und fightet dort gegen Dynamo Dresden ( Region Sachsen) vor ausverkauften Haus hitzige Gefechte aus.
Riesige Fanlager liegen brach. Das muß doch Sportrechteverwertern regelrechte Magenschmerzen verursachen.
So ein Potential an Zuschauern welches nicht emotional in die TV Vereine (aus Liga 1) einzubinden ist.

Ich glaube das es in den nächsten Jahren dazu kommen wird das Traditionsvereine wie Bielefeld, Karlsruhe ect. in der versenkung verschwinden werden und einerseits Vereine mit Konzernhintergrund ( VW Bayer AG ect) und andererseits Vereine mit Leistungszentrum -hintergrund in Liga 1 den Ton angeben werden.

Denn Fußball ist Entertainment. Und bietet damit die Möglichkeit gutes Geld zu verdienen.

Aue ist kein Zufall, beileibe nicht. Aue ist genauso geplant wie Hoffenheim .


ubremer
ubremer
21. November 2010 um 18:17  |  2333

@ft,

wenn ich die Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung von heute richtig verstehe, hat sich im Osten der Republik schon jemand richtig was vorgenommen.

Red Bull-Mitbesitzer Dietrich Mateschitz: „Mit RB Leipzig an der Champions League teilzunehmen ist sehr wohl das Ziel. Der Titelgewinn ist aber nicht planbar, wenngleich auch nicht ausschließbar.“

Von wegen Profifußball und Unterhaltungsindustrie . . . 😉


sunny1703
21. November 2010 um 19:16  |  2334

Erstmal Glückwunsch an Aue. Die Mannschaft erinnert mich in ihrer Art zu spielen an die erfolgreiche Hertha von favre,hauptsache punkten,egal wie!
Und das machen bisher sehr erfolgreich und haben sich deshalb den Platz da oben verdient!

Doch bitte keine Aufregungen betreff den Neuaufbau einer Spielerszene im Osten unseres Landes.
Aue spielt und das ist eher peinlich für Hertha mit 4 Berlinern,wenn ich mal Velten ausnahmsweise noch mit dazu rechne.
Die meisten Spieler kommen aus dem Westen oder Süden des landes oder haben einen auslänndischen Hintergrund.
In der 3.Liga führt Hansa,was aber nicht überrascht, die werden sich mit Offenbach,Braunschweig und vielleicht noch Wiesbaden um die Aufstiegsplätze kloppen.Dresden wird kaum da eine Rolle spielen.
In der 4.Liga wird Chemnitz seinen Weg machen,Red Bull als Ostmannschaft zu bezeichnen ist überflüssig,denn der Verein könnnte von Mateschitz,wie einst von Mielke auch nach KW oder Wanne Eikel verlagert werden.
Und in den Juniorenbundesligen laufen die Ostmannschaften eher hinterher,bis auf Hertha(bravo heute 4:2 in Osnabrück),die bei den B Junioren heute sogar 6:2 in Erfurt gewannen,2. sind aber mit deutlichem Abstand zu Werder.

Nichts wird so heiß gegessen………..:-))

lg sunny


ft
21. November 2010 um 19:41  |  2335

@ubremer
yes RB Leipzig ist der Albtraum . Wenn ich es recht in Erinnerung habe, wollten die erst an Lok Leipzig ran. Abergegen die Umbenennung in RB stehen wohl DFB Statuten, die solche Übernahmen behindern. Also mußte RB tief in die Schrebergartenliga steigen um sich einen Verein zu kaufen mit dem man dann in die CL kommen möchte.

Grauenhafte Vorstellung das die Praktiken der F1 auf den Fußball übertragen werden könnten.
Da schüttelt es mich gewaltig.


Datcheffe
22. November 2010 um 4:16  |  2342

Moin ,Moin!

Gut…….Aue überrascht zur Zeit alle und ich bin ehrlich, ich gönne es ihnen.
Erinnert mich so ein bisschen an Mainz in der 1.Liga.

Bloss ich glaube nicht, das Aue sich weiter auf Dauer oben halten kann, sie haben einen Lauf und werden irgendwann wieder einbrechen!

Ich gehe fest davon aus, das dieser 1. Platz nur eine Momentaufnahme ist und wir am Samstag gegen den MSV uns die Tabellenspitze wieder zurückholen werden und dann bis zur Herbstmeisterschaft oben bleiben werden.

Begründung sind unsere wesentlich stärkeren 4 Gegener, gegen die sich Hertha garantiert wieder sammeln wird und auch die Punkte einfahren wird.

Klar, sie haben uns 2:0 geputzt, aber ab jetzt sind sie die Gejagten und damit haben sie null Erfahrung und daher werden sie die gleichen Fehler, die wir schon jetzt gemacht haben, auch machen und wieder nach unten durchgereicht werden, siehe Mainz 05!

In 4 Wochen werden wir sehen, wer oben ist und wer nicht und ich rechne damit, das wir garantiert auf einem Aufstiegsplatz überwintern werden!

Schönen Tag noch!


mArk78
22. November 2010 um 8:05  |  2344

@ft

Zuallererst wollten sie an Chemie Leipzig ran und die DFB-Statuten standen im Weg.

Lok Leipzig waren die mit der Neugründung in der 11. Liga, zwei Aufstiegen, dann Zusammenschluß mit Markleeberg, deren Platzübernahme in der 6. Liga und nun andauernder „Stagnation“ in der NOFV-Oberliga Süd.


Blauer Montag
22. November 2010 um 9:54  |  2348

12. Dezember
Heimspiel im Olympiastadion gegen Aue.
Danach werden wir wissen, wer den besseren und erfolgreicheren Fußball spielt.


Treat
22. November 2010 um 10:12  |  2352

@Blauer Montag

Sehe ich genauso, rechne stark mit einem blauweißen Heimsieg und habe auch schon meine Karten (Dauerkarte lohnt sich bei mir ja leider nicht).

Blauweiße Grüße
Treat

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