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(sto) – Das Jahr 2010 geht zu Ende, was haben wir nicht wieder alles an unvorhersehbaren und verrückten Szenen erleben dürfen! Warum sollte es 2011 anders werden – und hier erfahrt ihr exklusiv vorab, was passieren wird (wenn diese bekloppte Realität nicht einen Strich durch die Rechnung macht).

Januar: Jaroslav Drobny macht den Anfang. Ob er wohl ahnt, welche Folgen sein Wechsel von der Ersatzbank des Hamburger SV zum krisengeplagten VfB Stuttgart… – doch der Reihe nach: Drobny also zum VfB. Der zweite Abstieg in Folge und dauerhafte Unvermittelbarkeit auf dem deutschen Arbeitsmarkt für Fußball-Torhüter rücken für den Tschechen damit näher. Der Oldenburger Hans-Jörg Butt („Ich will dem heimischen Gestüt näher sein“) sieht im HSV das ideale Gnadenbrot, und so lockt der FC Bayern Tim Wiese an die Isar. „Jetzt haben wir den Nationaltorwart, den wir wollten“, jubiliert Präsident Uli Hoeneß. Nürnbergs Raphael Schäfer nach Bremen, Tom Starke von Hoffenheim zum Club, Timo Hildebrand zurück aus Portugal zur TSG – es ist ganz schön was los auf dem Torwart-Karussel. Nur zwei blicken lange Zeit traurig drein. Manuel Neuer – und Felix Magath! „Die Transfereinnahme ist für uns überlebensnotwendig“, sagt Schalkes Macher – und verkauft seinen besten Spieler für den symbolischen Preis von einem Euro an Hertha BSC. Und der GröFuMaZ? Der verpflichtet für Wolfsburg Srdjan Lakic, einen Stürmer. „Ihn kenne ich noch von früher“, sagt Dieter Hoeneß.

Februar: Das Derby gegen den 1.FC Union steht an, und Manuel Neuer erlebt sogleich, was Berliner Fußballbegeisterung bedeutet. Nach einem hart erkämpften 1:0 gegen die Eisernen aus Köpenick (Torschütze: Rob Friend/90.+3.) sagt Herthas neuer Torwart beseelt: „Ich habe immer davon geträumt, in einem so großen Stadion Fußball zu spielen.“ Eine Woche später scheitert Wolfsburgs neuer Hoffnungsträger Lakic gleich dreimal per Strafstoß an HSV-Keeper Butt, der seinerseits per Strafstoß zum 1:0-Endstand trifft. Die Gesichtsfarbe des GröFuMaZ nimmt einen zarten Lila-Ton an, unter einem Auge tritt eine Ader bedrohlich hervor. Aber sogleich bessert sich seine Laune: Der DFB macht Dieter Hoeneß „aufgrund seiner Lebensleistung“ das Angebot, den neu geschaffenen Posten des „Vorsitzenden der Geschäftsführung der Nationalmannschaft“ zu besetzen. Er ist damit von nun an Vorgesetzter von Bundestrainer Joachim Löw und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff – und verspricht: „Durch meine Kontakte werde ich den einen oder anderen Nationalspieler hervorbringen, mit dem niemand rechnet.“ Diese Drohung steht von nun an im Raum.

März: Der VfL im freien Fall. Der GröFuMaZ bestimmt Arne Friedrich zum neuen Kapitän. „Ein harter Kerl wie er muss jetzt vorangehen“, sagt er – und bringt mit dieser Personalie geheime Verhandlungen mit einem immer Schweizer Fußballlehrer auf Jobsuche zum Scheitern. Ein anderer Coup immerhin gelingt: Der GröFuMaZ präsentiert mit Ilhan Mansiz einen echten Olympia-Anwärter. „Ich kenne ihn noch von früher“, sagt Dieter Hoeneß: „Ich darf mir ruhig ein wenig auf die Schulter klopfen, zu dieser Zeit des Jahres einen Athleten mit seinem Können gefunden zu haben.“ Der Hertha-Dampfer steuert dank Neuer klar auf Aufstiegskurs. Der fränkisch-bayerische Auswärtsspiel-Doppelpack in Fürth und Ingolstadt zeitigt zwei deutliche 1:0-Siege. Torschütze in beiden Partien: Pierre-Michel Lasogga.

April: Dieser Rückschlag tut kaum weh: Hertha unterliegt beim VfL Bochum 0:1. Im Siegestaumel sagt Friedhelm Funkel: „Ich kann meiner Manndchaft keinen Vorwurf machen. Sie hat alles gegeben und ist nur wieder einmal nicht für ihren Aufwand belohnt worden. Andererseits steht nirgends geschrieben, dass wir jedes Spiel gewinnen müssen.“ VfL-Sportvorstand Thomas Ernst handelt prompt und feuert den merklich verwirrten Funkel noch während der Pressekonferenz. Doch der sitzt schon anderntags ein paar 100 Kilometer nordöstlich auf dem Podium im Presseraum der Volkswagen-Arena: „Ich bewundere den VfL seit Jahren. Dieser Verein passt zu mir. Ich war in meiner Karriere immer ein Kämpfer und Arbeiter. Das zeichnet auch den Charakter des Klubs wieder.“ Der GröFuMaZ lächelt selig, Kapitän Friedrich ebenso. Stutzig werden beide erst bei diesem Nachsatz: „Unser Ziel ist der direkte Wiederaufstieg.“

Mai: Michael Preetz hat Wort gehalten: Am 15. des Monats ist „Hertha wieder da“, die Rückkehr in die Bundesliga ist perfekt – als Tabellenerster der Zweiten Liga. In Wolfsburgs Geschäftsstelle geht anderntags ein Schreiben mit Berliner Absender ein, in dem zu lesen steht: „Lieber Dieter, ich habe natürlich nicht vergessen, dass es immer dein größter Wunsch war, einmal mit der Meisterschale durch das Brandenburger Tor zu fahren. Und da dein Anteil an unserem Titelgewinn gar nicht groß genug eingestuft werden kann, lade ich dich zu unserer Party ein – in Wagen 7, gleich hinter den Zeugwarten und Herthinho, ist ein Platz für dich reserviert. Erstklassige Grüße, dein Michael.“ Doch die Absage lässt nicht lange auf sich warten – der VfL muss in der Relegation schließlich noch gegen die namensgleichen Bochumer mit deren neuem Trainer Lucien Favre antreten. . .

Juni:Alle Herthaner haben Urlaub. Alle? Nein, Pierre-Michel Lasogga hat überraschend noch einen Anruf des Bundestrainers erhalten. Jener Joachim Löw sagt über die unerwartete Nominierung des 19 Jahre alten Zweitliga-Torschützenkönigs (23 Saisontore): „Ich habe festgestellt, dass Qualität und technische Fertigkeiten über Erfahrung stehen. Ich messe einen Spieler daran, was er kann und welche Möglichkeiten ich bei ihm sehe.“ Prompt erzielt der für Mario Gomez eingewechselte Lasogga im EM-Qualifikationsspiel in Wien gegen Österreich in der Nachspielzeit den 1:0-Siegtreffer, bleibt jedoch nur vier Tage später – wie der Rest der deutschen Mannschaft – beim 0:0 in Aserbaidschan erfolglos. „Die waren einfach die besseren Österreicher“, stellt der Youngster selbstbewusst fest. Im Tor feiert Fußball-Deutschland Hertha-Keeper Manuel Neuer.

Unterdessen bricht der „Vorsitzende der Geschäftsführung der Nationalmannschaft“ auf zu einem Scouting-Trip. Kurzzeitig herrscht in der DFB-Zentrale Verwirrung, weil die Flugverbindung Frankfurt-Rio auf den ersten Blick nicht unbedingt mit dem Reisezweck korrespondiert. Dieter Hoeneß aber beschwichtigt die Bedenkenträger, er sagt: „In unserer Situation muss man kreative Lösungen finden.“

Morgen: Hertha zurück in der Bundesliga – Präsident Werner Gegenbauer beschafft frische Millionen – Ronny wird Nationalspieler


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Kommentare

DOkos
31. Dezember 2010 um 11:24  |  5260

Schön zu lesen, klingt aber einen Tick ZU traumhaft! 🙂
Die typischen Charaktermerkmale sind übrigends super wiedergegeben; „Andererseits steht nirgends geschrieben, dass wir jedes Spiel gewinnen müssen.” nach einem Sieg, nicht schlecht! Sollte es wirklich so kommen wird es wohl das schönste Fußballjahr seit langem^^
Freue mich schon auf morgen


juriberlin
31. Dezember 2010 um 11:55  |  5262

böse, böse – hier scheint es doch noch alte Rechnungen mit D.H. zu geben, die es zu begleichen gilt.

böse, böse – aber sehr gut 🙂 😉


31. Dezember 2010 um 12:23  |  5264

LOL. 🙂


31. Dezember 2010 um 12:54  |  5267

Sehr schön……
Noch einmal gut gelacht im alten Jahr auf ins Neue(r) *Prost* 🙂

guten rutsch @ all

ThomasK


mArk78
31. Dezember 2010 um 12:54  |  5268

Einfach nur klasse!

Auch, dass Ihr den GröFuMaZ übernommen habt und Funkel einen auswischt ob der Planlosigkeit…

Bin auf Part II gespannt

„Hertha BSC 2011 – Das Imperium schlägt zurück“… oder so… 😀


fechibaby
31. Dezember 2010 um 12:57  |  5269

Hertha wird auch in den nächsten 10 Jahren nicht die Klasse vom Vfl Wolfsburg erreichen.
Hertha und Wolfsburg sind beide 1997 aufgestiegen. Wolfsburg wurde dann 2009 Meister und die ruhmreiche Hertha ist 2010 abgestiegen. Das sind die Fakten!!!!
Eigentlich ist Wolfsburg doch nur der Vorort von Berlin. Aber leider im Fußball deutlich besser.


Exilherthaner
31. Dezember 2010 um 13:15  |  5272

@fechibaby
Ohne die VW-Millionen waere Wolfsburg doch schon laengst in den Untiefen des dt. Fussballs verschwunden….und keiner haette es gemerkt oder sich gar darueber aufgeregt. Das ist reine Wettbewerbsverzerrung und auch Fakt. Fuer mich persoenlich gilt: lieber mit Hertha in Liga2 als mit Wolfsburg in Liga1.

@sto
Lustiger Beitrag. Bin auf den 2.Teil gespannt.


stinkepunk
31. Dezember 2010 um 13:28  |  5273

Ganz schön oft 1:0. Wie wärs mal mit einem schönen 7:4?


Bolle75
31. Dezember 2010 um 13:32  |  5274

Sehr schönes Geschichtlein.

Last es Krachen und zündet die blauweißen Föntänen.
Jutn Rutsch euch allen.


DerBro
31. Dezember 2010 um 13:35  |  5275

Wunderbar … solche Träumereien als komödiantischen Zeitvertreib an ereignislosen Tagen könnte man an sich häufiger gebrauchen. Habe sehr gelacht. Danke für den süßen Jahresabschluss und einen guten Rutsch ins Aufstiegsjahr 2011.


ubremer
ubremer
31. Dezember 2010 um 13:41  |  5277

@alle,

der Kollege Stolpe und ich wünschen einen guten Rutsch. Euch, Euren Familien und Freunden Frieden und Gesundheit fürs Neue Jahr. Mut, für das, was vor uns liegt. Gelassenheit, wo sie benötigt wird. Und ein bisschen Glück braucht es auch.

Passt auf Euch auf


la49
31. Dezember 2010 um 13:42  |  5278

@fechibaby
Welche Klasse?
Ich finde, dass der GröFuMaZ wunderbar in die Stadt der KdF-Wagens bei Fallersleben passt.
Alle künftigen Kunden in der Autostadt dürfen sich bereits jetzt beim GröFuMaZ dafür bedanken, dass die Modelle demnächst eine deutliche Preiserhöhung erfahren. Und natürlich auch die Belegschaft, die eine 5-jährige Nullrunde fahren muss, damit der erfolglose kleine Bruder und Gernegross einen Retortenklub an die Wand fahren kann.
Ein Frohes Neues Jahr. Allen Herthanern das Beste und DH das Schlechteste.
Freue mich auf den zweiten Teil!


hertha@berlin
31. Dezember 2010 um 13:43  |  5279

lol , die Story wird 2011 für den Nobelpreis vorgeschlagen:)
Guten Rutsch an *Alle*! Laßt es krachen!


fg
31. Dezember 2010 um 13:58  |  5281

ein sehr toller text, ubremer!
schön die aspekte mit dieter, favre und funkel eingewoben. hat spaß gemacht zu lesen, am schönsten das schreiben von preetz mit den „erstklassigen grüßen“.
allen einen guten rutsch und HA HO HE!


ft
31. Dezember 2010 um 14:02  |  5283

Ja. Solche Blödelein brauch ich.
Das ist wie Salz in der Fußballsuppe.

Stand die nicht auch was davon das Gabor für uns gegen Augsburg im Tor stehen wird und die Sechzoger die Tischtennisabteilung vom Stadtrivalen werden?


ubremer
ubremer
31. Dezember 2010 um 14:06  |  5284

@fg,

danke für die Komplimente, aber sie gebühren dem Kollegen Stolpe. Er hat den Jahres-Vorgucker verfasst (Ihr wisst anhand der jeweils ersten Buchstaben im Blog, wer von uns Beiden spricht 😉 )


Zimsel
31. Dezember 2010 um 14:43  |  5287

Sehr schöne Geschichte, hab sehr gelacht…..Guten Rutsch euch allen……


Berti
31. Dezember 2010 um 14:44  |  5288

Haha, Atom-ROFL! Weiter so!


wilson
31. Dezember 2010 um 15:02  |  5289

Das geht mir aber nun doch zu weit:

D. Hoeneß hat in all den Jahren erstklassige Arbeit für Hertha BSC geleistet.
Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie er in der Geschäftsstelle von Hertha BSC den Fernschreiber durch ein Telefax-Gerät ersetzt hat und versucht hat, Profi-Strukturen in einem Umfeld, das gerademal drittklassig war, durchzusetzen; und zwar gegen den Widerstand all derer, die der Meinung waren, dass früher alles besser war.
Diese hämischen Bemerkungen einer Berufsgruppe, die vom einstigen bayerischen Ministerpräsidenten als „Schmeißfliegen“ tituliert wurde, werden einer Lichtgestaltwie D. Hoeneß nicht gerecht. Vielmehr schießen all jene heute Giftpfeile in Richtung eines der größten Fußballsachverständigen zwischen der Raststätte Michendorf und der Copacabana , die früher in devoter Haltung um Interviewtermine gebettelt haben.
Dass Dieter der etwas weniger erfolgreiche der beiden Brüder ist, liegt doch nicht an ihm, sondern an der spießigen und kleinkarierten Stadt, die heute Hauptstadt sein will und es dennoch nicht schafft, fußballerisch aus dem Schatten der Autostadt hervorzutreten.
Der Verein Hertha BSC, dem Hoeneß alles, wirklich alles (u. a. Telefax-Gerät) zu verdanken hat, kann sich glücklich schätzen, einen „Global Weichensteller“ als Manager gehabt zu haben und sollte darüber hinaus dankbar sein, neben den technischen Errungenschaften (u. a. Telefax-Gerät) auch den potentesten Hauptsponsor zwischen der Tankstelle Wolfslake und dem Dreieck Werder zu haben.

Ihr Schreiberlinge und Kommentatoren, die Ihr Eure stumpfen Messer wetzt, solltet Euch im Klaren darüber sein, dass es einer deutschen Eiche nichts anhaben kann, wenn sich daran ein paar krümelige Buchstabensetzer reiben.

Nur zur Sicherheit:
Diesen Kommentar bitte nicht ernst nehmen.

Gutes Neues Jahr für alle.


Chuk
31. Dezember 2010 um 15:10  |  5290

Schöne Geschichte. 🙂
@all: Einen guten Rutsch und wir schreiben uns in 2011 wieder.


31. Dezember 2010 um 15:12  |  5291

super beitrag… euch allen ein schönes 2011…

aufstieg! hahohe


fg
31. Dezember 2010 um 17:13  |  5294

@ubremer: wie schlafmützig von mir, ich bitte den herrn stolpe um verzeihung! 😉


Dan
31. Dezember 2010 um 18:34  |  5296

Jupp allen einen guten Rutsch ins Neue Jahr.

Herzlich geschmunzelt nur für den März hätte ich, frech wie ich bin, noch einen Halbsatz.

“Ein harter Kerl wie er muss jetzt vorangehen, da darf einfach nichts hängen…..bleiben.“


Teddieber
31. Dezember 2010 um 20:34  |  5297

Ich wünsche Euch ALLEN einen guten Rutsch und viel Erfolg 2011, vor allem unserer HERTHA !


Petra Woosmann
1. Januar 2011 um 1:15  |  5301

Auch von mir einen super guten Start ins Neue Jahr! Gesundheit und Aufstieg sind zwei wichtige Dinge, die sich in 2011 bedingen.

Habe herzhaft gelacht über die Story und sehe D.H. direkt vor mir. Gut das er jetzt die Kohle in Wolfsburg verballert.

Freue mich auch in 2011 so herrliche Texte und Kommentare hier lesen zu können.

😀


1. Januar 2011 um 13:47  |  5312

@ juriberlin
Da sind keine alten Rechnungen mehr offen, sondern schlicht und einfach nicht bezahlt.

@all
Ich wünsche Euch ein gutes Jahr 2011 mit viel Gesundheit und Gelassenheit.


Blauer Montag
1. Januar 2011 um 18:59  |  5326

noch eine Frage @all:
Wo ist eigentlich der von wilson erwähnte legendäre Fernschreiber geblieben? Hat er den gebührenden Platz im Vereinsmuseum erhalten oder wurde er schnöde zum Altmetall gegeben?


Treat
2. Januar 2011 um 13:14  |  5368

Großartiger Text von Daniel Stolpe – Kompliment. Versüßt mir nun – da ich erst jetzt dazu komme, mich blogmäßig zu aktualisieren – einen etwas trägen Jahresbeginn! Vielen Dank dafür!

Und @wilson: Du bist unschlagbar, da haben sogar die Profis Bremer und Stolpe alle Hände voll zu tun, um auf diesem Niveau dauerhaft mit zu halten! 😉

Blauweiße Grüße
Treat


31. Dezember 2011 um 12:04  |  54030

[…] wir nur mal an, ich hätte vor nun fast genau einem Jahr für den Dezember 2011 prophezeit, dass Aufsteiger Hertha BSC im gesicherten […]

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