Präsentiert von
Berliner Morgenpost
Anzeige

(db) – Hertha trainiert heute nicht öffentlich, die Pressekonferenz findet erst morgen statt, einen Tag vor dem Spiel in Bremen. Zeit also für einen Throwback-Thursday. Bei den Recherchen für meinen aktuellen Text in der Morgenpost habe ich gesehen, dass die Berliner zuletzt im März 2006 bei Werder gewinnen konnten.

Damals trafen Kevin Prince-Boateng, Marcelinho und Yildiray Bastürk zum 3:0-Auswärtssieg. Klingt wie aus einem anderen Leben. Angela Merkel war knapp über vier Monate Bundeskanzlerin, Joachim Löw noch Assistent von Jürgen Klinsmann vor der WM 2006. Es könnte sich also lohnen, zurückzublicken, mit Hilfe meines „Kicker“-Archivzugangs.

Marcelinho beendet die Durstrecke

Marcelinho sank auf die Knie, schaute gen Himmel und setzte ein Stoßgebet ab. „Ich wollte Gott danken, denn diese Tage waren nicht leicht für mich“, sagte der Brasilianer, der zuvor seinen Treffer zum 2:0 ausgiebig bejubelt hatte. Dabei musste er nach 75 Minuten nur aus fünf Metern freistehend ins leere Tor schieben. Aber in der 3. Minute hatte der Spielmacher in ähnlicher Position nur den Pfosten getroffen.

Hertha und seinem Offensivkünstler war damals vieles schwer gefallen. Sein letztes Feldtor hatte Marcelinho im Dezember 2015 gegen Leverkusen erzielt. Dem 2:1 am 15. Spieltag folgten 13 Pflichtspiele ohne Sieg (neun davon in der Liga), Trainer Falko Götz und Manager Dieter Hoeneß wurden infrage gestellt. Dabei hatten die Berliner zuvor einen der besten Saisonstarts der Vereinsgeschichte hingelegt und schienen früh auf Uefa-Cup-Kurs. Es wurde eine Achterbahn-Saison.

Wiese patzt in Schweinchenrosa

Nach vier Monaten ohne Sieg mussten die Blau-Weißen am 25. Spieltag beim damaligen Tabellenzweiten Werder antreten. Die Grün-Orangen traten gegen den vermeintlichen Aufbaugegner mit Stars wie Miroslav Klose, Johann Micoud, Torsten Frings und Tim Wiese an. Doch der Torwart in Schweinchenrosa hatte gerade in der Champions League gegen Juventus Turin schwer gepatzt. Auch gegen Hertha segelte Wiese kurz nach dem Seitenwechsel an einem Marcelinho-Freistoß vorbei, Boateng d.Ä. (der Ältere) köpfte seinen erst zweiten Bundesligatreffer. Hertha führte 1:0.

Trainer Götz, der die Kritik der letzten Wochen „nicht kommentieren“ wollte, hatte richtig gelegen mit seinen Entscheidungen: Er stellte auf Dreierkette in der Abwehr um, beorderte den späteren Nationalspieler Alexander Madlung (debütierte tatsächlich im November 2006) ins Regionalliga-Team und Marcelinho neben Winter-Zugang Marko Pantelic in den Sturm. Dabei hatte selbst Götz den damals 30-Jährigen, der zuvor in viereinhalb Jahren bei Hertha nie auf der Bank gesessen hatte, infrage gestellt. „Der Kopf ist jetzt wieder frei“, sagte Marcelinho nach dem 2:0. Bastürk, der neue Chef im Mittelfeld, der um einen neuen Vertrag über 2007 hinaus pokerte, machte den höchsten Auswärtssieg der Saison perfekt.

Rückfahrt gerät zur Rutschpartie

Trotz des Befreiungsschlages gab es Feindseligkeiten der Fans gegen Manager Hoeneß, der das Weserstadion früher verließ; angeblich um den Sieg alleine zu genießen. Der Job des Trainers, den er zuvor gestützt hatte, war dagegen gerettet. „Es war wichtig zu wissen, dass wir mit Herrn Götz weitermachen“, sagte der damals 19-jährige Boateng brav. Die 400 Kilometer lange Rückfahrt durchs winterliche Norddeutschland geriet danach zur Rutschfahrt. „Neben der Mannschaft war Busfahrer Andreas Timm der große Gewinner, er hat einen Riesenjob gemacht“, lobte Götz.

Der Sieg beflügelte Hertha kurzzeitig, die Berliner blieben sechs Spiele ungeschlagen, mussten aber die Ambitionen auf den Uefa-Cup nach einer 1:5-Heimpleite gegen Leverkusen aufgeben. Am Ende reichte es immerhin noch für den UI-Cup. Im Sommer verließen Marcelinho (Trabzonspor) und Madlung (Wolfsburg) Hertha, im Jahr darauf gingen auch Bastürk (Stuttgart), Boateng (Tottenham) und Götz (im April 2007 entlassen).

Glückszahl 13?

Keiner ahnte damals, dass Hertha 13 Jahre auf den nächsten Sieg in Bremen würde warten müssen, nachdem sie damals eine Durststrecke von 13 Spielen an der Weser beenden konnten. Die Zahl könnte also wieder zur Glückszahl werden.

Morgen Pressekonferenz 12 Uhr.


25
Kommentare

Avatar
Megman
17. Oktober 2019 um 12:04  |  705455

HA !


Avatar
Paddy
17. Oktober 2019 um 12:08  |  705456

HO!


Avatar
joergen
17. Oktober 2019 um 12:10  |  705457

HE!


Avatar
dewm
17. Oktober 2019 um 12:12  |  705458

HERTHA BSC!


Avatar
psi
17. Oktober 2019 um 14:11  |  705467

DER MEISTER VON DER SPREE!


Avatar
Kamikater
17. Oktober 2019 um 14:40  |  705468

Beim letzten Sieg war ich im Herthaeck live dabei. Schade, dass ich Samstag nicht da bin, sonst wär der Sieg sicher.


Avatar
Dd.
17. Oktober 2019 um 15:17  |  705471

Iwi kriege ichnicht immer mitwenn schon Mittags neuer Blog ist.
Zieh mal rüber:

Der Herthaner Covic kriegt von mir ein vertrauensvorschuß, dazu die entwicklungsfähige Mannschaft….
Ich hoffe einfach auf einen fußballerischen Schritt nach vorne und sage: Sieg in Bremen.


Avatar
Silvia Sahneschnitte
17. Oktober 2019 um 18:25  |  705472

So so, Hertha gewährt jetzt dem gemeinen Herthafan Zugang zum Datenraum.
Da scheinen die Initiativen einiger Herthafans (Onlinepetition, Gespräch mit dem Innensenator, …) bei Hertha etwas bewirkt zu haben.
Transparenz ist gut, ob dieses „Einsehen“ bei Hertha jedoch ohne Faninitiativen zu stande gekommen wäre?
Das haben die „aktiven“ Fans also schon bewirkt, auch dafür meinen Dank.
Mit lieben Grüßen
Ihre Silvia Sahneschnitte


Avatar
fechibaby
17. Oktober 2019 um 19:09  |  705473

UEFA bestraft Eintracht Frankfurt:
Die nächsten beiden Auswärtsspiele in der EL muss Frankfurt ohne Gästefans bestreiten.
Richtige Strafe für diese Chaoten!


Avatar
monitor
17. Oktober 2019 um 23:55  |  705476

Schöne Kolumne von @sstier
https://www.morgenpost.de/sport/hertha/article227384637/Kein-W-Lan-im-Himmel.html

Was kann mir eigentlich an der Computertastatur passieren. Hat es da auch schon mal einen Fußballer erwischt? 😉


Avatar
Papa Zephyr
18. Oktober 2019 um 8:48  |  705477

Da gestern Nacht versehentlich im alten Beitrag gelandet, hier nochmals:

@Dd
Der Hertha GF wird hier ja gerade dauernd Unfähigkeit beim Stadion Thema unterstellt… Und für Max. 1-2 Mio hätte man ja die Wohnungen kaufen können… Wie kommst Du da drauf?
24 Wohnungen zu 100m2! Da kostet jede Wohnung locker 300-400.000 Euro. Oder mehr?
ich bin ich da eher bei so 8-10 Millionen… Hatte Hertha Ende 2016 das Geld?

Wie komme ich drauf?
https://m.tagesspiegel.de/wirtschaft/immobilien/wohnungen-im-berliner-olympiapark-fuer-herthas-neues-stadion-muessten-die-mieter-weichen/19939772.html
Da stehen auch noch andere interessante Sachen drin:
„Ja, wir sind mit Hertha im Gespräch“, bestätigt Thorsten Schmitt, Vorstandsmitglied der Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 eG, die zu Beginn des Jahres die Wohnanlage von einem norwegischen Fond gekauft hat. „Denn einem Stadionneubau möchten wir nicht im Wege stehen.“
Schade, dass man es sich dort inzwischen anders überlegt hat.


Avatar
Joey Berlin
18. Oktober 2019 um 9:29  |  705478

Marius Wolf im Tagesspiegel: „Alle zwei Wochen im Olympiastadion spielen zu dürfen, wo wir damals mit der Eintracht den Pokal gewonnen haben, ist einfach klasse. Ich finde, das Stadion hat ein besonderes Flair. Hier aufzulaufen, kitzelt immer ein paar Prozent mehr heraus.“

#Als Spieler sieht man besser. 🙂


Avatar
Opa
18. Oktober 2019 um 9:51  |  705480

@Papa C4: Naja, natürlich hatte Hertha dieses Geld nicht. Aber wovon will man denn ein 250 Mio. € Projekt stemmen, wenn es an solchen „peanuts“ scheitert? Andererseits muss ich Hertha in Schutz nehmen, denn selbst wenn sie gekauft hätten, würde das Problem mit den Ersatzwohnungen ja weiter bestehen. Daran scheitert ja das Vorhaben.

Allerdings kann man es schon ein klein wenig merkwürdig finden, dass man für das Ersatzgrundstück als einzigen Ausweg auf Hilfe vom Senat hofft. Stell Dir vor, eine Deiner Töchter will auf Deinem Nachbargrundstück bauen, der jetzige Eigentümer verlangt von Dir ein Ersatzgrundstück und Du sagst: Da muss die Stadt aus der Hüfte kommen, ich hab keins, aber ich bestehe darauf, dass meine Tochter da baut. Nur dort. Sie will nämlich nicht wegziehen. Tja. Aus Sicht des Nachbarn wäre es wohl nachvollziehbar, wenn der Dir da den Scheibenwischer zeigt.

Nicht nur an Dich, aber wo bleibt eigentlich der Nachweis, dass diese Stadien 10 Punkte pro Saison mehr bringen? Bei Köln könnte man aus dem Zweitligaschnitt eventuell ähnliches ableiten, da kann man es sich aber nur leisten, 2. Liga erfolgreich zu spielen, weil man nicht Eigentümer des Stadions ist 😉


Avatar
ursula
18. Oktober 2019 um 10:44  |  705482

Wer hat denn diese MÄR erfunden,
dass man „in diesen Stadien“ ZEHN
oder mehr Punkte MEHR holt…?

Der FC Bayern z. B. hat von seinen
5 verlorenen Punkten VIER zu Hause
in „steil, nah, laut“ etc., gegen Hertha
und Hoffenheim abgegeben, und, und
und, und…..

Es gibt andere Gründe für Heimerfolge!!


Avatar
sunny1703
18. Oktober 2019 um 11:55  |  705483

In dieser Saison gab es „glaube“ ich mehr Auswärtssiege als Heimsiege. Nah-Steil- laut deshalb abreißen ? ?????


Avatar
sunny1703
18. Oktober 2019 um 11:59  |  705484

@Opa

Wie (fast)immer bei dem Thema stimme ich mit Dir überein.


Avatar
Dd.
18. Oktober 2019 um 12:08  |  705485

@Papa

Sicherlich sind die 1-2 Miille aus dem Daumen, ebenso deine Schätzung.
@Exil weiß wo man die Bilanz der Genossenschaft findet. Da steht es für 2017 (?) drinn.
Lassen wir uns überraschen.
Die Schätzungen sind egal…
🙂


Avatar
Exberger
18. Oktober 2019 um 12:15  |  705486

Vor ein paar Wochen wurde doch berichtet, weiss nicht mehr wo, dass der Heimvorteil statistisch nicht unwesentlich gesunken ist.

Mir würde die bessere Stimmung sehr gefallen. Ich habe aber auch andere Befürchtungen, wie zum Beispiel Beschallung mit fürchterlich lauter und fürchterlich schlechter Musik oder Fantrennung und der fehlenden Möglichkeit ums Stadion rumzulaufen


Avatar
Kamikater
18. Oktober 2019 um 12:15  |  705487

@ursula
Jetzt muss man aber fairerweise sagen, dass bei Bayern nahezu 0 Stimmung ist. Daher ist das kein wirklicher Heimvorteil. Steil, nah, leise.


Avatar
Piere
18. Oktober 2019 um 12:19  |  705488

Mir ginge es um eine bessere Sicht und eventuell auch noch um eine etwas bessere Stimmung. Nicht nur Ostkurve! Aber alleine dafür wird Hertha sich wohl nicht lang machen oder?


Avatar
Exil-Schorfheider
18. Oktober 2019 um 12:22  |  705489

Dd.
18. Oktober 2019 um 12:08 | 705485

In der jedermann zugänglichen Bilanz steht der Kauf in den Erklärungen und die Mieteinnahmen. Der Kaufpreis wird nicht erwähnt.

Was mich an der Diskussion ärgert, ist der Umstand, dass man bei Hertha zwar im Geheimen die KKR-Anteile aufgestockt hatte, um wahrscheinlich „strategische Defizite“ zu deckeln, wenn das EK nominal steigt.
Aber niemand kam anscheinend auf die Idee, die Wohnungen zu kaufen, vor allem, um auch erstmal die Mieteinnahmen zu generieren, vorrangig aber, dann einen Plan zu entwickeln, die eierlegende Wollmilchsau neben das Oly zu setzen.

Putzig finde ich in diesem Zusammenhang, dass der erfolgreiche, sympathische Herr Teichert dann einen Bebauungsplan(Skizze) vor der Machtergreifung bei Twitter veröffentlicht und suggerieren möchte, dass es darin ein zweites Stadion in der Planung gab.
Leider fehlt die Legende in diesem Tweet, sodass man da schon wieder kritisch werden könnte.


Avatar
Flämingkurier
18. Oktober 2019 um 12:31  |  705490

Was kommt als nächstes von diesen Wohnungsgenossen??
Klagen die uns wegen Lärm 2025 aus dem Olympiastadion weil wir bis dahin noch nicht wie geplant ausgezogen sind??


Avatar
18. Oktober 2019 um 12:46  |  705491

..zur Stadiondebatte hat ja niemand mehr was wirklich Neues beizutragen. Deshalb von mir nur mal wieder eine einfache Stammtischfrage: warum musste man ausgerechnet einen ehemaligen Staatssekretär von Sarrazyn ( ja, ja..) für die Kommunikation auswählen..ein Mann,der bei den meisten Sozialdemokraten, Grünen und Linken..garantiert kein einladender Gesprächspartner sein dürfte ?- Mir sind solche Besetzungen schleierhaft..


Avatar
Carsten
18. Oktober 2019 um 13:03  |  705492

Ich persönlich bin relativ optimistisch was das evtl. neue Stadion angeht, nur eine Zeit frage. Was die vorteile eines reinen Fußballstadions allgemein angehen, zumal Hertha die Gastronomierechte usw. oder digitale Infrastruktur usw. selber regeln kann, liegen die Vorteile klar auf der Hand. Aber das ist die Zukunft, jetzt geht es erstmal nach Bremen zu den fischköppen.

Anzeige